Ein letztes Mal früh aufstehen und ein letztes Mal auf Jaguarsafari im Pantanal gehen. Die letzten vier Tage waren im Flug vergangen und wir hatten so viele Jaguare gesehen, wie wir es uns vorher nicht mal annähernd hätten vorstellen können. Der Ausflug ins Pantanal war ein echtes Highlight unseres Brasilienurlaubs gewesen und wir möchten nicht einen Tag missen. Nur die Hyazintharas waren bis jetzt leider im Verborgenen geblieben. Dadurch, dass wir jeden Tag auf dem Wasser verbracht hatten, hatte ich die Vögel nur einmal im Überflug gesehen. Heute war der letzte Tag, die Hyazintharas zu sichten und ich hoffte natürlich, die Papageien zu fotografieren bevor es zurück in die Zivilisation ging.
Wir trafen uns um 6 Uhr mit Roger zum Frühstück. Er wollte heute auch noch einmal ein besonderes Augenmerk auf die Hyazintharas legen.
Der Winter kehrte langsam im Pantanal ein und die Nächte waren mit ca. 15° Celsius angenehm kühl. Auf dem Boot brauchten wir daher auch immer eine Jacke.
Mit Sonnenaufgang fuhren wir hinaus auf den Rio São Lourenço und hielten Ausschau nach Jaguaren.
Die Vogelwelt war ebenfalls schon erwacht und ich entdeckte zahlreiche Goldstirnsittiche (Peach-fronted parakeet, Eupsittula aurea) in einem Baum.
Auch Marmorreiher (Rufescent tiger heron, Tigrisoma lineatum), Nachtreiher (Black-crowned night heron, Nycticorax nycticorax) und Amerika-Schlangenhalsvogel (Anhinga, Anhinga anhinga) sichteten wir. Die Vögel sind hier in großer Zahl vorhanden. Ein Naturparadies.
Auch der Rotbrustfischer (Ringed kingfisher, Megaceryle torquata) war häufig im Pantanal anzutreffen.
Nur hätte ich heute Morgen lieber weniger getrunken, denn nach nur einer Stunde auf dem Fluss, musste ich austreten. Ich sagte Roger Bescheid, der an geeigneter Stelle anhielt, die Umgebung inspizierte und ich aufs Buschklo gehen konnte.
Wir fuhren die üblichen Jaguarspots ab, sahen aber nichts. In einer Sackgasse entdeckte ich hoch oben in einen Baum einen neuen Vogel für meine interne Sammelliste – den auffälligen Orangenrücktrupial (Orange-backed troupial, Icterus croconotus).
Namensgebend ist der leuchtend orangefarbene Rücken. Kopf, Brust und Bauch zeigen ebenfalls ein kräftiges Orange. Flügel, Schwanzfedern und eine kleine Gesichtsmaske rund um das Auge sind tiefschwarz abgesetzt. Ein schöner Vogel.
Neben weiteren Vögeln wie dem Rotstirn-Blatthühnchen (Wattled jacana, Jacana jacana) und dem Schwarzrücken-Wassertyrann (Black-backed water tyrant, Fluvicola albiventer) sahen wir auch einen großen Leguan.
Wir glitten über den Fluss und sahen zu unserer Freude erneut Riesenotter, die gerade auf Jagd nach Fischen waren und diese vor unseren Augen am Uferrand verspeisten.
Die Familie aus 5 Tieren ließ sich flussabwärts treiben; die Fische fest im Maul.
An einer Stelle, an der weniger Strömung herrschte, begaben sich die Riesenotter ans Flussufer und fraßen in Ruhe die riesigen Fische.
Jeder Riesenotter hatte seinen eigenen Fisch, so dass es nicht zu Futterneid kam.
Unbeeindruckt von uns ließen sich die Tiere ihr Frühstück schmecken.
Nach 20 Minuten fuhren wir weiter. Nach rund 2 Stunden auf dem Wasser hatten wir noch nicht einen Jaguar gesehen. Das war ja untypisch wenn man die letzten Tage Revue passieren ließ. Roger vermutete, dass Jaguare sich auch erst an die Wetterumstellung gewöhnen mussten und deshalb eventuell später zu sehen waren. Einer als Abschied wäre natürlich schon noch cool.
Ein Chacoguan-Pärchen (Chaco chachalaca, Ortalis canicollis) baute an seinem Nest. Der Vogel zog seine Aufmerksamkeit auf sich, denn die typischen Rufe am frühen Morgen bestehen aus rauem, lärmigem „chata-ra-ta“, dass das Männchen zum Besten gab.
Wir verließen den Hauptarm des Rio São Lourenço und fuhren auf einen der Nebenarme.
Hoch oben in einem Baum saßen ein männlicher und ein weiblicher Brüllaffe, die uns neugierig beobachteten, als das Boot um ihren Baum kreiste.
Der Waldstorch (Wood storch, Mycteria americana) war ebenfalls wieder an seinem üblichen Platz anzufinden.
Ebenso der grüne Leguan, den wir vor zwei Tagen genau an derselben Stelle gesehen hatten. Alles hatte seine Ordnung.
Und dann sagte uns Roger, dass ein Jaguar gesichtet worden war. Mit Highspeed fuhren wir daher zum Spot, an dem bereits 3 weitere Boote ihre Bahnen zogen.
