Bevor wir am Nachmittag den Iguacú-Wasserfällen auf der brasilianischen Seite einen Besuch abstatteten, beschlossen wir am Morgen eine Runde Golf auf dem Iguassu Falls Golf Club zu spielen, der auf dem Gelände des Wish Foz do Iguaçu Resort lag. Die nächsten zwei Nächte würden wir hier übernachten und somit auch die Möglichkeit nutzen, Golf zu spielen. Für Anfänger war der Platz trotz seiner teilweise schwierigen Löcher trotzdem sehr gut geeignet, da während unseres Aufenthalts kaum etwas los war und die Fairways breiter waren als erwartet. Außerdem gab es auch keine Handicap-Beschränkung von 36.
Wir flogen daher am Morgen mit Gol von Rio de Janeiro nach Foz do Iguacu, nahmen ein Uber zum Hotel, dass wir gegen 10 Uhr erreichten. Einchecken konnten wir noch nicht aber das Gepäck im Hotel lassen.
Wir entschieden uns für eine 9-Loch-Runde, um danach noch zu den Wasserfällen fahren zu können.
Der nette Herr im Clubhaus konnte sogar etwas Englisch, was die Verständigung natürlich einfacher machte.
Wir kauften daher Bälle und eine Cap. Tees und Handschuhe hatte ich von zu Hause mitgebracht. Die Schläger konnten wir uns für 100 BRL ausleihen und es war auch nicht notwendig, dass wir jeweils beide ein Bag hatten, sondern konnten die Schläger gemeinsam nutzen.
Die Schläger selbst waren zwar nicht im besten Zustand aber das war uns egal.
Auf das Zählen meiner Schläge habe ich verzichtet, da mir das eigentlich nie wirklich wichtig ist. Für mich zählen gute Abschläge und ein insgesamt flüssiges Spiel. Und wenns mal nicht läuft, beende ich das Loch und gehe zum nächsten Abschlag. Ich muss noch daran arbeiten, dass mich schlechte Schläge weniger nerven, denn letztendlich wird es die immer geben. Marcel nimmt das Golfen ein wenig ernster und hat daher seine Scorecard mit Schlägen befüllt.
Der Iguassu Falls Golf Club ist ein anspruchsvoller Par-72-Meisterschaftsplatz, der vom US-Architekten Erik Larsen entworfen wurde. Die Bahnen 1 bis 9 (vom weißen Abschlag liegt die Gesamtlänge bei ca. 5.510 Meter, von rot bei ca. 4.835 Meter) bieten eine faszinierende Mischung aus tropischem Dschungel-Flair, weiten Fairways, vielen Wasserhindernissen und strategisch platzierten Bunkern.
Das Wetter hätte zwar etwas besser sein können aber immerhin war es trocken und vor allem mit 18° Grad auch nicht so warm. Perfekte Temperatur für eine Runde Golf.
Aufwärmen wird überbewertet und nach ein paar Lockerungsübungen bereitete Marcel sich am ersten Abschlag vor. Er spielte von weiß, ich von rot. Es gab auch noch einen blauen und einen schwarzen Abschlag.
Also auf zum ersten Abschlag, der sich direkt links vom Clubhaus befand. Alle Längenangaben sind vom weißen Abschlag.
Loch 1 | Par 4 | ca. 391 m
Schwierigkeit: Moderat
Der Auftakt ist ein relativ gerades Par 4. Die Landezone ist großzügig, aber die Annäherung erfordert Präzision, da das Grün von roten Sandbunkern gut verteidigt wird.
Marcel startete gleich mal mit einem weiten Abschlag trotz fremder Schläger, die nicht im besten Zustand waren. Ich war daher gespannt, was ich ohne Warmspielen aufs Gras brachte.
Da wir uns eine Tasche teilten und es sich bei den Schlägern fast ausschließlich um Schläger mit einem harten Schaft (Regular) handelte, hatte ich nicht die Erwartung, heute irgendwas reißen zu können.
Doch unerwarteterweise lagen mir die Schläger (oder meine Rotation war einfach mal gut) und ich schlug den Ball gerade aufs Fairway. Sehr schön, so konnte es losgehen.
Gemeinsam liefen wir zu meinem Ball und ich testete mal den 5er Hybriden. Nicht sehr klug aber wie sich herausstellte, wurde der Schläger mein neuer bester Begleiter.
