Brasilien 2026: Vogelbeobachtung rund um die Amazon Turtle Lodge

Um fünf Uhr klingelte der Wecker. In der Nacht hatte es noch lange geregnet und aus dem Zimmer nebenan waren leider sämtliche Schnarchgeräusche von laut bis leise zu hören gewesen. Auch die Klimaanlage war sehr laut, so dass an einen ruhigen Schlaf nicht zu denken war. Daher war es nicht schlimm, schon so früh aufzustehen. Marcelinho und unser Kapitän warteten bereits am Pier auf uns und im Morgengrauen brachen wir zum Sonnenaufgang über dem Regenwald auf. Natürlich hofften wir auch heute auf weitere Vogelsichtungen und auf Grünflügel- und Scharlacharas.

Viel Sonne war nicht zu sehen aber immerhin ein Farbstreifen am Horizont. Wir lauschten den Geräuschen der Natur und dem Erwachen des Regenwaldes. 

Ein Farbstreifen am Horizont
Ein Farbstreifen am Horizont

Rund zwei Stunden fuhren wir über den Lago Tracajá und den Rio Tracajá.

Im Amazonas-Regenwald
Im Amazonas-Regenwald

Im Amazonas-Regenwald

Im Amazonas-Regenwald

Wir hielten Ausschau nach Vögeln, die sich am heutigen Morgen jedoch sehr bedeckt hielten. Ein Spixguan (Spix’s guan, Penelope jacquacu) saß hoch oben in einem Baum. Das grelle, graue Licht bot mir allerdings keine Chance für ein möglichst schönes Foto.

Spixguan (Spix's guan, Penelope jacquacu)
Spixguan (Spix’s guan, Penelope jacquacu)

Auch das Gelbbrauenspecht-Pärchen (Yellow-tufted Woodpecker, Melanerpes cruentatus) saß soweit weg, dass mein 400mm Teleobjektiv bei weitem nicht ausreichte, um den Vogel gut erkennbar abzulichten.

Gelbbrauenspecht-Pärchen (Yellow-tufted Woodpecker, Melanerpes cruentatus)
Gelbbrauenspecht-Pärchen (Yellow-tufted Woodpecker, Melanerpes cruentatus)

Das Wetter war am heutigen Tag wirklich nicht schön aber immerhin regnete es nicht. Und kalt war es auch nicht. Allerdings würde sich die Sonne vermutlich gar nicht zeigen.

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Wir schipperten weiter auf dem ausgedehnten See und sahen einen Fischbussard (Black-collared hawk, Busarellus nigricollis).

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Fischbussard (Black-collared hawk, Busarellus nigricollis)
Fischbussard (Black-collared hawk, Busarellus nigricollis)

Immerhin war auf die Weißbrusttukane (White-throated toucan, Ramphastos tucanus) verlass, die wir nicht nur rufen hörten, sondern auch auf einem Ast sitzen sahen. Insgesamt waren drei Vögel auf dem Baum, von denen zwei direkt abhauten als wir uns näherten. Aber einer blieb standhaft und erlaubte mir ein paar Fotos.

Weißbrusttukan (White-throated toucan, Ramphastos tucanus)
Weißbrusttukan (White-throated toucan, Ramphastos tucanus)

Nach etwa 2 Stunden kehrten wir zurück zur Amazon Turtle Lodge, wo uns erstmal ein Frühstück erwartete. Harvey, der Tourist aus Amerika war auch da und wir setzten uns an einen Tisch. Normalerweise sind die Tische in der Lodge nach Gästen und dem jeweiligen Guide aufgeteilt. Einzelne Gäste sitzen dadurch aber alleine. 

Frühstück in der Amazon Turtle Lodge
Frühstück in der Amazon Turtle Lodge

Wir unterhielten uns ein wenig und begaben uns um 09:00 Uhr wieder zum Pier für eine weitere Rundfahrt mit dem Schnellboot.

Gespannt, ob der Regenwald nun so langsam erwacht war, bretterten wir los.

