Eigentlich hatten wir während unserer Reise nach Vietnam geplant, auch die zentrale Küste rund um Da Nang und Hue zu besuchen aber das Wetter ist im Dezember in Zentralvietnam durch den Monsun und somit durch Dauerregen geprägt. Darauf hatten wir im Urlaub keine große Lust und beschlossen daher kurzerhand auf eine Insel zu fliegen. Ein bisschen Strand und Erholung sollten es sein. Man wird ja älter. Die Insel Phú Quoc schreckte uns allerdings aufgrund des starken Tourismus ab und wir lasen im Reiseführer von der Inselgruppe Côn Đảo, die mit dem Flugzeug ca. eine Stunde von Ho Chi Minh Stadt entfernt lag.
Eigentlich wäre ich persönlich ja lieber mit der Fähre von Vũng Tàu in ca. 3 Stunden auf die größte der Inseln – Côn Sơn – gefahren. Aber die Fahrzeiten waren nicht optimal und wir beschlossen daher doch zu fliegen. Die einzige Fluggesellschaft, die Côn Sơn anflog, war Vasco – mittlerweile eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Vietnam Airlines. Aber zu unserer Zeit war der Status der Fluggesellschaft irgendwie unklar. Der Ruf war auch nicht beste (alte Flugzeuge, ständig Verspätung und unzureichende Wartung). Insbesondere der letzte Punkt bereite mir am meisten Sorgen. Bei einer Inspektion wurden im August 2024 durch die vietnamesische Luftfahrtbehörde (CAAV) Mängel in der Wartung und im Flugbetrieb festgestellt. Und da ich fliegen eigentlich eh schon nicht mag, kam nun auch noch solch eine Variable hinzu.
Trotz aller Bedenken buchten wir den Flug von Dong Hoi via Ho Chi Minh Stadt nach Côn Sơn und wollten 3 Tage die Insel erkunden und ein wenig die Seele baumeln lassen.
Zunächst frühstückten wir um 07:00 Uhr im Melia Vinpearl in Dong Hoi in aller Ruhe und ließen uns mit einem Uber zum nationalen Flughafen von Dong Hoi fahren, an dem nicht viel los war. Unser Flieger sollte um 09:10 Uhr nach Ho Chi Minh Stadt gehen.
Nach der Sicherheitskontrolle warteten wir daher im überschaubaren Terminal auf den Abflug, der überpünktlich aufbrach.
In Ho Chi Minh Stadt hatten wir etwa 1,5 Stunden Umstiegszeit, die locker für den Transit reichte.
Wir warteten am Gate auf den Abflug und wurden gegen 11:30 Uhr mit dem Bus zum Flugzeug gebracht.
Die ATR 72 hatte ihre besten Tage definitiv schon hinter sich und als ich den Zustand des Fliegers von außen sah, wäre ich am liebsten nicht eingestiegen. Aber es waren ja nur 45 Minuten bis Côn Sơn. Wird schon.
Die Fenster waren so zerkratzt, dass der Blick nach draußen stark getrübt war. Schade, ich hätte gerne Fotos aus der Luft geschossen. Das lenkt mich immer vom Fliegen ab. Aber auf dem Platz war es aussichtslos.
So spielte ich ein wenig und hoffte auf keine starken Turbulenzen. Der Landeanflug war allerdings extrem schaukelig, da aktuell eine steife Brise über Côn Đảo herrschte. Der Dezember ist nicht der beste Reisezeit für die Inselgruppe aber wir sollten bis auf einen Tag Glück mit dem Wetter haben.
Ich war jedenfalls froh als ich endlich Boden unter den Füßen hatte. Der Vorteil einer solch kleinen Maschine ist natürlich, dass die wenigen Passagiere an Bord schnell ausgestiegen waren und das nicht so ewig dauert wie in einem Langstreckenflieger.
Wir hatten uns für die nächsten Tage im The Secret Côn Đảo Resort mit Blick auf das Meer einquartiert.
Der kostenfreie Shuttlebus holte uns und vier weitere Touristen am Flughafen ab. Die Insel selbst ist nicht groß und kann locker an einem erkundet werden. Eine Umrundung ist allerdings nicht möglich.
Wir erreichten das Hotel gegen 14 Uhr und konnten glücklicherweise schon direkt auf das Zimmer. Im Moment war auf der Insel kaum was los und das Hotel nicht ausgebucht.
Während Marcel erstmal ein ausgiebiges Nickerchen machte, genoss ich den Blick vom Balkon.
Das Zimmer war schön und groß, nur leider gab es auf dem Balkon keine Stühle. Was in einem Hotel mit Balkonen eigentlich nicht wirklich Sinn ergab. Ich nahm daher den Schreibtischstuhl und stellte diesen auf den Balkon.
Da Marcel heute irgendwie kaputt und nicht allzu gut gelaunt war, zog ich nach einer Stunde Rast alleine los, um ans Meer zu gehen und mir die Strände in Hotelnähe anzusehen.
Das Wetter war herrlich. Angenehm warm und die Sonne schien. Nur der Wind wehte ordentlich und ließ die Wellen gegen die Kaimauer krachen. Es waren kaum Autos oder Menschen unterwegs. Waren wir wirklich noch in Vietnam? Hier war alles so ruhig.
Vom Hotel lief ich nun zunächst nach rechts in Richtung Bãi Tắm vịnh Côn Sơn. Der kleine Strandabschnitt lud allerdings aufgrund des Plastikmülls nicht unbedingt zum Baden ein. Obwohl die Aussicht wirklich schön war.
Schöner war der Strand An Hải ein paar Meter weiter. Der malerische, ruhige Küstenabschnitt mit feinem, weißem Sand, türkisfarbenem Wasser und schattenspendenden Kasuarinen lud zum Verweilen ein.
Entlang der Promenade spazierte ich zurück in Richtung Hotel und genoss den Blick auf das Meer und ließ mir den erfrischenden Wind um die Nase wehen. Nach den letzten Regentagen in Tan Hoa eine echte Wohltat.
Ich lief am Hotel vorbei und begab mich zum Lò Vôi Strand.
Der naturbelassene Sandstrand erstreckte sich über etwa 1,1 Kilometer und befand sich am Ende der Uferpromenade von Con Son Town.
Er ist bekannt für sein ruhiges, flaches und türkisfarbenes Wasser sowie den feinen weißen Sand.
Der Strand ist von Bergen und dichtem Grün umgeben. Bei Ebbe zieht sich das Wasser weit zurück und legt eine riesige Sandfläche frei.
Das klare Wasser eignete sich ideal zum Schwimmen. Ein paar Touristen hatte es an den Strandabschnitt gezogen.
Ich schlenderte am Strand her. Badesachen hatte ich natürlich keine angezogen. Sehr schlau.
Die Sonne ging langsam unter und läutete das Ende des Tages ein.
Daher kehrte ich um und spazierte zurück zum Hotel.
Marcel war mittlerweile auch wieder bester Laune und eigentlich hätten wir uns gerne an den Pool gelegt. Doch alle Liegen waren belegt und wir gingen daher auf unseren Balkon.
Während Marcel nach einem Lokal fürs Abendessen suchte, las ich noch wenig bis es dunkel wurde.
Ziel fürs Essen war das am Stadtende gelegene Gia Minh Bistro, in dem es leckere vietnamesische Küche mit selbst gemachten Eiernudeln gab.
Wir ließen uns das Mahl schmecken und spazierten danach durch die ruhige Stadt zurück zum Hotel.
