Nach dem gestrigen ereignisreichen Tag mit vielen Jaguarsichtungen konnten wir es kaum erwarten, auch heute wieder einen Tag auf dem Wasser und auf der Suche nach dem Jaguar zu verbringen. Treffen war um 05:30 Uhr zum Frühstück. Zusammen mit Roger besprachen wir kurz den Ablauf. Alles blieb wie gestern. 9 Stunden waren für den Tag auf dem Boot geplant. Lunch nahmen wir wieder unterwegs irgendwo zu uns. Auch das Buschklo würde heute wieder genutzt werden müssen.
Um kurz vor 6 hörte ich die Brüllaffen und genoss die morgendliche Atmosphäre im Pantanal. Was für ein unglaublich wunderschöner Ort. Gut, dass wir uns für die Tour entschieden hatten.
Auch die Schopfkarakaras (Crested caracara, Caracara plancus) waren vor Ort und räumten auf. Das Schauspiel war interessant zu beobachten, denn durch das Licht in der Nacht wurden zahlreiche Falter und Käfer angelockt, die am Morgen tot auf dem Boden lagen. Die Karakaras hatten natürlich leichte Beute und befreiten die Wege von den Käfern.
Das Mittagessen war fertig vorbereitet und gemeinsam konnten wir uns zum Pier begeben. Es war heute deutlich kühler als gestern und lange Sachen notwendig.
Die Sonne ging gerade auf und nicht eine Wolke war am Himmel zu sehen. Ein weiterer schöner Tag stand uns bevor. Hoffentlich sahen die Jaguare das genauso.
Wir setzten uns ins Boot und entdeckten Kapuzineraffen, die in einem Baum nach Früchten suchten.
Mönchssittiche (Monk parakeet, Myiopsitta monachus) schnatterten laut und läuteten den Morgen ein.
Wir verließen den kleinen Hafen von Porto Jofre und fuhren mit gemächlichen Tempo über den Rio São Lourenço.
Im hohen Gras suchte ein Jabiru (Jabiru, Jabiru mycteria) nach seinem Frühstück.
Die Sonne erwärmte das Wasser und leichter Nebel legte sich über die Oberfläche. Es war aber auch echt frisch heute.
Neben unserem Boot schwammen ein paar Cabybaras, denen wir auf ihrer Reise folgten.
Vom Hauptfluss bogen wir auf den Rio Piquiri ab und fuhren zu einem bekannten Jaguar-Spot.
Zahlreiche Boote ankerten schon im seichten Wasser und auch wir konnten das beeindruckende Tier im dichten Unterholz erkennen.
Der Jaguar war in Lauerstellung und alle Touristen hielten gebannt ihre Kameras im Anschlag. Würde er zugreifen und jagen?
Sanft schlich das Tier durch das dichte Gebüsch und setzte sich an einer offenen Stelle kurz in Szene, bevor er weiterlief.
Rund 20 Boote hatten sich um das Tier versammelt. Dabei wurde aber darauf geachtet, dass alle Touristen auf den Booten das Tier sehen konnten. Aufstehen war nur erlaubt wenn kein Boot hinter einem Stand. Meist war die Sicht aber so gut, dass man gar nicht aufstehen musste. Auch wird immer wieder zwischen den Booten rotiert, so dass jeder was sehen kann und es wird ein ausreichender Abstand zum Jaguar eingehalten.
In der Hauptsaison tummeln sich manchmal um die 40 Boote um ein Tier. Aber auf das korrekte Verhalten aller wird wohl stets geachtet. Da die Jaguare nicht vor den Booten flüchteten, schienen diese damit klar zu kommen.
Der Jaguar verschwand im Unterholz aber Roger und die anderen Guides vermuteten, dass er gleich wieder an andere Stelle auftauchen könnte.
Wir hielten die Umgebung im Auge und sahen einen Halsband-Wehrvogel (Southern screamer, Chauna torquata) hoch oben in einem Baum, der im Englischen nicht umsonst als Southern screamer bezeichnet wird. Der Vogel machte wirklich einen extrem lauten, weithin hörbaren und trompeten- oder schreiartigen Alarmruf, der sich wie „ta-cha, ta-cha“ anhört.
Ein paar Meter stand ein Baum, dessen Stamm sich über das Wasser bog und auf dem sich der Jaguar häufig zum Schlafen und zum Jagen aufhielt. Wir fuhren also rüber und sicherten uns eine Pole-Position.
Gabriel fuhr mit dem Boot in die Wasserlilien und konnte den Motor abschalten. Weitere Boote stellten sich neben uns und so schaukelte auch nichts mehr.
