Nachdem wir gestern bereits der brasilianischen Seite der Iguaçu-Wasserfälle einen Besuch abgestattet hatten, sollte es heute rüber nach Argentinien gehen. Dafür hatten wir uns vorab einen Transfer organisiert, der uns zur Grenze nach Argentinien brachte, von dort mit einem anderen Fahrer weiter zum Eingang des Nationalparks brachte und nach einer frei bestimmten Zeit wieder abholte, zurück zur Grenze brachte und von dort zum Hotel in Foz do Iguaçu. Für die Erkundung der argentinischen Seite sollten etwa 5-6 Stunden eingeplant werden.
Wir hatten uns für eine Abholung um 06:30 Uhr entschieden, um möglichst früh an den Wasserfällen anzukommen. Eine Tour wäre zwar günstiger gewesen, hätte uns aber die Flexibilität geraubt. Wir erkunden Sehenswürdigkeiten lieber auf eigene Faust, da wir dann dort so lange bleiben können, wie wir wollen. Es wäre auch möglich gewesen, ein Uber oder ein Taxi bis zur Grenze zu nehmen und in Argentinien mit einem Uber/Taxi weiterzufahren. Ob und wie oft Uberfahrer hier stehen, konnten wir nicht sehen aber einige Leute, die das so organisiert hatten.
Pünktlich holte uns der organisierte Fahrer von IguazuFalls.Travel am Wish Foz do Iguaçu Resort ab. Da wir in der Nebensaison unterwegs waren, erwartete der Fahrer keinen Stau an der Grenze. Er sprach ein wenig Englisch und wir unterhielten uns.
Die Fahrt bis zur Grenze dauerte nur ca. 10 Minuten. Ein Ausreisestempel aus Brasilien wurde nicht notwendig, wenn man nur für einen Tag nach Argentinien fährt. Daher konnten wir uns diese Formalität schon sparen. In Argentinien angekommen stiegen wir aus und gingen mit dem Fahrer zur Passkontrolle, an der nichts los war. Der Beamte checkte kurz den Pass und wir konnten zum argentinischen Fahrer gehen, der uns bereits zuwinkte. Leider sprach er kein Englisch. Einen Stempel aus Argentinien bekamen wir leider nicht in unseren Pass.
In rund 20 Minuten erreichten wir um 07:45 Uhr den Nationalparkeingang. Leider hatte es angefangen zu regnen und der Himmel war wolkenverhangen. Wir hofften, dass sich der Nebel im Laufe des Tages noch lichten würde.
Die Tickets für den Besuch der Wasserfälle hatten wir bereits vorab online gekauft. Da aber kaum Touristen vor Ort waren, hätten wir die Tickets auch vor Ort kaufen können.
Wir warteten auf die Öffnung des Parks um 08:00 Uhr und stellten uns in die Warteschlange.
Der Einlass startete Punkt 8 und wir konnten mit den wenigen anderen Touristen den Park betreten. Unser Plan war zunächst mit der Parkbahn zum Garganta del Diablo zu fahren, da dieser der spektakulärste und größte Wasserfall der Iguazú-Wasserfälle ist. Das U-förmige Naturwunder ist etwa 82 Meter hoch, 150 Meter breit und gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Von dort wollten wir uns den beiden Wanderungen Upper Circuit (Circuito Superior) und Lower Circuit (Circuito Inferior) widmen.
Schnellen Schrittes folgten wir daher der Beschilderung zur kleinen Bahn. Das Ticket ist im Eintrittspreis inkludiert. Wer möchte, kann auch bis zum Garganta del Diablo wandern (Sendero Macuco, ca. 7 km one way). Die Parkbahn fuhr jede halbe Stunde und so wurde es Minute um Minute voller.
Um 08:30 Uhr konnten wir einsteigen und los ging die etwa 20-minütige Fahrt.
Die meisten Touristen inkl. uns fuhren bis zur Endstation Estacion Garganto. Von hier lag noch ein rund 1,1 Kilometer langer Fußweg bis zum Teufelsschlund vor uns. Vom Bahnsteig aus folgten wir daher den anderen Besuchern.
Ein flacher, barrierefreier Metallsteg führte über den breiten Iguazú-Fluss. Der Ausblick war traumhaft aber die Fotopausen hoben wir für den Rückweg auf. Jetzt wollten wir erst zur Aussichtsplattform, um dem Besucheransturm zuvorzukommen.
Ein feiner Sprühnebel war bereits am Horizont zu erkennen.
Wir gingen daher etwas schneller und überholten einige Leute, so dass wir fast als erste auf der Plattform ankamen. Vor uns war nur ein weiteres Pärchen aus Deutschland, die die wenigen Sekunden Einsamkeit genießen konnten.
Der Weg war so angelegt, dass man im Einbahnstraßenformat zur Plattform geleitet wurde.
Das Donnern des Wassers war bereits aus der Ferne zu hören und dann öffnete sich uns ein unbeschreiblicher Blick auf den Wasserfall.
