Bevor es für die nächsten Tage ins Pantanal ging, hatten wir heute eine Wanderung im Nationalpark Chapada dos Guimaraes geplant. Zunächst hatten wir mit einer Tour zur Cidade de Pedra oder auf den Morro de São Jerônimo geliebäugelt aber wir hatten nur zwei englischsprachige Anbieter gefunden, die ihre Touren aber ab Chapada dos Guimaraes und nicht ab Cuiaba anboten. Beide Touren können nicht auf eigene Faust begangen werden. Ein Guide ist Pflicht und ebenso ein Geländewagen. Daher hatten wir uns für einen Ausflug zum Wasserfall Véu de Noiva und dem Trilha do Circuito das Cachoeiras entschieden. Beide Wanderungen können ohne Guide unternommen werden und sind kostenlos.
Wir starteten nach der desolaten Nacht, in der wir kaum geschlafen hatten, früh und ließen uns mit dem Uber zur Autoverleihstation von Localiza fahren. Diese lag nur 5 Minuten vom Hotel entfernt. Viel los war nicht und wir konnten direkt zum Schalter gehen. Der Mitarbeiter sprach nur Portugiesisch aber das waren wir nach rund 3 Wochen Brasilien nicht anders gewohnt. Übersetzer-App anschmeißen und Kommunikation starten 🤣.
Nach 15 Minuten waren die Formalitäten erledigt und wir konnten uns auf die rund einstündige Fahrt in den Nationalpark machen.
Zahlreiche, mehrspurige Kreisverkehre später hatten wir endlich den Kern von Cuiaba verlassen und fuhren hinaus aufs Land, wo der Verkehr deutlich weniger wurde.
Über die gut ausgebaute Straße kamen wir zügig voran und blickten von einem Parkplatz auf die rötlichen Sandsteinfelsen des Nationalparks. Schade, dass es keinen richtigen Aussichtspunkt gab.
Die Straße zu den Wandertouren führte an den atemberaubenden Felsformationen vorbei. Wir waren begeistert und freuten uns auf die Wandertour. Anhalten konnte man allerdings hier auch nirgends.
Zum Glück war die Fensterscheibe des Autos noch sauber, dass ich einfach vorne herausfotografierte.
Gegen 10:30 Uhr erreichten wir den Eingang des Nationalpark und parkten das Auto auf dem großen Parkplatz, auf dem kaum Wagen standen.
Wir passierten eine Kontrolle, an der wir Bescheid gaben, dass wir auf dem Trilha do Circuito das Cachoeiras wandern wollten. Eintritt ist nicht zu bezahlen.
Der schön angelegte Wanderweg führte uns zunächst zu einer großen Aussichtsplattform mit Blick auf den beeindruckenden Wasserfall Véu de Noiva.
Wir genossen den herrlichen Ausblick auf die Hochebene des Chapada dos Guimaraes.
Bergauf gelangten wir zum Nationalparkzentrum, wo es Toiletten und ein kleines Restaurant gab.
Für die Wanderung auf dem Trilha do Circuito das Cachoeiras ist eine Registrierung notwendig. Der Weg zum Einstieg des Wanderwegs ist vorgegeben und zwangsläufig kommt man an einem Mitarbeiter des Nationalparks vorbei. Die Dame sprach kein Englisch, so dass wieder der Übersetzer herhalten musste.
Wir bekamen beide eine Karte mit einer Nummer, die wir am Ende der Wanderung wieder abgeben mussten. Mit dieser Nummer trugen wir uns in eine Liste ein, anhand derer die Mitarbeiter erkennen können, ob alle Besucher auch wieder zurückgekommen sind. Der Reisepass ist hierfür notwendig.
Die Wanderung darf nur von 08:30 – 12 Uhr gestartet werden und alle Touristen müssten bis 16 Uhr wieder am Ausgang sein. Außerdem ist auch die Anzahl der Leute auf dem Trail auf 150 Personen begrenzt.
Wir hatten Nummer 22 und 23 und vermuteten daher, dass auf der Wanderung nicht viel los war und auch nicht mehr allzu viele Leute nach uns kommen würden, da wir schon 11 Uhr hatten.
Auf dem etwa 8 Kilometer langen Rundweg (inkl. Weg zum Véu de Noiva vom Parkplatz) sind ca. 265 Höhenmeter zurückzulegen. Der Weg gilt als moderat.
Highlights sind die malerischen Wasserfälle und Naturbecken des Flusses Rio Sete de Setembro, an denen das Baden meist erlaubt ist (u. a. Cachoeira do Pulo, Cachoeira do Degrau und Cachoeira das Andorinhas).