Vom Lago Tracajá fuhr unser Kapitän wieder in die ruhigeren Nebenarme des Sees.

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Marcelinho hoffte uns ein paar Grünflügelaras zeigen zu können, die sich häufig in einem Baum nähe der Lodge aufhielten. Heute hatten wir kein Glück und tauchten daher tiefer in den Regenwald ein.

Je enger die Durchfahrten, umso weniger Vögel gab es natürlich zu sehen aber das machte uns nichts aus, denn die Landschaft war einfach traumhaft und wir genossen das Dahingleiten mit dem Boot. Hauptsache, es fing nicht an zu regnen.

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Sieht aus wie eine Sackgasse aber kein Problem für unseren Kapitän

Wir entdeckten zwei Mülleramazonen (Mealy amazon or Mealy parrot, Amazona farinosa), die über uns in einem Baum krächzten.

Mülleramazonen (Mealy amazon or Mealy parrot, Amazona farinosa)
Mülleramazonen (Mealy amazon or Mealy parrot, Amazona farinosa)

Wir fuhren vom breiten See, der eher an einen Fluss erinnerte, mitten durch Wälder, die in der Trockenzeit komplett trocken lagen. Aktuell lag der Wasserstand bei etwa 4-6 Meter. Unglaublich, dass das im Laufe des Jahres alles austrocknen würde. Unglaublich auch, wie zentimetergenau unser Kapitän durch den Regenwald navigierte. Immer wenn wir dachten, da geht es im Leben nicht mehr weiter, fand er eine passende Lücke. Wie lange es wohl braucht, sowas zu lernen.

Und auch seine Orientierung war beneidenswert. Bei den ganzen Kanälen einen Überblick zu behalten und zu wissen, was befahrbar ist und was nicht, braucht bestimmt einiges an Übung.

Ein Hoatzin (hoatzin, Opisthocomus hoazin) beobachtete uns misstrauisch und suchte Zuflucht im dichteren Geäst.

Hoatzin (hoatzin, Opisthocomus hoazin)
Hoatzin (hoatzin, Opisthocomus hoazin)

Auch heute sahen wir einige Vögel, die wir gestern bereit entdeckt hatten wie die Cayenneschwalbe (White-winged swallow, Tachycineta albiventer), die Schwarzkehltangare (Red-capped cardinal, Paroaria gularis) und den Schwefelmaskentyrann (Great kiskadee, Pitangus sulphuratus).

Cayenneschwalbe (White-winged swallow, Tachycineta albiventer)
Cayenneschwalbe (White-winged swallow, Tachycineta albiventer)

Neu hingegen war der Trauertyrann (Tropical kingbird, Tyrannus melancholicus), den wir auch noch häufiger sehen sollten.

Trauertyrann (Tropical kingbird, Tyrannus melancholicus)
Trauertyrann (Tropical kingbird, Tyrannus melancholicus)

Erneut zeigte uns Marcelinho ein Faultier, dass entspannt in einem Baum rumhang. Das sich so ein großes Tier an so einem dünnen Zweig halten kann, beeindruckte uns.

Faultier beim Abhängen
Faultier beim Abhängen

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Wir gelangten auf den Rio Tracajá.

Fahrt auf dem Rio Tracajá
Fahrt auf dem Rio Tracajá

Fahrt auf dem Rio Tracajá

Ich sah Grünflügelaras (oder dunkelrote Aras; Red-and-green macaw or green-winged macaw, Ara chloropterus) vorbeifliegen und drückte kurzerhand auf den Auslöser der Kamera. Das Foto war total überbelichtet und auch nicht besonders scharf aber ich freute mich wie ein kleines Kind, die possierlichen Aras immerhin gesehen zu haben. Krächzend verschwanden sie im dichten Regenwald.

Grünflügelaras (oder dunkelrote Aras; Red-and-green macaw or green-winged macaw, Ara chloropterus) im Überflug

Auf unserem Weg durch den Regenwald entdeckten wir neben Vögeln auch wieder Totenkopfäffchen, die von Ast zu Ast sprangen.

