Nach einer regenreichen Nacht war der Himmel am Morgen blau und klar. Wir standen im Morgengrauen auf, packten die restlichen Sachen zusammen und begaben uns zur Aussichtsterrasse. Leider hieß es heute schon wieder Abschied nehmen von der San Jorge Eco-lodge Tandayapa. Unser Fahrer sollte gegen 08:00 Uhr eintreffen und uns in rund einer Stunde zur San Jorge Eco-lodge Milpe bringen. Dort hatten wir erneut eine Halbtages-Birdwachting-Tour und eine Übernachtung gebucht.
Doch zunächst genossen wir den fantastischen Ausblick in den Nebelwald. Was für eine atemberaubende Landschaft.
Bevor wir noch ein wenig die hiesige Vogelwelt beobachteten (und auf neue Sichtungen hofften), wurde uns das Frühstück serviert. Das sah doch wieder toll aus.
Danach liefen wir zu einer anderen Aussichtsterrasse, von der wir gestern den Pfauentrogon beobachtet hatten. Heute hörten wir ihn zwar, sahen aber nichts. Dafür saß auf dem Boden eine junge Nachtschwalbe. Welche Art konnte ich allerdings nicht bestimmen. Der kleine, flauschige Kollege sollte tagsüber vermutlich auch nicht zu finden sein.
Wir ließen den Vogel in Ruhe und blickten auf die unglaubliche Landschaft, in der Hoffnung einen Andenfelsenhahn zu entdecken. Leider hatten wir kein Glück. Allein wegen diesem Vogel muss ich noch einmal hier hin zurückkommen. Es gibt sogar extra Touren, bei denen auf die Suche nach dem Cock of the Rock gegangen wird.
Da wir an der kleinen Aussichtsterrasse keine Vögel entdeckten, gingen wir zurück zur Hauptterrasse und beobachteten Goldnackentangare (golden-naped tanager, Tangara ruficervix), Gelbbauchorganist (orange-bellied euphonia, Euphonia xanthogaster), Schwarzscheiteltangare (Black capped Tanager, Stilpnia heinei), Goldtangare (Golden tanager, Tangara arthus), Blautangare (Blue-gray tanager, Thraupis episcopus), die weibliche Schwarztangare (White-lined tanager, Tachyphonus rufus) und den männlichen Tukanbartvogel (Toucan barbet, Semnornis ramphastinus caucae).
Neu im Portfolio waren die beiden Schwalbentangare (Swallow tanager, Tersina viridis), die wir heute zum ersten Mal zu Gesicht bekamen. Das Männchen hat ein türkisblaues, metallisches schimmerndes Federkleid, der Bauch ist weiß. Um die Augen besitzt es einen schwarzen Farbfleck. Die Beine, die Kehle sind schwarz und der Schnabel ist metallisch silbern gefärbt. Das Weibchen ist leuchtendgrün, die Kehle ist an den Flügeln und am Bauch mit gelben Flecken versehen.
Den gut getarnten Blutbürzelarassari (Crimson-rumped toucanet, Aulacorhynchus haematopygus) sahen wir tatsächlich erst auf den zweiten Blick. Der Morgen fing ja richtig gut an.
Auch ein paar Eichhörnchen wollten sich an den Bananen satt fressen und rannten auf den Bäumen herum.
Ich hielt Ausschau nach weiteren Neuheiten und entdeckte einen Schwarzschwingensaltator (Black-winged saltator, Saltator atripennis), der heute auch nicht besser saß als gestern.
Noch weiter entfernt und im Gegenlicht sah ich einen Trauertyrann (Tropical Kingbird, Tyrannus melancholicus).
Dafür hatte sich der Dickschnabelorganist (Thick-billed euphonia, Euphonia laniirostris) an der Futterstelle eingefunden und schlug sich den Bauch mit Bananen voll.
Das Weibchen saß im Baum und beobachtete alles genau.
In der letzten halben Stunde hatten wir schon wieder 5 neue Vogelarten entdeckt.