Jetzt hieß es warten, denn zu sehen war der Jaguar noch nicht. Aber die Umgebung hatte auch viel zu bieten.
Ich beobachtete einen Amerika-Schlangenhalsvögel (Anhinga, Anhinga anhinga) und Gelbflügelsittiche (Yellow-chevroned parakeet, Brotogeris chiriri), die geschickt die kleinen Früchte von einem Baum fraßen.
Und dann kam der Jaguar tatsächlich aus dem Gebüsch und kletterte behäbig auf den Baum. Die Vermutung der Guides hatte sich bestätigt.
Galant astete sich das Tier auf den Stamm und legte sich erstmal hin. Zeit für Fellpflege.
Wir waren vielleicht 5 Meter von dem Tier entfernt und konnten ihn aus nächster Nähe beobachten.
Nach einer gefühlten Ewigkeit stand der Jaguar auf und blickte uns an, nur um sich dann wieder hinzulegen.
Wir fragten Roger, ob schon mal ein Jaguar auf ein Boot gesprungen sei aber er verneinte, da Jaguare Boote und Personen nicht als Bedrohung ansehen sondern eher Angst vor ihnen haben. Also wie bei Safaris in Afrika. Die Safariwagen werden in der Regel auch nicht von Tieren attackiert, da sie viel größer sind. Unbeschwert konnten wir daher den Jaguar und das Treiben rund herum beobachten.
Spannend war übrigens auch die riesige Heuschrecke, die direkt neben unserem Boot auf den Blättern saß. Das Tier war fast handtellergroß und interessierte sich nicht für die zahlreichen Touristen (oder stellte sich einfach tot).
Ich behielt auch die Vogelwelt im Blick und sah einen Mönchssittich (Monk parakeet, Myiopsitta monachus) und einen Drosselzaunkönig (Thrush-like wren, Campylorhynchus turdinus), der Nistmaterial zu seinem Nest brachte.
Alle hofften natürlich, dass der Jaguar sich vielleicht sein Frühstück besorgen und jagen wollte. Ein paar Mal schien er auch den Anschein zu machen, ins Wasser zu springen. Aber scheinbar war keine Beute in Sichtweite, so dass er immer wieder davon abließ. Schade, dass wäre noch das I-Tüpfelchen gewesen.
Nach rund einer Stunde, stand der Jaguar auf, blickte uns noch einmal neugierig an und verschwand im Unterholz.
Wir warteten noch ein paar Minuten aber das Tier zeigte sich nicht mehr, so dass wir aufbrachen und den anderen Booten auf dem Hauptarm des Rio Piquiri folgten.
Wir fuhren weiter entlang des Flusses und bogen immer wieder in Seitenarme ab, um auf Tiersuche zu gehen.
Als Birder freute ich mich natürlich auch über die zahlreichen Vögel und hoffte insgeheim auf die Sichtung von Hyazintharas.
Die Zeit verging rasend schnell und wir sichteten einen weiteren Jaguar unter einem Baum, der faul im Schatten lag.
Auch der Rotbrustfischer (Ringed kingfisher, Megaceryle torquata) war wieder vor Ort.
Ein Rohrspötter oder auch Rohrspottdrossel (Black-capped donacobius, Donacobius atricapilla) versteckte sich im tiefen Schilf und zeigte mir leider nur seinen Rücken.
Bei der Fahrt durch die schmalen Kanäle sahen wir sahen Nachtreiher (Black-crowned night heron, Nycticorax nycticorax), Silberreiher (Great egret, Ardea alba) und einen juvenilen Marmorreiher (Rufescent tiger heron, Tigrisoma lineatum), den ich zunächst für eine eigenständige Reiherart hielt, da er so anders aussah als die erwachsenen Vögel.
Hoch oben auf einem toten Baum hatten sich auch einige Vögel wie der Fischbussard (Black-collared hawk, Busarellus nigricollis), der Stirnbandibis (Plumbeous ibis, Theristicus caerulescens) und Humboldtscharben (oder Olivenscharbe, Neotropic cormorant or Olivaceous cormorant, Nannopterum brasilianum) niedergelassen.
Auf dem zweiten Blick sah ich auch einen Rosttöpfer (Rufous hornero, Furnarius rufus) im selben Baum.
Wir umkreisten den Baum ein paar Mal, so dass ich Fotos machen konnte und fuhren auf dem Rio Piquiri weiter durch das Pantanal.
Ein Schwarzbussard (Great black hawk, Buteogallus urubitinga) hielt die Umgebung im Blick, während auch wir Ausschau nach Jaguaren hielten.
Der Fluss hatte eine ordentliche Fließgeschwindigkeit und Roger erklärte uns, dass das Wasser nun so langsam zurückging.