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Totenkopfäffchen
Totenkopfäffchen

Totenkopfäffchen

Gebannt hielten wir Ausschau nach weiteren Tieren und sichteten ein Rotstirn-Blatthühnchen (Wattled jacana, Jacana jacana), dass sich bei unserer Annäherung schnell aus dem Staub machte. 

Rotstirn-Blatthühnchen (Wattled jacana, Jacana jacana)
Rotstirn-Blatthühnchen (Wattled jacana, Jacana jacana)

Auch Hoatzins (hoatzin, Opisthocomus hoazin) sichteten wir heute einige.

Hoatzin (hoatzin, Opisthocomus hoazin)
Hoatzin (hoatzin, Opisthocomus hoazin)

Wir fuhren durch die schmalen Wasserwege, um weitere Vögel wie den Nachtreiher (Black-crowned night heron, Nycticorax nycticorax) und den Nackthalskotinga (Bare-necked fruitcrow, Gymnoderus foetidus) aufzuspüren. Der auffällige Singvogel aus der Familie der Schmuckvögel, ist vor allem im Kronendach des Amazonas-Regenwalds beheimatet.

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Nachtreiher (Black-crowned night heron, Nycticorax nycticorax)
Nachtreiher (Black-crowned night heron, Nycticorax nycticorax)
Nackthalskotinga (Bare-necked fruitcrow, Gymnoderus foetidus)
Nackthalskotinga (Bare-necked fruitcrow, Gymnoderus foetidus)

Den Trauertyrann (Tropical kingbird, Tyrannus melancholicus) kümmerte das alles nicht und blickte von einer Stromleitung auf uns herab.

Trauertyrann (Tropical kingbird, Tyrannus melancholicus)
Trauertyrann (Tropical kingbird, Tyrannus melancholicus)

Marcelinho zeigte uns einen kahlgesichtigen Saki, der uns genau im Blick behielt. 

Kahlgesichtiger Saki
Kahlgesichtiger Saki

Kahlgesichtige Sakis sind mittelgroße Primaten mit langem, zotteligem Fell und einem buschigen Schwanz und kommen im südwestlichen Amazonasbecken vor.

Kahlgesichtiger Saki
Der kahlgesichtige Saki behielt uns die ganze Zeit im Blick

Wir tauchten wieder ein in den dichten Regenwald und ich sah einen Schwarzschwanztrogon (Black-tailed trogon, Trogon melanurus) direkt in einem Baum vor uns. 

Schwarzschwanztrogon (Black-tailed trogon, Trogon melanurus)
Schwarzschwanztrogon (Black-tailed trogon, Trogon melanurus)

Unser Kapitän versuchte näher an den Vogel heranzufahren und dieser war erstaunlich gelassen und hatte überhaupt keine Angst vor uns, so dass ich zahlreiche Fotos von dem Vogel schießen konnte. Fantastisch.

Schwarzschwanztrogon (Black-tailed trogon, Trogon melanurus)

Keine zwei Meter weiter hatte es sich ein Rallenkranich (Limpkin, Aramus guarauna) in einem Baum gemütlich gemacht. Der laute Motor des Boots verschreckte ihn natürlich aber ich hatte trotzdem Zeit für ein paar Fotos.

Rallenkranich (Limpkin, Aramus guarauna)
Rallenkranich (Limpkin, Aramus guarauna)

Auch der Amazonasfischer (Amazon kingfisher, Chloroceryle amazona) bot mir heute wieder die Gelegenheit für ein Foto. Aber das Licht… Argh, das war nicht schön.

Amazonasfischer (Amazon kingfisher, Chloroceryle amazona)
Amazonasfischer (Amazon kingfisher, Chloroceryle amazona)

Unsere Fahrt ging weiter durch die Tiefen des Regenwaldes und wir kamen uns vor wie in einer anderen Welt. Absolut beeindruckt ließen wir die Landschaft auf uns wirken.

Immer wieder schön anzusehen war der farbenfrohe Kappenreiher (Capped heron, Pilherodius pileatus), der uns heute mal ein wenig näher an sich herankommen ließ als gestern.