Schlag Nummer zwei war ebenfalls gut und lag leicht links aber war nicht im Bunker gelandet.
Marcels zweiter Schlag hingegen war getoppt, weshalb er gleich noch mal schlagen durfte.
Auf dem großen Grün brauchten wir allerdings erstmal das Gefühl mit einem fremden Putter zurecht zu kommen. Gar nicht so einfach, weshalb wir beide mit einem 3-Putt das Loch beendeten und Marcel insgesamt 7 Schläge benötigte.
Ein guter Auftakt für uns beide und auf zum nächsten Loch.
Blick zurück auf Bahn 1 auf dem Iguassu Falls Golfplatz – ja es ist so profiliert
Loch 2 | Par 4 | ca. 301 m
Schwierigkeit: Anspruchsvoll
Ein kürzeres Loch, das jedoch strategisches Denken erfordert. Es ist ein Dogleg mit Wasserhindernissen, die das Grün bewachen. Longhitter versuchen möglicherweise, das Grün direkt anzuspielen, während der konservative Schlag mit einem Eisen aufs Fairway das sicherere Bogey verhindert.
Die Fahne war vom Abschlag aus nur zu erahnen, da das Dogleg in Richtung Straße nach rechts ging. In Schlagdistanz lag ein Graben.
Marcel haute einen guten Schlag mit dem 6er Eisen raus und positionierte seinen Ball strategisch noch weit weg vom Wasserhindernis.
Ich zockte gleich mal wieder den 5er Hybriden und traf diesen so gut, dass mein Ball vom Abschlag in Richtung Wassergraben flog, über die Holzbrücke rollte und an einem Wasserkabel aufgehalten wurde. Was war das denn bitte für ein grandioser Schlag? Nur leider für mich mit dem nächsten Schlag nicht spielbar.
Marcel traf abermals gut und lag Mitte Fairway mit Schlagdistanz aufs Grün.
Als wir über die Holzbrücke gingen, entdeckten wir im Graben einen Kaninchenkauz (Burrowing Owl, Athene cunicularia), der sich von uns nicht beeindrucken ließ und für Handyfotos still hielt. Er ist auch tagaktiv und zeichnet sich durch sehr lange Beine aus.
Ich legte meinen Ball besser und versemmelte den nächsten Schlag. Daher durfte ich gleich noch mal ran und haute mit dem 9er Eisen einen zielsicheren Schlag raus. Leider etwas zu weit, so dass mir gleich noch ein ungemütlicher Chip aufs Grün drohte.
Marcels Annäherungsschlag traf das Grün und ein Ein-Putt brachte ihm an Loch 2 ein Par ein. Stark.
Mein Schlag aus dem festen Rough war gar nicht so schlecht aber wieder brauchte ich drei Putts, um den Ball ins Loch zu bugsieren. Dennoch freute es mich, dass ich die Abschläge heute so gut hinbekam. Trotz Spielpause, fremder Schläger und ohne vorher auf die Range gegangen zu sein.
Um zum dritten Loch zu gelangen, mussten wir das Gelände kurz durch eine automatische Schiebetür verlassen, die Straße zum Resort überqueren und auf der gegenüberliegenden Seite erneut durch eine Tür den Platz betreten.
Loch 3 | Par 4 | ca. 296 m
Schwierigkeit: Mittel
Ein schmales Par 4, das einen präzisen Abschlag erfordert, da das Rough hoch gemäht ist. Hier gibt es geteilte Fairways („Double Fairways“), die den Golfer vor die Wahl stellen, ob er den aggressiveren über die Bunker oder den sichereren Weg rechts außen wählt. Das kleine Grün wird von zwei roten Bunkern verteidigt und erfordert ebenfalls Präzision bei der Annäherung.
Unser beiden Abschläge lagen perfekt auf dem Fairway und wir konnten beide mit dem zweiten Schlag das Grün direkt anspielen. Während Marcel den Ball mit seinem Annäherungsschlag perfekt auf dem platzierte, flog mein Ball zu weit und mir blieb mal wieder ein Chip nicht erspart. Da die im Moment nicht so gut laufen, war schon klar, wie das wieder ausgehen würde.
Marcel schaffte mit 2 Putts ein Par zu spielen, während ich es noch zu einem Bogey schaffte. Das war doch mal ein richtig gutes Loch.