Ein Rotbrustfischer-Pärchen (Ringed kingfisher, Megaceryle torquata) saß im besten Licht auf einem Zweig am Ufer des Flusses.
Auch Nachtreiher (Black-crowned night heron, Nycticorax nycticorax), Goldstirnsittiche (Peach-fronted parakeet, Eupsittula aurea) und Mönchssittiche (Monk parakeet, Myiopsitta monachus) konnten wir entdecken. Heute war ja viel los im Vogeluniversium.
Neu im Portfolio meiner Sichtungen war der Rallenkranich (Limpkin, Aramus guarauna).
Und dann tauchte nach rund 1,5 Stunden auf dem Fluss auch endlich wieder ein Jaguar auf.
Das Tier lag allerdings ziemlich versteckt unter einem Baum im Schatten.
Wir warteten ein wenig und hofften, dass der Jaguar auf Nahrungssuche ging.
Er stand zwar auf aber verschwand im Gebüsch und wir fuhren weiter.
Wir folgten dem Jaguar auf seinem Weg durch die Vegetation, denn immer wieder war die Bewegung der Sträucher zu sehen und da es windstill war und immer nur ein kleiner Bereich in Bewegung war, wussten wir, dass der Jaguar noch nicht verschwunden war.
Langsam fuhren wir weiter und Roger vermutete, dass er gleich wieder auftauchen konnte. Die Capybaras am Flussufer schienen das ebenfalls zu spüren, denn auf einmal quiekten diese laut und waren in heller Aufruhr.
Und tatsächlich tauchte der Jaguar für eine Millisekunde aus dem dichten Busch auf und lief hinter den Capybaras weiter durchs Unterholz. Für ein Foto war das Tier leider zu schnell.
Die Capybaras flüchteten ins Wasser und wir fuhren dem Jaguar hinterher, der tatsächlich immer wieder aus dem Gestrüpp auftauchte und sich am Ufer zeigte.
Da sich anscheinend nichts zum Jagen fand, setzte sich der Jaguar in den Schatten und hielt ein Nickerchen.
Immer mehr Boote versammelten sich auf dem Fluss und wir fuhren weiter.
Am Ufer saß ein Amazonasentenpaar (Brazilian teal or Brazilian duck, Amazonetta brasiliensis).
Hunger machte sich langsam breit, denn das Frühstück lag schon rund 6 Stunden zurück und das ständige Gucken ist anstrengender als man denkt.
Roger und Gabriel suchten daher ein passendes Fleckchen zum Ankern und wurden unter einem schattigen Baum fündig.
Wir aßen und unterhielten uns als ein Rotbrustfischer (Ringed kingfisher, Megaceryle torquata) direkt über unserem Kopf in einem Ast flog und einen Fisch im Schnabel hatte, den er ebenfalls verspeisen wollte. Das war ja wohl ziemlich cool.
Das Teleobjektiv war schon fast hinderlich, so nah dran saß der Vogel und ließ sich von uns auch nicht beirren.
In Ruhe schlug er den Fisch immer wieder auf den Ast und versuchte ihn herunterzuwürgen, was aber erst nach einiger Zeit gelang.
Nach rund 1,5 Stunden und einem Besuch im Buschklo fuhren wir weiter.
Auf den Sandbänken des rückläufigen Rio Piquiri sahen wir wieder zahlreiche Kaimane in der Sonne liegen.
Ebenfalls im Fotopaket enthalten war eine erneute Jaguarsichtung. Nach nur einer halben Stunde.
Wieder lag das Tier faul im Schatten und beobachtete uns. Nur ein weiteres Boot war vor Ort und wir begleiteten den Jaguar als er nach 20 Minuten aufstand und davonschlich.
Auch diesmal kam er wieder zum Ufer und begab sich hinein ins Wasser.
Er schwamm auf die gegenüberliegende Seite und verschwand zunächst wieder im Gebüsch.
Doch nur wenige Minuten später tauchte er auf und legte sich auf die Lauer.
Wieder waren wir alleine. Was für ein unglaubliches Glück. Und natürlich der Vorteil, wenn man den ganzen Tag auf dem Boot verbringt und nicht jedes Mal wieder zurück zum Camp fahren muss. Der Dunstkreis war so viel größer und im hinteren Bereich waren kaum noch andere Boote unterwegs.
Plötzlich tauchte aus dem Wasser direkt vor dem Jaguar ein Kaiman auf. Er lugte nur mit den Augen hervor und wir hofften natürlich, dass wir jetzt endlich sehen konnten, wie der Jaguar sich was zum Fressen holte.