Kappenreiher (Capped heron, Pilherodius pileatus)
Kappenreiher (Capped heron, Pilherodius pileatus)

Wir gelangten auf den Rio Mamori und hörten den lauten, trompetenartigen Ruf des Hornwehrvogels (Horned screamer, Anhima cornuta). Kurz drauf konnten wir wegfliegen sehen.

Hornwehrvogel (Horned screamer, Anhima cornuta)
Hornwehrvogel (Horned screamer, Anhima cornuta)

Marcelinho erzählte uns, dass der Vogel auch häufig an seinen Haus zu sehen und das tiefe, raue „ha-moo-co“ oder „hoo-hoo-hoo wie ein Wecker für ihn sei.

Der große Hornwehrvogel flog in einen Baum, wo sein Partner saß.

Hornwehrvögel (Horned screamer, Anhima cornuta)
Hornwehrvögel (Horned screamer, Anhima cornuta)

Wir fuhren über den Mamori-Fluss und bogen irgendwann wieder in einen der überfluteten Flussarme ab.

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Unser Ziel war heute ein stehendes Gewässern in einem der schmalen Flussarme in der Nähe des Mamori-Flusses, in dem es Wasserlilien gab. Diese besonderen Pflanzen wachsen nicht im fließenden Strom, weil die Strömung dort viel zu stark für ihre riesigen Blätter wäre. Sie brauchen ganz ruhiges, flaches Wasser.

Bevor wir dort ankamen, sahen wir eine schwarz-gelbe Gelbbürzelkassike oder auch Gelbrücken-Stirnvogel (Yellow-rumped cacique, Cacicus cela), einen Schieferbussard (slate-colored hawk, Buteogallus schistaceus) und einen weiblichen Blauscheiteltrogon (Blue-crowned trogon, Trogon curucui). Das farbenfrohe Männchen war leider nicht zu sehen.

Gelbbürzelkassike oder auch Gelbrücken-Stirnvogel (Yellow-rumped cacique, Cacicus cela)
Gelbbürzelkassike oder auch Gelbrücken-Stirnvogel (Yellow-rumped cacique, Cacicus cela)
Schieferbussard (slate-colored hawk, Buteogallus schistaceus)
Schieferbussard (slate-colored hawk, Buteogallus schistaceus)
weiblicher Blauscheiteltrogon (Blue-crowned trogon, Trogon curucui)
weiblicher Blauscheiteltrogon (Blue-crowned trogon, Trogon curucui)

Nach rund 2 Stunden Fahrt kamen wir an den riesigen Wasserlilien an und genossen die Ruhe in der Natur. Kein Lärm zu hören nur das Quaken der Frösche und das Singen der Vögel.

Wasserlilien im Amazonas
Wasserlilien im Amazonas

Die runden Blätter der Wasserlilie waren riesig und können so schwer werden, dass sogar ein kleines Kind darauf sitzen könnte.

Wasserlilien im Amazonas

Das Rotstirn-Blatthühnchen konnte also bedenkenlos übers Wasser wandern. Der Vogel wird wegen seiner extrem langen Zehen umgangssprachlich oft als „Jesus-Vogel“ bezeichnet.

Rotstirn-Blatthühnchen auf Wasserlilie im Amazonas
Rotstirn-Blatthühnchen auf Wasserlilie im Amazonas

Wasserlilien im Amazonas

Wasserlilien im Amazonas

Das Wetter wurde allerdings zusehends schlechter und wir machten uns auf den Rückweg.

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Wir gelangten in ein weitläufiges Überflutungsgebiet, dass auch ein See hätte sein können.

Klar man da herfahren
Klar man da herfahren

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Ein Rotbrustfischer (Ringed kingfisher, Megaceryle torquata) wusste nicht so recht, ob er abhauen oder bleiben sollte und ließ es drauf ankommen. Gut für mich, denn so konnte ich den Vogel, der der größte Eisvogel auf dem amerikanischen Kontinent ist, in Ruhe ablichten.