Wir setzten uns an die Tische der Lodge und beobachteten das rege Treiben an den Futterstellen. Schwalbentangare (Swallow tanager, Tersina viridis), Goldnackentangare (golden-naped tanager, Tangara ruficervix), Blauflügel-Bergtangare (Blue-winged mountain tanager, Anisognathus somptuosus) setzten sich an den reich gedeckten Tisch.
Auch die zahlreichen Kolibris, die um uns herumschwirrten, faszinierten uns aufs Neue. Ein weiblicher Hochland-Smaragdkolibri (Western emerald, Chlorostilbon melanorhynchus) saß in einem Baum und gönnte sich ein kurzes Päuschen.
Ebenso wie die Braunschwanzamazilie (rufous-tailed hummingbird, Amazilia tzacatl).
Der Fahlschwanzkolibri (Buff-tailed coronet, Boissonneaua flavescens) hingegen hielt Wache an eine der Kolibri-Futterstellen. Die Tränken waren sehr begehrt und es herrschte reges Treiben.
Auf seinem üblichen Platz fanden wir den Purpurkehl-Sternkolibri (Purple-throated woodstar, Philodice mitchellii), der sich von all dem Trubel fernhielt. Der kleine Vogel flog nur zu den Tränken, wenn diese nicht von anderen Kolibriarten besucht wurden.
Die Abreise nahte und aus dem Dickicht des Waldes kam unser Fahrer den Berg hinaufgelaufen. Er teilte uns mit, dass er mit dem Auto leider nicht hochfahren konnte und wir nun einen etwa 15-minütigen Fußmarsch hinab zu dem Metalltor unternehmen mussten. An sich kein Problem aber mit dem Koffer die Piste hinablaufen? Das konnte ja heiter werden. Aber Estalin, der Mitarbeiter der Lodge, verschaffte sofort Abhilfe. Er lud den Koffer auf eine Schubkarre und begab sich mit dem Fahrer die steile Piste hinab.
Wir liefen mit seiner Frau Pilar, die sich in den letzten beiden Tagen um die Zubereitung der Mahlzeiten gekümmert hatte, auf einem der Wanderwege abwärts. Wir waren nicht traurig, die tolle Landschaft noch ein wenig zu Fuß erkunden zu können.
Am Ende unseres Weges trafen wir auf die unwegsame Piste, der wir nun weiterhin bergab folgten.
Hinter uns kamen der Fahrer und der Estalin mit der Schubkarre her. Wir fanden die ganze Szenerie so spaßig, dass wir noch zu einem letzten Gruppenfoto baten. Mit der Schubkarre die Piste abwärts zu laufen konnte allerdings wirklich keinen Spaß machen.
Kurz bevor wir das Tor erreichten, entdeckten wir eine kleine Schlange, die sogar bei den Einheimischen Begeisterung hervorrief. Alle zückten ihre Handys und schossen ein paar Fotos von dem regenwurmähnlichen Tier. Zu nah herangehen wollten wir nicht. Wer wusste schon, ob die Schlange nicht giftig war.
Am Tor angekommen wussten wir, warum unser Fahrer nicht hinauffahren konnte. Anstatt eines Jeeps stand dort heute ein kleiner LKW, in dem sich ein weiterer Mann befand. Wie wir im Nachhinein herausfanden, handelte es sich um den Besitzer der San Jorge eco-lodges. Er stellte sich uns allerdings nicht als solcher vor. Da er aber ausgezeichnet Englisch sprach, hatte ich sowas in der Art schon vermutet.
Wir sagten Pilar und Estalin „Adios“ und fuhren mit George Cruz in rund einer Stunde zur San Jorge Eco-lodge Milpe.
Von der asphaltierten Straße bogen wir nach etwa 45 Minuten erneut auf eine Schotterpiste ab. Die breite Piste war gut zu fahren und brachte uns tiefer hinein in den Nebelwald von Mindo. Die San Jorge Eco-lodge Milpe liegt übrigens etwas niedriger auf die San Jorge Eco-lodge Tandayapa auf ca. 900 Metern Höhe und somit war es hier auch wärmer.
