Das Wetter in Paraty war auch den dritten Tag in Folge mehr schlecht als recht. Wieder hingen dicke graue Wolken über den Bergen und die Sonne zeigte sich kaum. Was also tun in einer Region, die vom Strand lebt? Wir frühstückten daher erstmal wieder in Ruhe und überlegten was wir heute unternehmen sollten. Die Wanderung auf den Saco do Mamangu sparten wir uns, da leider keine Aussicht zu erwarten war. Auch in die Berge zum Wandern zu fahren war nicht optimal. Wir wollten daher unser Glück noch einmal am Strand versuchen, vielleicht war das Wetter dort ja besser als gedacht. Zur Auswahl stand noch die Wanderung zur Praia do Sono, die von unserer Unterkunft etwa 40 Minuten entfernt lag.
Wir fuhren daher Richtung Trindade und bogen an einer Kreuzung nach links ab Richtung Praia do Sono. Öffentliche Parkplätze gab es auch hier nicht und alle privaten Parkplätze waren bei Ankunft um 09:00 Uhr noch geschlossen.
Da niemand vor Ort war und es außerdem auch noch zu nieseln begann, ließen wir von der Wanderung ab und fuhren zurück zur Unterkunft. Bei grauen Nieselwetter zum Strand gehen war irgendwie nicht der Hit.
Es war jetzt aber erst 11:30 Uhr und wir wollten nicht schon wieder einen halben Tag rumhängen. So langsam war es doch echt mühsam.
Während ich ein paar Vögel wie die Graubrustschwalbe (Gray-breasted martin, Progne chalybea), den Graurücken-Wassertyrann (Masked water tyrant, Fluvicola nengeta), den Südlichen Hauszaunkönig (Southern house wren, Troglodytes musculus) und einen wunderschönen Erzkolibri (Sombre hummingbird, Eupetomena cirrochloris) direkt von unserer Terrasse aus beobachtete, suchte Marcel nach einer Alternative und fand die Schweiz Brasiliens in Campos do Jordão.
Das kleine Bergdorf auf rund 1.800 Meter Höhe bot Wanderungen zu diversen Gipfeln und Aussicht auf Vogelbeobachtung. Und vor allem besseres Wetter.
Wir packten unsere Sachen schnell zusammen und machten uns an die rund 3 stündige Fahrt in die Berge. Der Vorteil war, dass dann auch die morgige Rückfahrt nach Sao Paulo nicht mehr so lang war.
Von unserer Unterkunft fuhren in Richtung Paraty und folgten der Passstraße rechts hinauf in den Regenwald.
Einen kleinen Zwischenstopp legten wir nach 15 Minuten Fahrt am Wasserfall Cachoeira do Tobogã ein.
Ein 200 Meter langer gut ausgebauter Wanderweg brachte uns zu dem idyllischen Ort. Hier waren sogar ein paar Touristen vor Ort, die im Wasser badeten oder die Naturrutsche aus einem platten Stein hinuntersausten. Nett hier, wenn der Nieselregen nicht gewesen wäre.
Wir machten daher nur ein paar Fotos und fuhren weiter.
Die Straße schraubte sich immer höher und wir hofften, dass unser kleiner Renault Kwid unbeschadet hinauf kam, denn die Motorkontrollleuchte leuchtete immer noch orange.
Wir hatten zwischenzeitlich per Mail auch mit Localiza Kontakt, die uns aber grünes Licht zum Weiterfahren gaben. Schien wohl ein bekannter Fehler zu sein.
Die Asphaltstraße ging über in eine gut befahrbare, gepflasterte Straße, die bei Regen deutlich mehr Grip bot, denn es ging ordentlich bergauf.
Wir fuhren durch den Nebel und waren froh als die Passhöhe erreicht war und wir wieder bergab fahren konnten.
Schlagartig wurde auf der anderen Seite der Berge auch das Wetter besser und die Sonne schien.
Die endlos erscheinende Passstraße führte uns tiefer und tiefer. Es lagen noch gut 2 Stunden Fahrt vor uns.
Der Ausblick war traumhaft und wir genossen die Sonnenstrahlen. Das tat gut.