Rotbrustfischer (Ringed kingfisher, Megaceryle torquata)
Rotbrustfischer (Ringed kingfisher, Megaceryle torquata)

Die ersten Tropfen fielen vom Himmel und eine Heuschrecke nahm uns als Mitfahrgelegenheit in Anspruch.

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Unglaubliche Tarnung

Bevor sich ein ausgiebiger Regenschauer über uns ergoss, fotografierte ich noch einen Marmorreiher (Rufescent tiger-heron, Tigrisoma lineatum) und packte danach die Kamera in den wasserdichten Sack.

Marmorreiher (Rufescent tiger-heron, Tigrisoma lineatum)
Marmorreiher (Rufescent tiger-heron, Tigrisoma lineatum)

Da wir allerdings nicht weiter von der Lodge hätten weg sein können, navigierte unser Kapitän nicht zurück zum Fluss, sondern suchte sich nun einen direkten Weg durch das überflutete Gebiet.

Der Himmel öffnete seine schleusen und ließ es in Strömen regnen.

Wenns denn im Regenwald regnet, dann auch mal richtig
Wenns denn im Regenwald regnet, dann auch mal richtig

Der Kapitän gab Gas und navigierte durch die kleinen Nebenarme des Flusses auf dem schnellsten Weg zurück. Meine Güte, wie das jetzt regnete. In kürzester Zeit war ich bis auf die Unterhose nass und auch die Regenjacke würde dem nicht standhalten. Immerhin gewitterte es nicht. Wir hofften, dass zumindest die Kamera im Drybag trocken blieb.

Einige Passagen waren so eng, dass der Kapitän mit der Machete den Weg frei machen musste. Wir lachten uns schlapp und genossen dieses Abenteuer. Kalt war es zum Glück nicht.

Hier könnt ihr euch auch ein Video vom Regenguss und der Navigation unseres Kapitäns ansehen (Inhalt entsperren => Youtube-Link)

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Weitere Informationen

Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir gegen 11 Uhr zurück an der Lodge. Beeilen brauchten wir uns nicht, da wir sowieso klatschnass waren.

Wir verabredeten uns mit Marcelinho für die nächste Tour am Nachmittag und gingen erstmal aufs Zimmer.

Was hätte ich jetzt für eine heiße Dusche gegeben. Das kalte Wasser war so gar nicht einladend aber wir wollten uns zumindest kurz abbrausen.

Danach hangen wir die nassen Sachen auf und gingen einen Happen essen. Bis 15 Uhr hatten wir Freizeit und hauten uns erstmal aufs Ohr. Das die Klamotten bis zum Nachmittag nicht trocknen würden war uns klar. Hätte ich gewusst, dass es jeden Tag so stark regnen würde, hätte ich mehr Wechselkleidung eingepackt.

Mir blieb daher am Nachmittag nichts anderes übrig als meine letzte noch verbliebene trockene Hose anzuziehen und zu hoffen, dass es nicht mehr regnen würde. Schuhe zog ich keine mehr an, sondern ging direkt barfuß. Es war zum Glück warm genug.

Der Himmel war immer noch grau aber die Wolken hingen hoch und wir hofften das Beste. Gemeinsam brachen wir zu einem weiteren Birdwatching-Ausflug auf.

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Am Nachmittag sah das Wetter etwas besser aus

Die Wanderung durch den Dschungel konnten wir aufgrund des starken Regens der letzten Nacht und des heutigen Tages nicht machen. Das war aber ok, so hatten wir mehr Zeit fürs Tiere sichten aus dem Boot.

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Wir sahen ein paar Klammeraffen, die ein den Bäumen abhingen und fraßen. Die Ähnlichkeit zum Menschen ist bei einem solchen Anblick manchmal schon verblüffend.

Klammeraffen
Klammeraffen

Klammeraffen

Beeindruckend war natürlich auch die Natur an sich. Der Regenwald war zur Regenzeit ganz besonders. Immer wieder fuhr unser Kapitän durch überflutete Wälder in denen man zur Trockenzeit nicht hinkam. Bäume und Sträucher waren für ihn kein Hindernis. Irgendwie fand er immer wieder einen Weg hindurch.