Wir wurden bereits von den Mitarbeitern der Lodge erwartet, die unser Gepäck hinab zu unserer Hütte brachten.
Das große Zimmer mit tollen Ausblick und zwei Hängematten auf dem Balkon luden uns zum Relaxen ein. Wann die Birdwatching-Tour begann wussten wir allerdings nicht. Einer der Mitarbeiter teilte uns mit, dass sein Bruder der heutige Guide wäre und er ihn fragen würde, wann er starten wollte.
Ich wollte allerdings nicht so lange Warten und wir liefen zum Haupthaus, um uns die hiesige Vogelwelt auf eigene Faust anzusehen.
Das Haus bestand aus drei Etagen und war ebenfalls wieder mit Futterstellen ausgestattet. Da noch keine Bananen ausgelegt waren, hielt sich der Andrang in Grenzen. Wir begaben uns ganz nach oben und blickten gebannt auf die herrliche Landschaft. Wirklich traumhaft hier.
Im Baum direkt vor Kopf entdeckte ich den türkisfarbenen Kappennaschvogel (Green Honeycreeper, Chlorophanes spiza), der mit seiner grellen Farbe sofort ins Auge stach.
Auch ein paar bereits bekannte Vögel wie die Palmentangare (Palm tanager, Thraupis palmarum), Rotstirntangare (flame-faced tanager, Tangara parzudakii), Blautangare (Blue-gray tanager, Thraupis episcopus) und Blassschnabelarassaris (Pale-Mandibled Aracari, Pteroglossus erythropygius) konnten wir in Milpe wiederfinden.
Wir freuten uns über die bunte Vogelwelt aber natürlich auch darauf, neue Arten zu entdecken, wie den Schläfenfleckspecht (Black-cheeked woodpecker, Melanerpes pucherani).
Der Star und das Highlight der San Jorge Eco-lodge Milpe ist aber ganz klar der Küstentukan (Choco Toucan, Ramphastos brevis). Der Der beeindruckende Vogel kommt nur im Westen Kolumbiens und in Ecuador vor und ist wenig erforscht.
Mittlerweile hatten die Mitarbeiter der Lodge den Bananenvorrat aufgefüllt und unser Guide Luis leistete uns beim Beobachten und Finden von Vögeln Gesellschaft. Im Gegensatz zu unserem gestrigen Guide hatte Luis jedoch eine andere Herangehensweise. Er imitierte die Stimmen der Vögel, um sie anzulocken oder deren Fressfeinde, um sie aufzuscheuchen. Er hatte außerdem ein Handy und eine kleine Box dabei, mit der er Vogelstimmen abspielen konnte. Davon bin ich ehrlich gesagt kein Fan, da ich die Vögel lieber ohne Einsatz von Hilfsmitteln sehen möchte.
Wir beobachteten den Choco Tukan und hielten Ausschau nach weiteren Vogelarten.
Der Anden-Bartvogel (Red-Headed Barbet, Eubucco bourcierii) begeisterte uns auch heute. So ein schöner, bunter Vogel.
Aufgeregt kam eine Mitarbeiterin der Lodge zu uns und teilte Luis mit, dass sie in einem Baum Rosenwangenpapageien (rose-faced parrot, Pyrilia pulchra) gesichtet hatte. Mit Kameraausrüstung und Fernglas machten wir uns sofort auf den Weg und sahen die beiden Papageien an einer Bananenstaune.
Hinter einem Busch, der als Sichtschutz diente, konnten wir die Vögel gut beobachten.
Eine Zimtbekarde (cinnamon becard, Pachyramphus cinnamomeus) hoch oben im Baum blickte kritisch auf uns herab und flog kurz darauf davon.
Da es in Strömen zu Regnen begonnen hatte, kehrten wir zurück zur Lodge und blickten amüsiert auf einen Blassschnabelarassari, der galant eine Banane vertilgte.
