Nach einer ruhigen Nacht im Sabai Pousada Botique Hotel ließen wir den Tag entspannt angehen. Für heute hatten wir die ca. 11 Kilometer lange Wanderung auf dem Trilha dos Cânions e Cariocas (Roter Trail) im Nationalpark Chapada dos Veadeiros geplant, die uns zum Cariocas-Wasserfall und dem Canyon II bringen sollte. Ausgangpunkt der Tour war wie gestern das Besucherzentrum, dass nur 5 Minuten Fahrt von unserer Unterkunft entfernt lag.
Wir frühstückten jedoch erstmal in Ruhe und genossen den herrlichen Tag bei Sonnenschein.
Es war heute etwas kühler als gestern und freuten uns daher auf die Wanderung.
Wir fuhren mit dem Auto wieder über die Buckelpiste zum Wanderparkplatz, für den 35 BRL fällig wurden. Die Straße mit einem Kleinwagen zu befahren, war an einigen Stellen grenzwertig aber zum Glück war der Abschnitt mit 600 Metern nicht lang. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann auch das Auto irgendwo entlang der Straße abstellen und zu Fuß über die Piste laufen.
Das Info-Video brauchten wir uns heute nicht ansehen, da Marcel im perfekten Portugiesisch (es geht einfach nichts über die Übersetzer-App) mitteilte, dass wir gestern schon hier gewesen waren.
Wir konnten daher direkt zum Parkeingang gehen, wo unsere Namen vermerkt wurden.
Der Wegverlauf des roten Trails war auf den ersten Metern identisch zum gelben Trail, dem wir gestern gefolgt waren.
Durch den schattigen Wald liefen wir für 600 Meter abwärts bis zu einer Weggabelung, an dem wir mit den Zeichen nach rechts wanderten.
Abwärts ging es durch die lichte Landschaft. Da der Weg am Ende auch wieder hier her führen würde, war klar, was uns dann erwarten würde. Alles was wir jetzt abwärts gingen, mussten wir später wieder bergauf laufen. Die gesamte Tour hatte allerdings weitaus weniger Höhenmeter (ca. 200 Höhenmeter) als die gestrige Wanderung.
Doch wir konzentrierten uns erstmal auf die herrliche Landschaft und das angenehme Wanderwetter.
Der schön angelegte, steinige Pfad führte uns immer tiefer.
Wir überquerten eine schaukelige Holzbrücke und genossen den wunderschönen Ausblick über den Nationalpark.
Über freiliegende Quarzit-Felsen und Steine folgten wir den roten Pfeilen, die die Richtung wiesen.
Die Cerrado-Savanne, die durch niedrige Bäume und Büsche geprägt war, spendete zwischendurch immer wieder etwas Schatten.
Über eine weitere Brücke passierten wir einen kleinen Fluss und liefen mit der Höhe weiter.
Die Landschaft veränderte sich und aus dem steinigen Pfad wurde ein sandiger Wanderweg, an dessen Rändern saftiges, grünes Gras wuchs.
Immer wieder konnten wir herrliche Ausblicke genießen.
An einem Abzweig folgten wir der roten Markierung nach links. Der Weg ist perfekt markiert und ein GPS nicht unbedingt nicht erforderlich.
Nach insgesamt 4,5 Kilometern erreichten wir einen Abzweig, an dem wir der Wandermarkierung auf einem Stein erneut nach links zu den Cariocas folgten.
Zunächst verlief der Weg mit der Höhe.
Nach wenigen Metern verengte sich der sandige Weg und wurde steiniger.
Wir passierten eine Engstelle aus zwei hohen Felsen und konnten unter uns bereits das Wasser rauschen hören.
Um hinab zum Wasserfall zu gelangen, mussten wir nun steil bergab über die Felsen kraxeln.
Ein paar Holzstufen halfen beim Abstieg.
Einige Male mussten allerdings auch die Hände zum Einsatz kommen, um den sehr steilen Weg hinab zum Fluss und dem Wasserfall zu meistern. Wer nicht trittsicher ist, sollte hier aufpassen.
Noch ein paar Meter durch ein kleines Wäldchen marschieren und wir waren am Naturpool am Cachoeira das Cariocas angekommen, der vom Rio Preto gespeist wurde. Mit uns war nur ein weiterer Mann vor Ort.
Wir machten zunächst ein paar Fotos und wollten dann natürlich das Wasser testen.
Noch schnell etwas eincremen und dann hinein ins kühle Nass, denn von der Wanderung waren wir ganz schön aufgeheizt.
Das glasklare Wasser bot eine angenehme Kühle. Bis auf ein paar Fische war nichts zu sehen.
Weit hinein ging ich trotzdem nicht. Mir reicht es bis zu den Knien ins Wasser zu gehen.
Marcel nahm allen Mut zusammen und tauchte einmal ab.
Er schwamm in Richtung Wasserfall und genoss die herrliche Atmosphäre, die wir mit fast keiner Menschenseele teilen mussten. Was für ein unglaublich schöner Ort.
Um uns aufzuwärmen, setzten wir uns etwas die Sonne mit Blick auf den Wasserfall .