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Da keine Früchte an den Bäumen hingen, war die Ausbeute an Vogelarten in den Wäldern recht gering aber ab und an sahen wir ein paar Vögel wie den Silberreiher (Great egret, Ardea alba), den Wegebussard (Roadside hawk, Rupornis magnirostris), einen weiteren Kappenreiher (Capped heron, Pilherodius pileatus) und nochmal den Trauertyrann (Tropical kingbird, Tyrannus melancholicus).

Silberreiher (Great egret, Ardea alba)
Silberreiher (Great egret, Ardea alba)
Wegebussard (Roadside hawk, Rupornis magnirostris)
Wegebussard (Roadside hawk, Rupornis magnirostris)
Kappenreiher (Capped heron, Pilherodius pileatus)
Kappenreiher (Capped heron, Pilherodius pileatus)
Trauertyrann (Tropical kingbird, Tyrannus melancholicus)
Trauertyrann (Tropical kingbird, Tyrannus melancholicus)

Und wie wir so dahinschippern und Ausschau nach Vögeln halten, entdeckt Marcel doch tatsächlich Grünflügelaras (oder dunkelrote Aras; Red-and-green macaw or green-winged macaw, Ara chloropterus) in einem Baum.

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Da sind sie endlich: Aras
Da sind sie endlich: Aras

Ja ist das denn zu fassen? Die Tiere waren extrem weit weg aber mit dem Fernglas und dem Tele gut zu erkennen. Aktuell sah man die Tiere einfach seltener, da die Brutsaison begonnen hatte. Dadurch suchten sie nach Brutplätzen oder hielten sich in den Bäumen auf.

Grünflügelaras (oder dunkelrote Aras; Red-and-green macaw or green-winged macaw, Ara chloropterus)
Grünflügelaras (oder dunkelrote Aras; Red-and-green macaw or green-winged macaw, Ara chloropterus)

Unglaublich, dass Marcel die Aras aus der Distanz erkannt hatte. Keine Ahnung, wie weit weg wir waren aber mit bloßem Auge waren die Vögel nicht zu erkennen. 

Grünflügelaras (oder dunkelrote Aras; Red-and-green macaw or green-winged macaw, Ara chloropterus)

Wir schauten den Grünflügelaras eine Weile zu, bis diese sich in das dichte Laub zurückgezogen hatten. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Für ein paar schöne Fotos waren die Vögel definitiv zu weit weg aber die schönen Tiere gesehen und beobachtet zu haben, werde ich nicht so schnell vergessen. 

Grünflügelaras (oder dunkelrote Aras; Red-and-green macaw or green-winged macaw, Ara chloropterus)

Da wurde der possierliche Braunohrarassari (Chestnut-eared aracari, Pteroglossus castanotis) fast zum Nebendarsteller. Aber nur fast, denn den Vogel hatten wir bis jetzt noch nicht gesichtet.

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Braunohrarassari (Chestnut-eared aracari, Pteroglossus castanotis)
Braunohrarassari (Chestnut-eared aracari, Pteroglossus castanotis)

Wir fuhren über das spiegelglatte Wasser und entdeckten einen Linienspecht (Lineated woodpecker, Dryocopus lineatus).

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Linienspecht (Lineated woodpecker, Dryocopus lineatus)
Linienspecht (Lineated woodpecker, Dryocopus lineatus)

Kurze Zeit später bogen wir abermals in eines der Überschwemmungsgebiete ab und schipperten mitten durch den Regenwald. Das wurde auch am zweiten Tag nicht langweilig. Was für eine unglaublich schöne Natur.

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Ein paar Mülleramazonen (Mealy amazon or Mealy parrot, Amazona farinosa) zogen erneut unsere Aufmerksamkeit auf sich. Die munteren Vögel machten sich jedoch vom Acker als wir uns näherten.