Auch der Küstentukan saß noch im Baum und drehte seinen Kopf langsam von links nach rechts. Vermutlich, damit er seine Umgebung besser im Blick hatte, denn aufgrund des großen Schnabels hat er ein eingeschränktes Sichtfeld.
Luis zeigte uns nun zahlreiche, unterschiedliche Vogelarten, die er sogar auf großer Distanz an Form, Farbe oder Gesang erkennen konnte. Die meisten waren für die Kamera allerdings viel zu weit weg oder flogen direkt davon. Elfenwaldsänger (Tropical parula, Setophaga pitiayumi) und Rötelkopftangare (bay-headed tanager, Tangara gyrola) blieben jedoch zumindest für ein, zwei Fotos auf ihrem Platz.
Ich kam gar nicht so schnell hinterher, wie Luis mir Vögel zeigte. Das war ja ein Stress.
Kappennaschvogel (Green Honeycreeper, Chlorophanes spiza), Blassschnabelarassari (Pale-Mandibled Aracari, Pteroglossus erythropygius) und Küstentukan (Choco Toucan, Ramphastos brevis) flogen mir noch einmal vor die Linse.
Ebenso wie die Silberkehltangare (Silver-throated tanager, Tangara icterocephala), der Anden-Bartvogel (Red-Headed Barbet, Eubucco bourcierii) und zwei Schläfenfleckspechte (Black-cheeked woodpecker, Melanerpes pucherani).
Auch an der kleinen Futterstelle herrschte reges Treiben und die Vögel waren im ständigen Gezanke um den besten Platz.
Der Schieferkappen-Laubtyrann (Slaty-capped Flycatcher, superciliaris or transandinus) blieb daher lieber auf sicherer Entfernung im Baum sitzen.
Der Regen ließ langsam nach und nachdem ich noch einmal den Küstentukan (Choco Toucan, Ramphastos brevis) abgelichtet hatte, schlug Luis vor, nun die Gegend zu erkunden.
So wie bereits in der San Jorge Eco-lodge Tandayapa gibt es auch in der San Jorge Eco-lodge Milpe zahlreiche Wanderwege, auf denen der Nebelwald erkundet werden kann. Wer alleine loszieht, sollte allerdings unbedingt eine Karte mitnehmen, da die Wege nur spärlich ausgeschildert sind und man sich leicht verlaufen kann.
Luis kannte sich bestens aus und trockenen Fußes liefen wir los.
Wie liefen über eine offene Fläche, auf der Luis die Vögel per Sound anlocken wollte.
Auf einer Stromleitung entdeckte ich einen Trauertyrann (Tropical Kingbird, Tyrannus melancholicus).
Aufgeregt zeigte Luis mir einen Plattschnabel-Motmot (broad-billed motmot, Electron platyrhynchum), der perfekt in einem Baum saß und sich fotografieren ließ. Einen Motmot oder auf Deutsch eine Sägeracke hatte tatsächlich auf meiner internen Wunsch-Vogelliste gestanden, da das Aussehen dieser Vögel ist unverwechselbar ist und es Sägeracken nur in Süd- und Mittelamerika gibt. Umso mehr freute ich mich natürlich, diesen auch fotografisch festgehalten haben zu können.
Wir wanderten weiter und entdeckten überall in den Bäumen kleine Vögel, wie den Gelbbauchspelzer (Yellow-bellied seedeater, Sporophila nigricollis) und das Mohrenpfäffchen (Variable seedeater, Sporophila corvina). Die saßen allerdings so weit weg, dass es eher ein Suchbild als ein gescheites Foto ist.
Auf schmalen Pfaden liefen wir tiefer in den Wald hinein und sahen einen Larvenwaldsänger (Slate-throated whitestart, Myioborus miniatus ballux), der gerade auf Tauchstation ging als ich ein Foto geschossen hatte.
Der Grünschwanztrogon (Gartered trogon, Trogon caligatus) hingegen blieb zwar sitzen aber so hoch oben im Baum, das man auch hier kein wirklich schönes Foto von dem Vogel machen konnte.
