Guten Morgen aus der Schweiz Brasiliens. Auf rund 1.800 Metern hatten wir eine entspannte Nacht im Hotel Wanderlust in Campos do Jordão verbracht. Nebelschwaden hingen über den Bergen und die Sonne suchte sich ihren Weg durch die Wolken. Wir hofften daher, dass unsere heutige Wanderung auf den Pico do Imbiri nicht wieder im Regen endete.
Da wir erst um 12:00 Uhr auschecken mussten, wollten wir die frühmorgendliche goldene Stunde fürs Birdwatching auf dem Pico do Imbiri nutzen. Also schnell anziehen und bei Tagesanbruch losfahren.
Der Aufstieg auf den Pico do Imbiri über eine Allradpiste ist steil und nach Regen stark ausgewaschen und rutschig. Touranbieter bieten Ausflüge mit einem 4×4 hinauf bis zum Gipfel an. Mit unserem Renault Kwid sahen wir diesmal von einer Allradpiste ab 😂.
Wir verließen daher unser Hotel um 06:30 Uhr und fuhren über eine kurvige Straße bis zu einem Abzweig auf eine rote Piste, die anfangs auch mit einem normalen PKW gut zu befahren war.
Ein herrlicher Ausblick auf die Stadt eröffnete sich uns.
Nach 20 Minuten Fahrt hatten wir den Abzweig zum Pico do Imbiri erreicht.
Die rote Piste war zu Beginn auch mit einem normalen Auto zu befahren. Es gab nur kleine Schlaglöcher, die man gut umfahren konnte. Sogar mit unserem Kleinstwagen. Und Marcel versprach hoch und heilig auf so eine Aktion wie nach unserer Wanderung im Nationalpark Chapada dos Veadeiros in Alto Parais de Goias zu verzichten.
Die fast ebene Straße führte uns zu einem weiteren Abzweig, an dem es in 1,4 Kilometern nach links hinauf zum Berggipfel ging. Für die steile, ausgewaschene Piste brauchte man tatsächlich einen 4×4 mit hohem Radstand.
Wir parkten das Auto daher am Straßenrand.
Bergauf folgten wir der Piste, die nach dem Regen wirklich rutschig war.
Langsam watschelten wir voran, um uns nicht auf die Nase zu legen. Die rote Erde würden wir nie wieder aus den Klamotten herausgewaschen bekommen.
Der steile matschige Anstieg war echt anstrengend und wir waren froh als wir das ausgewaschene Teilstück hinter uns gebracht hatten.
Der weitere Wegverlauf war nicht mehr so steil und daher auch besser zu Fuß zu bewältigen, auch wenn der Untergrund immer noch rutschig war.
In weiten Serpentinen folgten wir den Schildern bergauf und hielten Ausschau nach Vögeln.
Vom morgendlichen Sonnenschein war allerdings nichts mehr zu sehen. Nebel umdeckte den Berghang und daher war zu erwarten, dass wir am Gipfel keine Aussicht haben werden würden.
Marcel hoffte, dass wir so hoch gingen, dass wir über den Wolken standen aber bei nur rund 1,2 Kilometern Distanz ging ich nicht davon aus.
Rund 100 Höhenmetern mussten auf dem kurzen Aufstieg überwunden werden und nach rund 20 Minuten hatten wir den Gipfel des Pico do Imbiri auf 1.860 Metern Höhe.
Der Pico do Imbiri liegt in der Serra da Mantiqueira und bietet einen tollen Panoramablick.
Heute jedoch nicht. Die Sonne versuchte zwar ihr bestes, um die Wolken beiseite zu schieben und teilweise war auch blauer Himmel zu sehen aber es reichte nicht für einen Ausblick.
Auf dem ausgebauten Gipfelplateau gab es einen Holz-Aussichtspunkt und ein Fotomotiv mit Schaukel.
Außerdem einen Holzbohlenweg über den wir bis zu einem weiteren Aussichtspunkt wanderten.
Nach 5 Minuten beschlossen wir jedoch, abzusteigen und auf dem Rückweg weiter nach Vögeln Ausschau zu halten. Bis jetzt hatten wir kaum welche gesehen oder gehört.
Der Abstieg erfolgte auf gleichem Weg wie der Aufstieg und so liefen wir entlang der Piste abwärts. So früh am Morgen war immerhin noch kein Touranbieter unterwegs.
Wir sahen eine Morgenammer (Rufous-collared sparrow oder Andean sparrow, Zonotrichia capensis) ich dichten Unterholz.