Mülleramazonen (Mealy amazon or Mealy parrot, Amazona farinosa)
Mülleramazonen (Mealy amazon or Mealy parrot, Amazona farinosa)

Mülleramazonen (Mealy amazon or Mealy parrot, Amazona farinosa)

Wir fuhren zum Piranha See, der zur Regenzeit wie eine riesige überflutete Fläche und nicht wie ein See wirkte. Ein Ende war nirgends in Sicht. Wir hätten auch auf einem Fluss sein können.

Piranha-See im Amazonas-Regenwald
Piranha-See im Amazonas-Regenwald

Piranha-See im Amazonas-Regenwald

Unser Kapitän navigierte durch das Wasser und fuhr immer wieder nah heran an Bäume und Sträucher, um nach Vögeln Ausschau zu halten.

Piranha-See im Amazonas-Regenwald

Wir sahen zahlreiche Hoatzins (hoatzin, Opisthocomus hoazin). Da die Flugmuskulatur stark reduziert ist, können Hoatzins nur eingeschränkt fliegen. Bevorzugt wird ein Gleiten, das manchmal von kräftigen Flügelschlägen begleitet ist. Auf diese Weise können maximal Strecken von 350 m zurückgelegt werden, meistens sind die Strecken jedoch sehr viel kürzer.

Hoatzin (hoatzin, Opisthocomus hoazin)
Hoatzin (hoatzin, Opisthocomus hoazin)

Was für ein wunderschöner Ort. Zwischendurch stellte der Kapitän den Motor des Bootes ab und wir genossen die Ruhe in der Natur und lauschten der Tierwelt.

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Wir sahen einen Gabelschwanz-Königstyrann (Fork-tailed flycatcher, Tyrannus savana), der nach seinem langen, gegabelten Schwanz benannt ist. Der Vogel ließ uns nah herankommen und bot uns viele Möglichkeiten für Fotos.

Gabelschwanz-Königstyrann (Fork-tailed flycatcher, Tyrannus savana)
Gabelschwanz-Königstyrann (Fork-tailed flycatcher, Tyrannus savana)

Ein Schneckenbussard (Snail kite, Rostrhamus sociabilis) hatte sich gerade um sein Abendessen gekümmert, dass er vor unseren Augen verspeiste.

Schneckenbussard (Snail kite, Rostrhamus sociabilis)
Schneckenbussard (Snail kite, Rostrhamus sociabilis)

Wir sogen die Landschaft in uns auf und entdeckten im hohen Gras Zwerggilbtangaren (Orange-fronted yellow finch, Sicalis columbiana) – ein  leuchtend gelber Fink aus der Familie der Tangaren, der im grünen Gras sofort auffiel.

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Zwerggilbtangare (Orange-fronted yellow finch, Sicalis columbiana)
Zwerggilbtangare (Orange-fronted yellow finch, Sicalis columbiana)

Zwerggilbtangare (Orange-fronted yellow finch, Sicalis columbiana)

Es hatte mittlerweile aufgeklart und immer wieder zeigte sich blauer Himmel. Kein Regen in Sicht. Gegen 17 Uhr verließen wir den See und schipperten zurück zur Lodge.

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Wir sahen einen weiteren Schneckenbussard (Snail kite, Rostrhamus sociabilis) und statteten auf dem Rückweg dem indigenen Dorf Aldeia do Lago do Piranha einen Besuch ab.

Schneckenbussard (Snail kite, Rostrhamus sociabilis)
Schneckenbussard (Snail kite, Rostrhamus sociabilis)

Schneckenbussard (Snail kite, Rostrhamus sociabilis)

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indigenes Dorf Aldeia do Lago do Piranha
indigenes Dorf Aldeia do Lago do Piranha

Wir stiegen allerdings nicht aus, sondern fuhren auf dem Wasser durch das Dorf, in dem etwa 125 Menschen leben.