Die Aussichtsplattform thronte oberhalb des Wasserfalls direkt am Abgrund. Pro Sekunde stürzen etwa 1,5 Millionen Liter Wasser in den Abgrund.
Kleinere Wasserfälle bildeten einen wunderschönen Kontrast zur Landschaft. Überall suchte sich das Wasser seinen Weg. Der Foz do Iguazu war der erste Wasserfall, der es aus unserer Sicht mit den Wasserfällen auf Island auf sich nehmen konnte. Selbst die Niagarafälle hatten wir nicht so beeindruckend gefunden. Der Wasserfall war schon ein besonderer Ort. Und der Ausblick ganz anders als gestern auf der brasilianischen Seite. Ein wahres Naturwunder.
Wir schossen zahlreiche Fotos und genossen die Ruhe vor dem Sturm. Der Wasserfall markiert die exakte Grenze zwischen dem argentinischen Nationalpark Iguazú und dem brasilianischen Nationalpark Iguaçu.
Die herabstürzenden Wassermassen erzeugten ein ohrenbetäubendes Rauschen und eine permanente Gischtwolke, so dass man den Fluss unterhalb nicht sehen konnte.
Es klarte ein wenig auf und die Sonne zeigte sich.
Mittlerweile war die Plattform gut gefüllt und die ersten Gruppentouren eingetroffen.
Wir machten daher noch ein paar Fotos und kehrten dem Garganta del Diablo den Rücken.
Auf selben Weg ging es zurück zur Bahnstation. Wir ließen uns jetzt allerdings Zeit und genossen die Aussicht auf den breiten Flusslauf.
Die nächste Bahn war eingetroffen und zahlreiche Leute pilgerten uns entgegen. Unser Zug war noch nicht voll gewesen aber das änderte sich, da auch die Gruppentouren eingetroffen waren. Gut, dass wir uns dagegen entschieden hatten, mit einer Tour hier hin zu fahren.
Der Ausblick war traumhaft und der Iguazú-Fluss kam uns gar nicht wie ein großer Fluss, sondern wie viele kleine Flüsse vor, da wir immer wieder auf die grüne Dschungellandschaft blickten. Doch auf der Karte ist gut zu erkennen, dass es sich wirklich nur um den Iguazú-Fluss handelt.
Wir erreichten nach etwa einer halben Stunde den Bahnhof und warteten auf die Parkbahn.
Dabei entdeckten wir einen neugierigen Kappenblauraben (Plush-crested Jay, Cyanocorax chrysops), der hoffte, dass was zum Fressen für ihn abfiel.
Die Einfahrt des Zuges und die vielen aussteigenden Menschen verscheuchten den Vogel und wir nahmen in der Bahn Platz.
Viele Leute fuhren nicht zurück und wir hatten daher eine ganze Reihe für uns alleine.
An einer Kreuzung mussten wir den entgegenkommenden Zug abwarten und ich sah einen schönen, blauen Schmetterling. Da ich kein Tele dabei hatte, musste das Normalobjektiv herhalten.
Wir stiegen an der Zwischenstation Estacion Cataratas aus, von der die Wanderungen auf dem Upper Circuit (Circuito Superior) und dem Lower Circuit (Circuito Inferior) starteten.
Von der Bahnstation war der Zugang zu den Wanderwegen ausgeschildert.
Wir entschieden uns zunächst für den 1,7 Kilometer langen Upper Circuit (Circuito Superior), der oberhalb der Felskante führte und spektakuläre Top-down-Panoramablicke gewähren sollte.
Auch dieser Weg ist barrierefrei und für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer geeignet.
Wir folgten dem Metallweg zu den unterschiedlichen Aussichtspunkten.
Zuerst erreichten wir den Salto Dos Hermanas („Zwei Schwestern“). Vom Wasserfall selbst war allerdings nicht viel zu sehen, so dass wir nach dem kurzen Stopp weiterliefen zum Salto Chico.
Da wir oberhalb der Wasserfälle liefen, konnten wir die Fälle selbst nicht sehen, sondern nur den Zulauf und die Abbruchkante. Dafür war die Aussicht auf die zahlreichen Wasserfälle am Ende der Wanderung sehr beeindruckend.
Der Salto Bossetti war von der Plattform sehr gut zu sehen, da sich diese direkt an der Abbruchkante befand. Wir blickten direkt auf den Wasserfall und hörten das laute Tosen der Wassermassen.
Wir folgten dem Metallweg über den Zulauf des Wasserfalls und gelangten auf die andere Seite zu einer weiteren Plattform – ebenfalls mit Blick auf den Salto Bossetti. Der Blick war aber nicht so gewaltig, wie von der vorherigen Plattform.
Unterwegs gab es immer wieder wunderschöne Blicke in den Regenwald. Die argentinische Seite gefiel uns von der Art der Wanderwege besser als die brasilianische Seite. Und auch die Nähe zu den einzelnen Wasserfällen war besser als gestern in Brasilien. Wenn man keine Zeit für beide Seiten hat, dann würde ich die argentinische Seite empfehlen.
Den breiten, mächtigen Fall Salto Guardaparque Bernabé Méndez konnte man von oben nur erahnen, da dieser unter dem Steg in die Tiefe stürzte.