Loch 4 | Par 5 | ca. 521 m
Schwierigkeit: Hoch
Eines der längsten und auch landschaftlich aufregendsten Löcher der Front Nine. Das Fairway wird hinten raus sehr schmal und ist rechts von einem Bunker und links vom Wasser geschützt. Ebenso das Grün, das von Wasser umgeben ist, weshalb ein präziser Schlag ins Ziel erforderlich ist. Taktisches Spiel ist hier entscheidend, um den Score nicht zu ruinieren.
Mit Blick auf die Villen direkt am Rand des Fairways schlugen wir ab. Bei mir saß der Treffpunkt, Marcel ließ seinen Ball etwas kurz und hatte sich so noch eine Aufgabe gelassen.
Dafür liefen Schlag 2 und 3 bei mir gar nicht und ich arbeite mich in kleinen Schritten vorwärts Richtung Grün.
Marcel mussten seinen Ball nach dem dritten Abschlag im dichten Rough suchen und bekam diesen nicht wirklich gut aus dem Gras raus.
Ich landete mit dem 4. Schlag im Bunker, schlug zu fest in den Sand und mein Ball verschwand im Wasser. Schade.
Auch Marcel hatte kein Glück. Er schaffte es nicht mit dem nächsten Schlag das Grün anzuspielen, sondern verzog den Ball weit nach rechts, weshalb dieser direkt ins Wasser flog. Der erste Strafschlag für ihn.
Der Chip aufs Grün lief nicht viel besser und mit 3 Putts und einem Strafschlag beendete er das Loch mit 9 Schlägen.
Nach meinem Strafschlag lief es bei mir nicht besser und ich versenkte beim Chip aufs Grün noch einen Ball, da ich diesen toppte und er über das Grün rollte.
Das war keine Glanzleistung von uns. Also schnell abschließen und auf zum 5. Loch.
Loch 5 | Par 3 | ca. 156 m
Schwierigkeit: Moderat
Das erste Par-3-Loch der Runde. Die Länge ist moderat, aber das Grün war leicht erhöht und von Bunkern umgeben. Die Wahl des richtigen Schlägers ist hier absolut essenziell. Die Tigerline geht direkt übers Wasser. Man kann aber auch kur nach rechts spielen und von dort aufs Grün.
Klar, das wir beide natürlich direkt übers Wasser spielen wollten. Die Länge musste ja drin sein. Ich nahm das 7er Eisen und hoffte auf einen guten Treffpunkt, damit der Ball rechts von den Bunkern landete. Marcel hatte Glück und landete unterhalb der Bunker. Ich ließ meinen getoppten Ball etwas zu kurz, weshalb dieser am Rand des Wassers landete und hineinrollte. Der sollte sich aber hoffentlich finden lassen.
Ich spielte einen provisorischen Ball und hatte beim zweiten Schlag mehr Glück. Der Ball war unterhalb des Grün rechts außen gelandet.
Marcel hingegen legte einen super Abschlag hin, der unterhalb des Grün landete.
Ein Chip, ein Putt und er konnte ein Par eintragen.
So gut lief es bei mir nicht aber immerhin hatte ich meinen ersten Ball nicht verloren. Der lag zwar unspielbar im Wasser aber ich nahm ihn natürlich mit.
Am Ende reichte es bei mir auch noch für ein Doppel-Bogey.
Loch 6 | Par 4 | ca. 382 m
Schwierigkeit: Anspruchsvoll
Ein längeres Par 4, das viel Länge und Genauigkeit vom Abschlag erfordert. Das Fairway windet sich leicht, und die Annäherung erfolgt oft in einen engen Bereich, der von Sand verteidigt wird.
Beide Abschläge waren nicht gerade eine Glanzleistung und Meter machten wir kaum.
Dafür war mein dritter Schlag mit dem 5er Hybrid so gut, dass er direkt in den Bunker rollte.
Auch Marcel hatte zwei halbwegs gute Schläge herausgehauen und landete ebenfalls kurz vor dem Grün.
Mein Bunkerschlag war leider viel zu weit aber man konnte hier auch nicht mehr von Sand sprechen. Der Untergrund war fest wie Beton und der Ball wurde daher von mir getoppt und rollte auf der anderen Seite wieder vom Grün.
Marcel hingegen ließ seinen Chip zu kurz, so dass er noch einmal nachlegen musste.
Zwei Putts später war der Ball zum Triple-Bogey eingelocht.
Ich nahm meinen Ball hingegen auf, da auch der Chip von der anderen Seite eine Katastrophe war.