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indigenes Dorf Aldeia do Lago do Piranha

indigenes Dorf Aldeia do Lago do Piranha
indigenes Dorf Aldeia do Lago do Piranha
Schule von Aldeia do Lago do Piranha
Schule von Aldeia do Lago do Piranha

indigenes Dorf Aldeia do Lago do Piranha

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Ein junger Nachtreiher im Gestrüpp zog kurz meine Aufmerksamkeit auf sich, bevor er schnell im Unterholz verschwand.

juveniler Nachtreiher
juveniler Nachtreiher

Der Rotbrustfischer (Ringed kingfisher, Megaceryle torquata) war weniger scheu und ließ sich in Ruhe bewundern.

Rotbrustfischer (Ringed kingfisher, Megaceryle torquata)
Rotbrustfischer (Ringed kingfisher, Megaceryle torquata)

Wir fuhren entlang der breiten Wasserstraße und entdeckten nochmal den Gabelschwanz-Königstyrann (Fork-tailed flycatcher, Tyrannus savana).

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Gabelschwanz-Königstyrann (Fork-tailed flycatcher, Tyrannus savana)
Gabelschwanz-Königstyrann (Fork-tailed flycatcher, Tyrannus savana)

Im ruhigen Wasser spiegelte sich der Regenwald und bot uns ein paar schöne Fotomöglichkeiten.

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Da sich der Tag so langsam dem Ende neigte und das Licht für die Vogelfotografie nicht mehr wirklich geeignet war, genossen wir die traumhafte Landschaft im pastellfarbenen Licht. Einen Sonnenuntergang gab es heute aber leider auch nicht.

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Zurück an der Lodge, chillten wir noch ein wenig und begaben uns um 19 Uhr zum Abendessen, wo es wieder den leckeren Fisch gab.

Danach war der Tag noch nicht zu Ende, denn wir hatten mit Marcelinho vereinbart, die Nachtsafari für heute Abend einzusteuern. Das Wetter war gut, die Sterne leuchteten und Regen war nicht in Sicht. Daher nutzten wir das Wetter direkt aus, um die nachtaktiven Tiere im Dunkeln aufzuspüren.

Um 20:00 Uhr trafen wir uns am Pier und fuhren in die tiefschwarze Nacht hinein. 

Marcelinho und unser Kapitän waren mit lichtstarken Taschenlampen bewaffnet und leuchteten Wasser, Büsche und Bäume nach leuchtenden Augen ab.

Wir sahen zahlreiche Kaimane, die aber sofort abtauchten, wenn wir uns ihnen näherten.

Gut getarnter Kaiman
Gut getarnter Kaiman
Nur das leuchtende Auge verrät ihn
Nur das leuchtende Auge verrät ihn

Unser Guide fing einen kleinen Kaiman und zeigte uns diesen aus der Nähe. Er tat dem Tier nicht weh und gab uns ein paar Informationen zu dem Tier, bevor er ihn wieder frei ließ.

Junger Kaiman
Junger Kaiman

Neben den Tieren war die Geräuschkulisse einfach unbeschreiblich. Die beiden machten zwischendurch die Taschenlampen aus, so dass wir den Lauten der Natur lauschen konnten. Was für ein Lärm die Frösche machten war unglaublich. Und kein künstliches Licht, dass den Himmel erleuchtete. Was für ein einmaliges Erlebnis.

Der Fokus wurde nach der Geräuscheinlage wieder auf die Tierwelt gelegt und aus der Ferne sah Marcelinho eine Staffelschwanz-Nachtschwalbe (Ladder-tailed nightjar, Hydropsalis climacocerca) und einen großen Frosch. 

Staffelschwanz-Nachtschwalbe (Ladder-tailed nightjar, Hydropsalis climacocerca)
Staffelschwanz-Nachtschwalbe (Ladder-tailed nightjar, Hydropsalis climacocerca)

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Das absolute Highlight zum Abschluss der Tour war allerdings die Sichtung einer Schlange, die Marcelinho im Geäst eines überschwemmten Baumes entdeckte. Dem Tier war das ganze allerdings nicht Geheuer und es zog sich schnell ins Unterholz zurück. Ein paar Fotos konnte ich trotzdem schießen.

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Nach rund 45 Minuten fuhren wir zurück zur Lodge und ließen den Abend heute mal ohne Regenschauer ausklingen.