Von oben kamen zwei weitere Leute hinab gewandert. Wir hingegen beschlossen, uns so langsam wieder auf den Weg zu machen.
Abtrocknen, Sachen einpacken und noch einmal eincremen. Dann konnte es über die steile Felspassage wieder zurück bis zum Abzweig gehen.
Wir kraxelten bergauf und warfen einen letzten Blick zurück. Unglaublich, das hier im Gegensatz zu gestern gar nichts los war.
Am Abzweig angekommen, wanderten wir geradeaus weiter zum Canyon II.
Der Weg durch die Savanne war offen und die Mittagssonne brannte erbarmungslos auf uns nieder.
Kleine Holzbrücken führten uns über ausgetrocknete Flussläufe.
Der Weg wurde steiniger und wir gelangten zu einer weiten Hochebene.
Wir hielten Ausschau nach den roten Markierungen und sprangen über die Steinplatten in Richtung Canyon.
Auch hier trafen wir auf keine Menschenseele und genossen den Blick in die Tiefe.
Erneut beschlossen wir eine kleine Rast am Flussufer einzulegen und suchten uns ein geeignetes Plätzchen direkt am Wasser.
Wir zogen die Schuhe aus und tauchten die Füße ins kühle Nass. Herrlich.
Ich wanderte ein wenig herum und hielt Ausschau nach Tieren.
Als ich im Wasser eine Schlange sah, rief ich Marcel zu mir und mit Neugier aber Abstand beobachteten wir die kleine Schlange. Keine Ahnung, ob die giftig war aber so weit ab von jeglicher Zivilisation wollten wir nichts riskieren.
Irgendwann verschwand die Schlange zwischen den Steinen und auch wir machten uns auf den weiteren Weg.
Über Steinplatten liefen wir über die Hochebene und suchten uns einen Weg durch das Felslabyrinth.
Abwärts gelangten wir zum Flussufer des Rio Preto, wo wir auf ein weiteres Wanderpärchen trafen.
Da die beiden gerade weiterzogen, nutzten wir die Gelegenheit für eine weitere kurze Rast. Weg Lust hat, kann auch hier wieder ins Wasser springen. Flach genug war es.
Wir ließen den Canyon II hinter uns und wanderten über den steinigen Pfad leicht abwärts bis zum Abzweig, der uns nach rechts auf den Hauptweg brachte, dem wir nun zurück in Richtung Besucherzentrum folgten.
Auf dem Rückweg fotografierte ich mal ein paar Blumen, die am Wegesrand standen.
Wir liefen zwar denselben Weg zurück aber aus der anderen Richtung, wodurch sich die Landschaft immer ein wenig unterscheidet und nicht langweilig wurde.
Bergauf marschierten wir bis zum Abzweig und die letzten 600 Meter zum Start der Wanderung am Nationalparkzentrum.
Rund 5 Stunden hatten wir mit ausgiebiger Rast für die Tour benötigt.
Wir gönnten uns wieder ein kühles Getränk und fuhren danach zur Unterkunft, wo wir den Nachmittag im kleinen Privatpool mit Entspannen verbrachten.
Am Nachmittag machten wir uns noch einmal auf den Weg zum Aussichtspunkt Mirante Jardim de Maytrea. Ich hoffte insgeheim auf ein paar Gelbbrustaras (Blue-and-yellow macaw, Ara ararauna). Im Überflug hatten wir schon einige gesehen aber nie das Tele dabei gehabt.
Wir fuhren daher entlang der Straße und hielten Ausschau nach Vögeln.
Kurz vor Erreichen der Stadt Alto Paraiso de Goias folgten wir einem kleinen Feldweg und sahen in der Ferne tatsächlich Gelbbrustaras. Aber für ein schönes Foto waren die Tiere viel zu weit weg und flogen auch schon wieder weiter als ich das Tele überhaupt erst in Anschlag hatte.
Wir sahen auf einem Feld ein paar Weißhalsibisse (Buff-necked ibis, Theristicus caudatus) und eine Camposspottdrossel (Chalk-browed mockingbird, Mimus saturninus), die sich direkt neben unserem Auto aufhielt.
Da von den Aras keine Spur mehr zu sehen war, kehrten wir um und fuhren zum Mirante Jardim de Maytrea, an dem sich mittlerweile zahlreiche Schaulustige eingefunden hatten und auf den Sonnenuntergang warteten.
Auch wir genossen die besondere Atmosphäre, wenngleich vom Sonnenuntergang nicht allzu viel zu sehen war bzw. nur wenn man auf die Straße oder die andere Seite ging.
Wir blickten daher lieber ins Tal und sahen erneut Gelbbrustaras, die sich im Tal an einer Palme aufhielten. Allerdings wieder viel zu weit weg und mittlerweile auch im Schatten, so dass ebenfalls kein gescheites Foto möglich war.
Immerhin konnte ich einen Gelbbrustara im Flug ablichten.
Nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war, fuhren wir mit Einbruch der Dunkelheit zurück zur Unterkunft.
Ein weiterer ereignisreicher und abwechslungsreicher Tag neigte sich dem Ende.