Ein paar Meter herrschte in einem Baum mit roten Beeren reges Treiben. Zahlreiche Vögel wie die Orangebrusttangare (Brassy-breasted tanager, Tangara desmaresti) hatten sich über uns versammelt und pickten nach den Früchten.
Auch eine Schwarzwangentangare (Fawn-breasted tanager, Pipraeidea melanonota) hatte ihr Frühstück in Form einer dicken Raupe gefunden.
Im selben Baum saß auch ein Ockerbrauen-Baumspäher (Sharp-billed treehunter, heliobletus contaminatus) und suchte nach Fressbarem.
Wir liefen ein paar Meter weiter und sahen erneut eine Morgenammer (Rufous-collared sparrow oder Andean sparrow, Zonotrichia capensis) und einen Zimtpipratyrann (Black-capped piprites, Piprites pileata).
Ein Kerbschwanztyrann (Shear-tailed grey tyrant, Muscipipra vetula) beäugte uns misstrauisch, bevor er beschloss, das Weite zu suchen.
Abwärts gelangten wir zur steilsten Stelle, die nun hoffentlich mit keiner Rutschpartie endete.
Vorsichtig setzten wir Fuß vor Fuß und suchten immer nach möglichst kleinen Steinen auf der Piste, die Halt boten.
Schneller als gedacht kamen wir am Abzweig an, wo unser Auto parkte.
Auch hier hatten sich in den Bäumen rundherum zahlreiche Vögel versammelt. Die schienen wohl Langschläfer zu sein.
Ich sah eine Maronenbrust-Finkentangare (Bay-chested warbling finch, Castanozoster thoracicus), einen Wechselameisenwürger (Variable antshrike, Thamnophilus caerulescens), einen Zebrazwergspecht (White-barred piculet, Picumnus cirratus) und einen Rostkappenvireo (Rufous-crowned greenlet, Hylophilus poicilotis).
Eine ordentliche Ausbeute dafür, dass wir beim Start heute Morgen kaum Vögel gesehen hatten.
Es war 08:45 Uhr und wir fuhren zurück ins Hotel, um zu duschen und zu frühstücken.
Das Wetter besserte sich von Stunde zu Stunde und um noch etwas vom Tag zu haben, beschlossen wir um 10:15 Uhr auszuchecken und zum Bosque do Silencio zu fahren.
Der 100.000 m² große Naturpark bietet kleine, gut ausgebaute Wanderwege durch den atlantischen Regenwald vorbei an angelegten Bächen und Seen. Außerdem sind Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung gegeben. Auch Einkehrmöglichkeiten sind vorhanden.
Der Parkplatz lag nur rund 10 Minuten Fahrt vom Hotel entfernt. Viel los war noch nicht und wir stellten das Auto für 20 BRL auf einem gesicherten, überdachten Parkplatz des Parks ab.
Leider sprach auch hier wieder niemand Englisch, so dass wir nach Bezahlen des Eintritts (40 BRL / Person) eine Karte und ein Bändchen bekamen und ein paar Hinweise per Google Translator 😁. Lustig fanden wir, dass uns ein portugiesischer Guide angeboten wurde.
Wir lehnten daher ab und wollten uns anhand der Karte durch den Garten orientieren.
Im Bosque do Silencio kann man nicht nur spazieren gehen, sondern auch jeder Menge Aktivitäten nachgehen wie Minigolf, Zip-Lining oder in den Baumwipfeln entlang eines Hochseilgartens herumturnen.
Wir wollten jedoch nur spazieren gehen, überquerten die Brücke und folgten den Wegweisern nach rechts zu einer kleinen Hängebrücke. Über uns hörten wir Papageien kreischen. Zu sehen war aber nichts.
Der kleine Rundweg brachte uns zurück zum Ausgangspunkt, wo wir weiter zum Restaurant Baden-Baden liefen. Ja richtig gelesen 🤣. Campos do Jordão soll ein wenig an die europäische Alpenlandschaft erinnern. Entsprechend hießen Restaurants oder Hotels in dem Bergdorf.
Ein schön angelegter Holzbohlenweg führte uns zwischen Wasser und vielen blühenden Blumen zum Aufstieg zu einem Aussichtspunkt.
Der schweißtreibende Aufstieg über angelegte Stufen führte uns einige Meter hinauf zu einer Plattform.
Viel sehen konnte man allerdings nicht, so dass wir nach dem kurzem Aufenthalt wieder hinab stiegen.
Mittlerweile war es auch schon 11:15 Uhr und wir mussten uns so langsam zurück zum Ausgang begeben.
Vor uns stand noch eine 2,5 stündige Fahrt nach Sao Paulo und bei dem Verkehr konnte man nie wissen.