Bereits gestern hatten wir schon mit dem Cayennekuckuck (Squirrel cuckoo, Piaya cayana) Bekanntschaft geschlossen, den Luis versteckt im dichten Unterholz entdeckte.
Begeistert folgten wir Luis tiefer in den Wald hinein. Nicht nur die Vögel beeindruckten uns, sondern auch die verschiedenen Pflanzen.
Außerdem sah ich endlich mal die Blattschneiderameisen in Natura, die ich schon so oft in irgendwelchen Reportagen verfolgt hatte.
Der gut ausgebaute und gepflegte Weg brachte uns zu einer Gabelung, an der wir uns rechts hielten.
Wir hielten Ausschau nach weiteren Vögeln aber im dunklen Nebelwald war gutes Licht rar gesät und die Tiere mussten schon in meiner Nähe sitzen, damit ich überhaupt eine Chance hatte, ein halbwegs helles Foto machen zu können.
Schmucktyrann (Ornate flycatcher, Myiotriccus ornatus) und Graurücken-Musendrossel (Slaty-backed nightingale-thrush, Catharus fuscater) waren die einzigen beiden Vögel, die mir die Ehre erwiesen. Alle anderen waren zu weit oder zu schnell weg.
Marcel fragte Luis, ob es hier denn auch Frösche geben würde. Ja in der Tat und Luis schickte sich an, neben Vögel nun auch noch Ausschau nach Fröschen zu halten. Sein Wissen und seine Leidenschaft für die Tierwelt beeindruckten uns.
Durch den dichten Wald gelangten wir zu einer großen Hütte.
Da es zu regnen begonnen hatte, nahmen wir die überdachte Holzhütte mit Sitzgelegenheit natürlich gerne in Anspruch. Was muss hier wohl los sein, wenn der Tourismus boomt? Das Anwesen und auch die Anzahl der Unterkünfte war größer als in der gestrigen Lodge.
In kürzester Zeit schüttete es wie aus Eimern und wir waren gespannt, wie lange der Regenschauer anhalten würde.
Um uns die Zeit zu vertreiben, beobachteten wir eine Peru-Wachteltaube (White-throated quail-dove, Zentrygon frenata), die in einem schmalen Band im Westen Südamerikas lebt.
Es sah nicht so aus als ob es demnächst aufhören würde zu regnen. Wir saßen daher am Tisch und beobachteten die zahlreichen Kolibris, die zu ihren Futterstellen schwirrten. Grund genug, noch einmal den Versuch zu starten, einen Kolibri im Flug abzulichten. Von gefühlt 100 Fotos ist nur der Weißnackenkolibri (White-necked jacobin, Florisuga mellivora) halbwegs scharf geworden. Mein Ehrgeiz war geweckt. Zum Ende des Urlaubs musste es doch möglich sein, diese kleinen, flinken Vögel in aller Schärfe zu erwischen.
Mittlerweile hatten wir 16:30 Uhr und ein Ende des Regens war nicht in Sicht. Luis holte daher zwei Planen, die wir uns überwarfen und durch den strömenden Regen zurück zum Haupthaus liefen.
Teilweise stand der Weg komplett unter Wasser und nasse Füße waren trotz Wanderschuhen vorprogrammiert. Auch war es nicht einfach, die Plane festzuhalten und gleichzeitig das schwere Teleobjektiv so zu halten, dass es nicht nass wurde.
Ich war daher ganz froh als der Regen endlich weniger wurde und wir die Plane zur Seite packen konnten. Die Hose war natürlich trotz Abdeckung komplett nass. Hoffentlich würde das Funktionsmaterial bis zum morgigen Heimflug noch trocknen. Die Schuhe wohl eher nicht, dafür war die Luftfeuchtigkeit zu hoch.
Wir marschierten über die überflutete Wiese und gelangten nach ca. 15 Minuten zurück zum Haupthaus, wo der Besitzer der Lodge saß und sich ein paar seiner Vogelfotos anschaute.
Interessiert leisteten wir ihm Gesellschaft und holten uns Tipps für die Kolibris im Flug.