Nachdem die Formalitäten erledigt waren, starteten wir mit der Wanderung und überquerten zunächst eine Holzbrücke, die uns über einen kleinen Fluss führte.
Wir gelangten zu einem Aussichtspunkt mit Blick über die weite Hochebene und stiegen über hohe Stufen abwärts.
Erneut überquerten wir eine Brücke und wanderten mit der Höhe entlang des gut erkennbaren Pfades durch die typische Savannenlandschaft (Cerrado).
Auf dem Weg entdeckten wir Blattschneiderameisen, die emsig die Blätter in den Bau transportierten. Manche Blättern waren größer als die Ameisen selbst. Faszinierende Tiere.
An einer Gabelung hielten wir uns links und erreichten den ersten, kleinen Wasserfall Cachoeira 7 de Setembro.
Der Weg führte weiter abwärts am Fluss entlang zum Wasserfall Cachoeira do Pulo. Dieser Fall stürzt in ein tiefes, kreisrundes Becken. Früher sprangen Besucher von der Kante des Wasserfalls (daher der Name „Pulo“ = Sprung), was heute aus Sicherheitsgründen streng verboten ist.
Wir waren ganz alleine hier und beschlossen direkt eine Pause einzulegen. Schuhe aus und ab auf die andere Seite, wo eine kleine Sandbank zum Relaxen einlud.
Mit den Füßen gingen wir ins Wasser und genossen den idyllisch gelegenen Ort. Wie schön, dass wir ganz alleine waren. Die Anzahl der Besucher ist an einigen Wasserfällen auf wenige Personen beschränkt.
Nach einer halben Stunde begaben wir uns zurück auf den Wanderweg und folgten diesem bis zum Cachoeira dos Degraus. Der steile Abstieg auf dem ausgewaschenen Pfad ist mit Vorsicht zu genießen.
Auch hier war niemand zu sehen und wir lauschten dem Rauschen des Wassers. Ein schönes, ruhiges Becken lud abermals zum Schwimmen ein.
Wir zogen nach ein paar Fotos jedoch weiter und stiegen steil aufwärts zurück zum Hauptweg und folgten den Schildern zum Cachoeira da Prainha.
Durch einen schattigen Wald liefen wir auf einem schmalen Pfad abwärts zum Wasserfall.
Am Ufer hatte sich feiner Flusssand abgelagert, der einen kleinen Strand bildete. Für uns einer der besten Plätze um sich im Schatten auszuruhen und im großen Becken ausgiebig zu baden. Die Anzahl der Personen ist hier auf 24 begrenzt.
Da wieder einmal keine anderen Touristen vor Ort waren, hatten wir den idyllischen Ort ganz für uns alleine.
Marcel kühlte sich im seichten Wasser ab und schwamm zum kleinen Wasserfall.
Nach einer halben Stunde gesellten sich tatsächlich weitere Personen zu uns. Wir trockneten uns daher ab und kehrten dem Wasserfall den Rücken.
Zurück auf dem Wanderweg gingen wir erst in die falsche Richtung, da nicht so ganz klar war, wo lang man laufen musste. Dank GPS konnten wir uns orientieren und liefen in die richtige Richtung zum Mirante das Pedras und dem letzten Wasserfall Cachoeira das Andorinhas.
Wer mag kann an Piscinas Naturais auch noch Baden. Wir fanden die Wasserfälle jedoch schöner und sparten uns den Abstieg zum Ufer des Flusses.
Steil abwärts führte uns der anspruchsvolle Pfad zum Cachoeira das Andorinhas, an dem sich einige Touristen aufhielten und im Wasser badeten. Die Anzahl der Personen ist hier auf 48 beschränkt.
Der Wasserfall stürzt in eine von Felswänden umschlossene Schlucht und war ein toller Abschluss der Tour.
Erneut legten wir eine Rast im Schatten ein und genossen das Rauschen des Wassers.
Nach der Erfrischung stiegen wir hinauf zum Hauptweg und folgten diesem zurück zum Nationalparkzentrum.
Am Abzweig bogen wir nach links ab und wanderten auf gleichen Weg zum Ausgangspunkt, den wir um 13:30 Uhr erreichten.
Wir gaben die erhaltenen Karten mit unseren Nummern zurück und verabschiedeten uns nach 2,5 Stunden. Wir waren tatsächlich schneller wieder zurück als wir geplant hatten.
Daher kehrten wir noch im Restaurant ein, tranken eine Cola und überlegten, ob wir noch zum Aussichtspunkt im Parque Ecológico Morro dos Ventos fahren sollten. Den Mietwagen mussten wir erst um 18 Uhr abgeben.
Vom Nationalparkzentrum liefen wir abwärts zum Véu de Noiva und genossen noch einmal einen herrlichen Blick auf den Wasserfall und die roten Felswände des Nationalpark Chapada dos Guimaraes.