Nach 4 Stunden der erste Jaguar. Schon krass, was für ein Glück wir in den letzten Tagen gehabt hatten.
Faul lag der Jaguar im Schatten und trottete kurz darauf in die Sonne, wo er sich abermals hinlegte und ein Nickerchen hielt. Ja es war noch recht kühl an diesem Morgen im Pantanal.
Für uns wurde es langsam Zeit zurück zum Camp zu fahren.
Ein Jabiru (Jabiru, Jabiru mycteria) hielt die Stellung an seinem Nest.
Dem Schwarzbussard (Great black hawk, Buteogallus urubitinga) kamen wir zu nah, so dass dieser nach kurzer Überlegung doch die Flucht ergriff.
Auf dem Rückweg zum Jaguar Camp passierten wir eine Sandbank auf der ein Halsband-Wehrvogel (Southern screamer, Chauna torquata) herumlief.
Um 11:30 Uhr waren wir zurück und hatten noch eine Stunde Zeit bis zum Mittagessen.
Ich beobachtete die Schopfkarakaras (Crested caracara, Caracara plancus), die wieder auf dem Gelände des Camps herumschlichen und wir packten die restlichen Klamotten für die Abreise zusammen.
Nach dem Mittagessen brachen wir gegen 13:30 Uhr auf. Eine lange Rückfahrt über die Transpanateira und via Pocone nach Cuiaba lag vor uns.
Roger sagte uns, dass er drei Spots im Kopf hatte, wo wir eventuell Hyazintharas sichten konnten.
Spot Nummer 1 lag rund eine halbe Stunde vom Camp entfernt aber leider war von den Aras nichts zu sehen oder zu hören.
Dafür konnten wir ein paar Gauchos beim Zusammentreiben ihrer Herde beobachten.
Auch an Spot 2 konnte Roger keine Hyazintharas entdecken und ich fügte mich schon fast meinem Schicksal, die Vögel leider nicht mehr zu sehen, denn außerhalb des Pantanals sind sie eher selten anzutreffen.
Wir sahen zwei Nandus (Greater rhea, Rhea americana), die jedoch das Weite suchten als ich auf der staubigen Piste ausstieg.
Mit einer Scheitelhöhe von 1,25 bis 1,40 Metern (Rückenhöhe etwa 1 Meter) und einem Gewicht von 20 bis 25 Kilogramm ist der Nandu der größte Vogel Amerikas.
Als das nächste Auto in Sichtweite war, stieg ich schnell wieder ein, um nicht vom Staub der Transpanateira eingenebelt zu werden.
Wir hatten fast das Ende der Piste erreicht und leider waren keine Hyazintharas in Sicht.
Roger fuhr auf eine Seitenstraße, öffnete das Fenster und lauschte. Nichts zu hören.
Dafür sahen wir einen Kaninchenkauz (Burrowing owl, Athene cunicularia). Er lebt als Bodenbewohner in den Grassteppen und ist hauptsächlich dämmerungsaktiv, jagt jedoch auch tagsüber und in der Nacht.
Ich beobachtete den Vogel, der mich neugierig anschaute aber nicht wegflog.
Wir fuhren weiter und innerlich war ich natürlich echt enttäuscht, die wunderschönen blauen Hyazintharas nur ein einziges Mal im Überflug gesehen zu haben. Ich hatte vor Abreise so viele schöne Fotos von den Aras gesehen, die vor allem in Porto Jofre anzutreffen sind.
Roger jedoch hielt plötzlich auf der Transpanateira an, öffnete das Fenster und jubelte. High five. In der Ferne hörte er das Schreien der Großpapageien und wir stiegen aus, um nach den Vögeln Ausschau zu halten.
In den Bäumen auf einer Ranch entdeckte ich die Hyazintharas – endlich.
Das Licht hätte schlechter nicht sein können aber ich war so glücklich, die Vögel beobachten zu können.
Etliche Paare saßen in den Bäumen, flogen herum und knabberten an den Baumrinden der Palmen.
Im vollen Gegenlicht verursachte ich ein paar Fotos von den Tieren zu schießen. Sie waren weit weg aber erkennen lassen sie sich. Ganz passabel aber ausbaufähig. Ich muss noch mal ins Pantanal, geht kein Weg dran vorbei.
Ich freute mich wie ein kleines Kind und nach rund 20 Minuten machten wir uns auf den Weg nach Cuiaba. Rund zwei Stunden Fahrt lagen noch vor uns.
Der Verkehr wurde dichter und wir erreichten das Hits Pantanal Hotel gegen 17:30 Uhr.
Wir verabschiedeten uns von Roger und dankten ihm für diese unglaubliche Reise ins Pantanal und seiner Expertise. Ein äußerst empfehlenswerter und aufmerksamer Guide mit sehr guten Englischkenntnissen.
Da unser Flug nach Rio de Janeiro erst morgen Mittag ging, ließen wir den Abend in Ruhe ausklingen.
Im nahegelegenen Supermarkt kauften wir uns noch etwas zum Essen und begaben uns nach den aufregenden Tagen ins Bett. Das Abenteuer Pantanal endete leider schon und wir können nur jedem Tier- und Naturliebhaber eine Reise nach Porto Jofre empfehlen. Es ist natürlich sehr teuer aber für uns war der Ausflug jeden Cent wert.