Wir liefen daher zum Ausgang und ließen Campos do Jordão hinter uns.
Es war einiges los auf den Straßen aber wir kamen gut voran. Auch Google Maps zeigte keinen Stau an und prognostizierte eine Ankunftszeit von 14:00 Uhr. Würde ja genau mit unserem Rückgabetermin des Mietwagens passen.
Durch Nebel fuhren wir und zahlreiche andere Autos die Passstraße hinab und erreichten nach etwa 45 Minuten die Auffahrt zur Autobahn 116, der wir nun folgten. Autos und LKWs fuhren über die gut ausgebaute 2-spurige Straße.
Marcel versuchte Meter zu machen, da wir auf dem Hinweg immer mal wieder Straßensperrungen durch Unfälle, Schwertransporte oder Spursperrungen auf der Gegenseite gesehen hatten. Die meiste Zeit konnten wir mit 110 km/h fahren.
20 Kilometer vor der Abgabestation tankten wir noch kurz voll und erreichten die Station von Localiza pünktlich um 14 Uhr.
Die Rückgabe verlief abermals problemlos und die Kaution wurde sofort gut geschrieben.
Mit dem Shuttle wurden wir zum Terminal 2 gebracht, von dem um 16 Uhr unser Flieger nach Cuiaba gehen sollte.
Marcel hatte in einem Bietverfahren für 60 BRL/Person den Zuschlag für Premium-Economy-Sitze bekommen, so dass wir uns zum entsprechendem Schalter begaben.
Als wir die Schlange sahen, waren wir gespannt, ob wir bis zum Boarding um 15:10 Uhr durch sein würden. In Brasilien dauert alles echt immer ewig.
Zum Glück wurden wir nach fast einer Stunde Schlange stehen (für die Premium Economy) vorgezogen. Auch bei uns dauerte es bis zur Ausstellung des Tickets ewig, obwohl wir sogar schon die Gepäcktags angebracht hatten.
Um 14:50 Uhr waren wir durch mit allem, begaben uns zur Sicherheitskontrolle, an der zum Glück gar nichts los war und befanden uns nach 10 Minuten schon am Terminal, wo kurze Zeit später das Boarding begann.
Wir konnten nun dank Premium Economy als erstes einsteigen. Nur zusammen saßen wir leider nicht aber ich hatte endlich mal einen Fensterplatz.
Das Boarding wurde überpünktlich abgeschlossen, nur das Verladen des Gepäcks ließ noch auf sich warten.
Mit etwas Verspätung verließen wir Sao Paulo und erreichten nach einem sehr ruhigen Flug rund zwei Stunden später die Stadt Cuiaba.
Die Uhren mussten wir mal wieder um eine Stunde zurück stellen, da eine Zeitverschiebung zu Sao Paulo bestand.
Es war jetzt erst 17 Uhr und die Sonne ging bereits unter.
Dank Premium Economy hatten wir einen Priority Anhänger bekommen, so dass Marcels Tasche keine fünf Minuten später auf dem Band auftauchte. Mein Rucksack leider nicht. Der kam erst 20 Minuten später, da leider der Priority-Anhänger abgerissen war.
Wir riefen uns ein Uber und ließen uns zum Hotel Hits Pantanal bringen, dass nur 8 Minuten vom Flughafen entfernt lag.
Gestern noch großes Zimmer mit Küche, Essecke und eigenen Whirlpool und heute die spartanische Variante.
Das Hotel war wirklich schon extrem in die Jahre gekommen. Von außen sah es eigentlich ganz gut aus aber die Zimmer waren wirklich einfach. Dafür lag es halt am Flughafen und der Vermietstation von Localiza, an der wir uns morgen früh erneut einen Wagen leihen würden.
Mittlerweile war es dunkel und fürs Abendessen kehrten wir im nahegelegenen Einkaufszentrum ein.
Der Verkehr um die Zeit war schon arg und wir kamen nur dank der Geschwindigkeitsbuckel über die Straße.
Wir entschieden uns für Fast Food und liefen danach noch kurz zum Supermarkt um Getränke und etwas zum Schnabbulieren zu kaufen.
Danach ging es zurück ins Hotel, wo wir früh zu Bett gingen. An einen ruhigen Schlaf war aber nicht zu denken, da die Flugzeuge nachts starteten und landeten und somit auch mitten in der Nacht noch Leute im Hotel ankamen.
Das ganze Hotel war gefliest, so dass das Kofferrollen selbst schon wie der Start eines Flugzeugs klang. Also mal wieder Ohropax rein und versuchen ein paar Stunden zu schlafen. Zwei Nächte würden wir schon irgendwie hinter uns bringen.