Eine bessere Sicht gewährte uns die Aussichtsplattform am Salto Mbiguá. Wir standen direkt seitlich der Abbruchkante und konnten den Wasserfall und die Gischt erblicken.
Den krönenden Abschluss bildete die Aussichtsplattform auf den Salto San Martín. Dieser ist der zweitgrößte Wasserfall des gesamten Systems. Ein Zuweg über das Wasser brachte uns direkt zum großen Aussichtspunkt, auf dem wir ganz alleine waren.
Von der Plattform blickte man direkt in die riesige San-Martín-Schlucht und auf die gleichnamige Dschungelinsel im Flussbett. Den Wasserfall selbst konnte man aber nicht sehen, da man natürlich wieder direkt über diesem stand.
Wir genossen die Aussicht über das weit über das weitverzweigte Flussdelta des Iguazú bis hinüber zur brasilianischen Uferseite und machten uns danach wieder auf den Rückweg.
Bis auf eine Moschusente (Muscovy duck, Cairina moschata) entdeckten wir jedoch keine anderen Vögel oder Tiere.
Wir folgten dem schön angelegten Weg durch das verzweigte Flussdelta in Richtung Ausgang.
Auf einer Bank legten wir eine kleine Rast ein und genossen die Idylle.
Nach etwa einer Stunde hatten wir den Ausgang erreicht und begaben uns direkt zum Lower Circuit (Circuito Inferior), der das erlebnisreiche Gegenstück zum Upper Circuit bildete. Er führte hinab in den Canyon, sodass wir die Wasserfälle von unten bestaunen und die schiere Wucht der stürzenden Wassermassen hautnah spüren konnten. Der Weg ist nicht barrierefrei, sondern es müssen zu Beginn einige Metallstufen überwunden werden.
Die Wanderung auf dem Lower Circuit (Circuito Inferior) ist ca. Kilometer lang und es sollten mit Fotostopps rund 1,5 Stunden eingeplant werden.
Wir folgten dem Weg geradeaus bis zu einem kleinen Cafe und Souvenirshop. Hier gab es auch Toiletten, die wir vor dem Losmarschieren noch einmal aufsuchten.
Der Rundwanderweg führte uns vorbei an einem alten Aussichtsturm, der aber leider geschlossen war.
Der zunächst asphaltierte Weg führte uns leicht abwärts.
Steinstufen brachten uns hinab. Die Vegetation war dicht und wir sahen Nasenbären, Schmetterlinge und Vögel.
Wir gelangten in Richtung Wasser und liefen über Metallstege und Treppen durch den subtropischen Regenwald. In der Ferne hörten wir das Wasser rauschen.
Der Blick auf den rauschenden Fluss unter uns war gewaltig und wir hielten kurz inne, um die Aussicht zu genießen.
Wir passierten den Wasserfall Alvar Nunez und stiegen über Metallstufen steil aufwärts bis zu einem Aussichtspunkt mit herrlichen Blick auf die Iguazu-Wasserfälle und die San Martin Insel.
Wir verweilten eine Weile und ließen die Szenerie auf uns wirken.
Danach folgten wir dem Wanderweg weiter und konnten immer wieder atemberaubende Ausblicke auf die zahlreichen Wasserfälle wie den Salto Bossetti und den Salto San Martín genießen.
Der Weg brachte uns weg von den Hauptwasserfällen und abwärts zum Salto Dos Hermanas (Zwei Schwestern).
Ein paar Affen trieben sich in den Baumwipfeln herum, waren aber für schöne Fotos zu weit weg. Zudem fing es leicht an zu nieseln und wir folgten daher dem Weg weiter bis wir wieder am Cafe ankamen.
Noch einmal schnell auf die Toilette und dann hieß es für uns auch schon Abschied nehmen.
Wir hatten mit dem Fahrer vereinbart, uns um 13:30 Uhr am Eingang des Nationalparks zu treffen.
Da wir noch etwas Zeit hatten, nahmen wir nicht die Parkbahn zum Eingang, sondern den grünen Trail, der rund 900 Meter lang war.
Andere Touristen waren hier kaum unterwegs und so konnten wir eine Bande Nasenbären, die unseren Weg, der mitten durch den Regenwald führte, kreuzten.
Wir ließen die Tiere passieren und begaben uns zum Ausgang.
Unser Fahrer wartete bereits auf uns und fuhr uns zur argentinisch-brasilianischen Grenze. Ausreiseformalitäten brauchten wir nicht hinter uns bringen und konnten daher direkt zum Auto unseres brasilianischen Fahrers gehen, der uns in rund 20 Minuten zurück zum Hotel brachte.
Wir verabschiedeten uns und beschlossen am Nachmittag noch eine weitere Runde auf den hinteren 9 Löchern des Iguassu Falls Golfclubs zu spielen. Den Bericht zu den Back Nine findet ihr hier => Brasilien 2026: Golfrunde auf den hinteren neun Löchern auf dem Iguassu Falls 18-Loch-Golfplatz