Nur schien das auch der Kaiman zu spüren, denn so schnell, wie er aufgetaucht war, so schnell war er wieder verschwunden. Sehr zur Verwunderung des Jaguars, der anscheinend gar nicht mitbekommen hatte, dass das Mittagessen nur einen Sprung weit entfernt gewesen war.
Nach zehn Minuten stand der Jaguar auf, sprang ins Wasser und schwamm wieder auf die andere Seite, wo er im dichten Unterholz verschwand und nicht mehr zu sehen war.
Wir sahen einen Jabiru (Jabiru, Jabiru mycteria) und folgten dem Flusslauf weiter.
Die weißen Wolken boten heute einen herrlichen Kontrast zum Blau des Himmels.
An geeigneter Stelle kehrten wir um und fuhren zurück in Richtung Camp.
Unterwegs sahen wir wieder drei Boote vor einem Spot hin und herfahren und wussten natürlich: Da ist ein Jaguar.
Wir sichteten das Tier unter einem Baum am Ufer des Flusses.
Das Intermezzo dauerte allerdings nur kurz, denn der Jaguar stand auf und verzog sich ins Gebüsch.
Auf einem Ast saß eine Cayenne-Nachtschwalbe (Cayenne nightjar, Setopagis maculosa).
Wir genossen die herrliche Fahrt über den Rio Piquiri.
Unterwegs rauschte das Funkgerät von Gabriel und erneut hieß es: Jaguaralarm.
Im Affenzahn sausten wir zurück und kamen gerade noch rechtzeitig an, um einen Jaguar in Lauerstellung auf einem Baum anzutreffen. Anscheinend waren hier vorher wohl drei Jaguare gesichtet worden.
Wir begnügten uns auch mit Einem und beobachteten das grazile Tier.
Diesmal hatten sich rund 20 Boote in den Gewässern versammelt, so dass wir nirgends anlegen, sondern immer wieder hin- und herfahren mussten.
Als das Tier aufstand, wurden alle Guides nervös, wo der Jaguar nun hingehen würde.
Auch Gabriel und Roger behielten den Jaguar im Blick und wir folgten ihm. Wo genau der Jaguar letztendlich auftaucht ist natürlich nicht sicher aber durch das Wissen der Guides können diese häufig erahnen, wo sie auftauchen könnten.
So auch diesmal. Alle Touristen waren in heller Aufruhr als das Tier aus dem Busch angelaufen kam und hinter zum Wasser ging.
Mit zahlreichen anderen Booten, die immer mehr wurden, ankerten wir in den Wasserlilien und konnten den Jaguar beobachten.
Ins Wasser traute er sich nicht, sondern trabte nach links in Richtung dichtes Gebüsch.
Er leckte an den Pflanzen und frass einige davon. Roger vermutete, dass er sich den Magen verdorben hatte und diese Pflanzen als Medizin dagegen wirken.
Der Jaguar verschwand nach einer halben Stunde und wurde nicht mehr gesichtet.
Es war bereits 17 Uhr und der Tag neigte sich dem Ende.
Mit Highspeed fuhren wir daher zurück in Richtung Camp.
Auch ein paar andere Boote drehten auf und jagten über das Wasser.
Und weil es so schön war, sahen wir zum Abschluss des Tages im goldenen Licht der untergehenden Sonne noch einmal einen Jaguar, der am Flussufer entlanglief.
Er ging ins Wasser und mit den anderen Booten folgten wir dem Jaguar. Die Boote rotierten, so dass jeder den Jaguar sehen und fotografieren konnte.
Unbeeindruckt schwamm der Jaguar am Ufer des Flusses entlang und stieg nach einer Weile aus dem Wasser.
Roger hoffte, dass er sich jetzt schütteln würde. In dem Licht wäre das ein Traum gewesen.
Aber leider wollte das Tier nicht und lief klatschnass am Ufer her, nur um ein paar Meter weiter noch einmal ins Wasser zu gehen.
So ganz entscheiden konnte sich der Jaguar nicht, ob nun Wasser oder Land.
Da die Sonne mittlerweile fast untergegangen und der Jaguar im Schatten war, ließen wir das Tier in Ruhe und fuhren zurück zum Camp.
Über unseren Köpfen herrschte reges Treiben als zahlreiche Reiher, Gänse und Kormorane ihre Schlafplätze aufsuchten.
Wir genossen den Sonnenuntergang und fuhren über den Rio São Lourenço zurück zum Jaguar Camp, dass wir mit Einbruch der Dunkelheit gegen 18:30 Uhr erreichten.
Ein langer Tag neigte sich dem Ende und für heute zählten wir 8 Jaguar-Sichtungen. Dafür, dass wir anfangs nur auf wenigstens Einen gehofft hatten, wurde der Anspruch wohl definitiv übertroffen.