Auf dem Weg bergab entdeckte ich in einem Baum an Straßenrand einen Riesentukan (Toco toucan, Ramphastos toco), der im perfekten Licht saß. Ich wollte zumindest versuchen, ein Foto zu schießen.
Also an den Seitenstreifen, Tele dran und anpirschen. Der wunderschöne Vogel war zum Glück nicht allzu scheu und gab mir zahlreiche Möglichkeiten für ein gutes Foto bevor er verschwand.
Glücklich nach der Sichtung fuhren wir weiter den Bergen entgegen.
Wir gelangten nach Guaratinguetá und von dort auf die bekannte Autobahn 116, die nach Sao Paulo führte.
Wir nahmen jedoch die Ausfahrt nach Pindamonhangaba und fuhren durch die Stadt. Als wir den Trubel hinter uns gelassen hatten, wurde es auf der Straße ruhiger. Noch rund 40 km lagen vor.
Die Straße führte uns nun ausschließlich bergauf. Zwei Spuren halfen beim Überholen langsamer Autos.
Nur das Wetter war auch hier nicht wirklich gut. Die Wettervorhersage in Brasilien war bis jetzt echt häufig ne Wundertüte. Die Wolken hingen tief und von Aussicht konnte keine Rede mehr sein. Super von einem Schlechtwettergebiet ins nächste.
Wir erreichten das Eingangsportal nach Campos do Jordão und waren baff, wie groß die Stadt war und vor allem was hier oben an Verkehr los war. Das hätten wir nun nicht erwartet.
Wir kamen daher nur langsam voran und waren froh als wir den Trubel hinter uns ließen und unsere tolle Unterkunft Wanderlust hoch oben in den Bergen auf 1.628 Metern über dem Meeresspiegel erreichten.
Bei Ankunft nieselte es leicht (schon wieder) und ein Gewittergrummeln war zu vernehmen. Für heute war es uns egal, da wir mittlerweile 16:30 Uhr hatten und die Sonne gleich unterging.
Wir checkten ein (keiner sprach Englisch und es dauerte mal wieder ewig. In Brasilien muss man einfach Zeit mitbringen) und begaben uns auf unserer wunderbares Zimmer mit Küche, Esstisch, Sitzecke, getrenntem Schlafzimmer und Wintergarten mit kleinem Whirlpool. Was ja klar, was bei mir heute noch anstand.
Wir sahen uns jedoch zuerst ein wenig in dem gemütlichen Hotel um und wollten zum Pool.
Da allerdings keine Liegen mehr frei waren, gingen wir zurück aufs Zimmer und ich ließ mir Wasser in meinen privaten Whirlpool ein 😅.
Hier oben herrschten übrigens nur 13 Grad. Das erste Mal also, dass wir im Zimmer statt der Klima die Heizung anmachten. Verrückt.
Wir entspannten uns bis 19 Uhr und begaben uns ins Restaurant um einen Happen zu essen. Ich wählte eine Pizza und Marcel ein Steak mit Reis und Ei. Das Essen war sehr gut und vor allem viel, so dass wir mal wieder überfressen zurück in Richtung Zimmer gingen.
Spontan beschlossen wir noch eine Runde Billard zu spielen und waren schockiert, wie schlecht wir uns anstellten.
Wir spielten nach keinen System, da es nur volle und keine halben Kugeln gab. Gewonnen hatte, wer die meisten Kugeln einlochte oder der, der die schwarze Acht nicht einlochte.
Eine gute Stunde brauchten wir bis fast alle Kugeln eingelocht waren. Eigentlich hätte Marcel mit 8 zu 4 Kugeln locker gewonnen aber er lochte eben die schwarze Acht ein und der Sieg war mein.
Wir hatten jedenfalls viel zu lachen, so profimäßig wie wir uns anstellten.
Zurück auf dem Zimmer sahen wir noch etwas Fernseh und gingen jetzt für unsere Verhältnisse mit 22:30 Uhr mal spät ins Bett. Der Himmel hatte in der Zwischenzeit aufgeklart und wir konnten ein paar Sterne sehen. Hoffentlich hielt das bis morgen.