Wir liefen zurück zum Parkplatz und fuhren in 20 Minuten durch die kleine Stadt Chapada dos Guimarães zum Parque Ecológico Morro dos Ventos.
Im Gegensatz zu den staatlichen Nationalparks handelt es sich bei dem Parque Ecológico Morro dos Ventos um ein Privatgelände und Eintritt von 60 BRL/ Auto fällig wurde.
Auf dem großen Parkplatz stellten wir das Auto im Schatten ab und erkundeten das Gelände.
Highlight des Parks waren die zwei weit über die Klippenkante hinausragenden Aussichtsplattformen. Sie boten einen atemberaubenden Panoramablick auf die gewaltigen Sandsteinfelswände der Chapada und das tiefer gelegene Tiefland von Cuiabá. Die Plattformen waren vollständig barrierefrei mit Rampen zugänglich.
Wir genossen die Aussicht und setzten uns auf eine Bank.
Neben den Aussichtsplattformen gab es auch noch ein Restaurant, eine Bar und einen Souvenirshop mit lokalem Kunsthandwerk. An sich fanden wir den Preis von umgerechnet 10 Euro jedoch recht teuer für den kurzweiligen Aufenthalt. Denn eigentlich gibt es außer der Aussicht nicht viel zu sehen.
Nach 20 Minuten begaben wir uns daher zurück zum Auto.
Viel mehr gab es in der Umgebung leider auch nicht zu erkunden, so dass wir uns an die 1,5-stündige Rückfahrt nach Cuiaba machten.
Von der Straße blickten wir noch einmal auf die beeindruckenden Felswände vor und neben uns. Ein wirklich wunderbarer Ort.
Cuiaba kam näher und der Verkehr wurde dichter. Wir waren daher nicht allzu traurig, dass Auto etwas früher und noch im Hellen abgeben zu können.
Die Abgabe lief reibungslos und die Kaution wurde wenig später gut geschrieben. Wir können Localiza jedem empfehlen, der Brasilien mit dem Mietwagen erkunden möchte. Wir hatten uns allerdings immer für einen Vollkaskotarif inkl. Reinigungspauschale entschieden, da wir vorab gelesen hatten, dass der Wagen sonst selbst gereinigt werden muss. Da der Aufpreis nur 10 Euro betrug, hatten wir nicht lange überlegt.
Zu Fuß liefen wir zurück zum Hotel und setzten uns bis zum Einbruch der Dunkelheit in den schönen Hotelgarten mit Pool, um ein paar Vögel zu beobachten.
Scharen von Sittichen flogen über unseren Köpfen hinweg und auch ein paar Aras waren zu hören.
Fürs Abendessen hatten wir uns auch heute wieder für eine Churrascaria entschieden.
Mit dem Uber ließen wir uns zum 20 Minuten entfernten Nativas Grill in Cuiabá bringen. Hier gab es traditionelles brasilianisches Rodízio (All-you-can-eat-Grill). Die Churrascaria gehört zu einer landesweiten Kette, die für ihr hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis geschätzt wird.
Die Churrascaria bot Platz für über 600 Gäste) war modern eingerichtet und voll klimatisiert. Wir waren noch früh dran, so dass wir einen Platz auch ohne Reservierung erhielten.
Die Kellner liefen ununterbrochen mit großen Spießen von Tisch zu Tisch (Rodízio). Diesmal gab es allerdings keine Karte mit „Yes“ (mehr Fleisch) und „No“ (satt/Pause), so dass wir immer wieder ablehnen mussten, da die Teller schon randvoll waren.
Serviert wurden erstklassige Rindfleisch-Cuts wie die beliebte Picanha (Tafelspitz), Bife Ancho oder herzhafte Rippchen, gefolgt von Lamm, Schweinefleisch und Geflügel.
Neben dem Fleisch gab es eine riesige Beilagen-Auswahl. Dazu gehörten eine eigene Sushi- und Sashimi-Station, Meeresfrüchte (wie Lachs und Bacalhau), diverse Käsesorten, warme Pfannengerichte, Salate und Pasteten.
Außerdem gab es noch mobile Wagen, an denen die Kellner Brote, Käse und Getränke anboten.
Marcel konnte es sich nicht nehmen lassen, einen Blick auf die riesigen Grills in der Küche zu werfen. Beeindruckend. Satt wird hier jeder.
Es wurde voller und die Sängerin ging mit ihrer Livemusik im lauten Gewusel fast unter. Zeit für uns zu verschwinden.
Um 20:30 Uhr ließen wir uns mit einem Uber zurück zum Hotel bringen, wo wir uns pappsatt ins Bett rollten.