Ich zog mich allerdings kurz aufs Zimmer zurück und schnappte mir eine trockene Hose. Die Luft war zwar nicht kalt aber mit nassen Klamotten am Bein war es trotzdem nicht angenehm.
Marcel bezahlte in der Zeit für unseren gestrigen Lunch, den wir zwar eigentlich gar nicht bestellt hatten, der aber trotzdem von den Mitarbeitern zubereitet wurde. Damit das Essen nicht weggeworfen wurde, hatten wir nichts gesagt. Das wir in Anbetracht der doch recht stolzen Gesamtsumme für die vergangenen Tage nun den Lunch nachbezahlen mussten, fanden wir ehrlich gesagt etwas kleinkariert aber gut, von 50 USD würden wir dann auch nicht zu Grunde gehen. Da sollte aber an der Kommunikation vielleicht noch etwas gearbeitet werden.
Bevor es dunkel wurde, beobachteten wir noch ein wenig die Vögel. Für gute Fotos war das Licht mittlerweile allerdings zu schlecht und nachdem ich noch einmal den Kappennaschvogel (Green Honeycreeper, Chlorophanes spiza) vor meiner Linse erwischt hatte, zogen wir uns aufs Zimmer zurück und machten uns fürs Abendessen frisch.
Ich entspannte noch ein wenig in der Hängematte auf dem Balkon und lauschte den Geräuschen des Nebelwaldes. In der San Jorge Eco-lodge Tandayapa war in der Nacht kaum etwas zu hören gewesen. Hier in Milpe hingegen waren unzählige, unbekannte Tiergeräusche zu hören. Ich war gespannt, wie unheimlich das in der Nacht sein würde. Das Zimmer hatte keine komplett geschlossenen Fenster, sondern diese waren am oberen Ende offen und mit einem Fliegengitter gesichert. Interessant aber auch unheimlich.
Um 19 Uhr begaben wir uns zum Abendessen im Haupthaus. Auch heute waren wir wieder die einzigen Gäste in der gesamten Anlage. Was für ein Wahnsinn. Wenn man die Größe der Lodge sah, konnten wir gar nicht glauben, das niemand außer uns hier war.
Wir nahmen Platz und warteten auf den ersten Gang. Dabei entdeckte ich an einem Holzbalken eine interessante Verzierung. War die heute Mittag auch schon dort gewesen? Das blumenartige Gebilde wäre mir doch aufgefallen. Und warum war eigentlich nur an einem Holzpfosten diese Schnitzerei? Mir schwante bereits, worum es sich handelte und ich frage Marcel, ob ich mit meiner Vermutung recht hätte, dass es sich um eine große Vogelspinne handelte? Yeeeessssss.
Am liebsten wäre ich aufgestanden und schreiend davon gelaufen aber ich blieb cool und hielt die Tarantula immer im Blick. Sollte sich das Tier auch nur einen Millimeter bewegen, würde ich á la Roadrunner davonlaufen und man würde nichts von mir außer einer weißen Staubwolke sehen.
Doch die Vogelspinne verharrte an ihrer Stelle aus und wir nahmen das leckere Essen zu uns. Verwöhnt wird man in den Lodges ja. Wasser und ein Willkommenscocktail sind übrigens inklusive, Softdrinks und Alkohol müssen extra bezahlt werden.
Allzu lange harrten wir nicht in Gegenwart der Spinne aus. Wir checkten noch einmal den Flugstatus für den morgigen Rückflug und schauten, ob es eventuell ein Upgrade-Angebot gab. Diesmal hatten wir allerdings kein Glück und würden es uns daher in der Economy-Class gemütlich machen. Immerhin hatten wir Sitze mit mehr Beinfreiheit bereits vorab gekauft.
Satt und mit vielen tollen Eindrücken liefen wir zurück zu unserer Hütte und lasen noch ein wenig. Die Geräuschkulisse im Nebelwald war im Dunkeln echt unheimlich. Insgeheim hoffte ich, dass es Regnen würde.