Schnell weiter zum nächsten Loch.
Loch 7 | Par 3 | ca. 243 m)
Schwierigkeit: Mittel bis Schwer
Ein Par 3, das etwas länger ist und meistens Gegenwind aufweist. Das Grün ist klein, was zu den typischen Anforderungen des Platzes passt, die berüchtigten „Three-Putts“ zu vermeiden.
Bei der Länge war natürlich klar, dass wir hier sicherlich kein Par spielen würden.
Beide Abschläge waren ok aber noch weit vom Grün entfernt.
Während ich mit meinem zweiten Schlag den Ball erneut in den Sandkasten versenkte (und schon wieder dem Bunker einen Besuch abstatten durfte), toppte Marcel seinen Ball und das Grün war immer noch in weiter Ferne.
Beim Bunkerschlag hatte ich diesmal mehr Glück und landete auf dem Grün.
Marcel traf mit seinen dritten Schlag das Grün und schaffte mit zwei Putts ein Doppel-Bogey.
Loch 8 | Par 5 | ca. 501 m
Schwierigkeit: Moderat
Ich bin kein Fan von so langen Par 5, da ich einfach kein Longhitter bin und mir auch die Konstanz bei weiten Schlägen fehlt. Daher war zu erwarten, dass ich keine drei guten, weiten Schläge hintereinander schaffen würde.
Der Abschlag war gar nicht so schlecht. Der 5er Hybrid wird mein neuer Lieblingsschläger. Dafür liefen die Eisen so gar nicht. Aber soviel Rost, wie an den Schlägern war, war das natürlich logisch, dass die nicht laufen konnten. Ganz klar lag das nicht an mir 🤣.
Doch auch Marcel hatte an dem Loch wenig Glück. Ob Abschlag, Transportschlag oder Annäherung. Alles passte irgendwie nicht zusammen
Er spielte das Loch daher nicht zu Ende und verzichtete auf den Putt. 10 Schläge standen am Ende auf seiner Scorekarte.
Ich puttete noch zum Triple-Bogey. So schlecht wie erwartet war das Loch für mich gar nicht gelaufen.
Auf zur letzten Bahn.
Loch 9 | Par 4 | ca. 428 m
Schwierigkeit: Moderat
Ein schöner Abschluss der ersten Hälfte. Das Fairway ist relativ breit. Wer den Drive gut platziert, hat einen offenen Schlag in das Grün, das sich hervorragend für ein Birdie oder Par anbietet.
Mit Blick auf das Hotel schlug Marcel als erster ab. Er spielte auf Sicherheit und nahm das 6er Eisen. Der Schlag landete perfekt auf dem Fairway.
Ich hingegen hatte mal Lust den Driver zu testen. Ein Schläger, den ich eigentlich nicht spiele, da er mir auch nicht häufig hilft, Länge zu generieren und dann noch diese krassen Fades. Dann lieber nur ein Holz. Aber diesmal lief es unerwarteterweise richtig gut und ich haute einen ordentlichen Schlag raus.
Auch die anderen Schläge liefen gut und mit zwei Putts konnte ich zum Bogey einlochen.
Marcels zweiter Schlag war ebenfalls super aber der dritte landete irgendwo rechts im hohen Rough. Wir fanden den Ball zwar aber aus der Lage aufs Grün zu spielen, gelang ihm leider nicht.
Daher legte er vor, chippte aufs Grün und lochte mit einem Putt ebenfalls zum Bogey ein.
Insgesamt hatte Marcel am Ende der 9-Loch-Runde 54 Schläge auf seiner Scorekarte stehen. Für einen Anfänger gar nicht so schlecht. Außerdem wäre es mit eigenen Schlägern bestimmt besser gelaufen 🤣😂😁.
Ich zähle wie gesagt nicht aber meine Runde war ebenfalls gar nicht so schlecht und der Puls nur kurzfristig gestiegen.
Wir gaben die Leihschläger wieder im Shop ein und konnten nun im Hotel einchecken.
Nach einer kurzen Erholung machten wir uns auf den Weg zu den Iguassu-Wasserfällen, über die ich in einem separaten Bericht schreibe. => Hier lang zum Besuch auf der brasilianischen Seite.
Den Back Nine auf dem Iguassu Falls Golfclub wollten wir uns am nächsten Tag widmen. Wer direkt weiterlesen will, kann sich den Bericht HIER ansehen.
