Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht im Sabai Pousada Boutique Hotel, begaben wir uns um 08:00 Uhr zum Frühstück, dass uns mit unseren fehlenden Portugiesisch-Kenntnissen wieder einmal vor eine Herausforderung stellt. Es gab kein Buffet, sondern eine Grundauswahl an Speisen, die man individuell erweitern konnte. Marcel wählte daher ein Omelett, während ich bei der Standardauswahl blieb. Die brasilianischen Käsebällchen (Pão de Queijo) waren schon jetzt mein Favorit.
Nach dem Frühstück checkten wir aus und brachen gegen 9:30 Uhr auf zum Eingang des Nationalparks, der rund 5 Minuten von unserer Unterkunft entfernt lag.
Die letzten 650 m führten über eine bucklige Piste bis zu einem Parkplatz, an dem wir 35 BRL bezahlen mussten.
Wir begeben uns zum Eingang des Nationalparks und mussten vor der Bezahlung noch ein Dokument mit unseren Namen, Reisepassnummer und sonstigen Informationen ausfüllen. Das gab es zum Glück auch auf Englisch.
Danach konnten wir uns ins Besucherzentrum begeben und nach einem kurzen Video über die Wanderwege im Park und über das Verhalten konnte es losgehen. Die Wanderwege im Nationalpark Chapada dos Veadeiros können ohne Guide begangen werden. Für die Zwei-Tages-Tour durch den Park ist allerdings eine Anmeldung und Genehmigung erforderlich. Die Tagestouren kann man individuell begehen.
Unser Ziel war heute der gelbe Weg (Trilha Amarela Saltos, Carrossel e Corredeiras) zu den Wasserfällen. Der Wanderweg war 10 km lang und wartete mit rund 500 Höhenmetern auf uns.
Wir folgten der Wandermarkierung auf einem schön angelegten Pfad durch ein schattiges Wäldchen. Zu Beginn verliefen der gelbe und der rote Trail parallel.
Nach wenigen Metern wurde der Schatten weniger und wir passierten eine Straße.
Auf der gegenüberliegenden Seite wanderten wir geradeaus weiter durch die lichte Landschaft.
Der Weg führte uns leicht aufwärts und wurde steiniger, war aber weiterhin gut zu gehen.
Wir waren froh über den Schatten, denn es war mittlerweile ganz schön warm geworden.
Über natürlich angelegte Felsstufen wanderten wir abwärts. Die Passage waren mit einer Kette gesichert.
Nach etwa 600 Metern erreichten wir eine Gabelung, an der der Canyon Trail (roter Weg) nach rechts abging und unser gelber Weg zu den Wasserfällen geradeaus führte.
Leicht abwärts folgten wir dem Pfad durch die herrliche Landschaft.
Wir überquerten eine Piste und folgten dem quarzigen Weg geradeaus leicht bergauf weiter.
Im Auf und Ab gelangen wir zu einer lichten Stelle, von der wir einen herrlichen Blick über den Nationalpark hatten. Tiere waren jedoch keine zu sehen. Nicht mal Vögel.
Nach rund einem Kilometer teilte sich der Weg. Wir nahmen den linken Abzweig zu den Wasserfällen, die nach etwa 2,6 km erreicht werden sollten.
Der steinige Weg führte uns abwärts. Der Blick war atemberaubend.
Mit der Höhe wanderten wir durch die offene Landschaft.
Der Quarzuntergrund des Bodens war einem Gemisch aus Felsen und Sand gewichen. Viele bunte Blumen säumten den Wegesrand.
Neben uns des Weges ragten dunkle Felsen in die Höhe.
Wir gelangten immer tiefer und genossen die traumhafte Aussicht. Nur selten waren Gegenanstiege zu überwinden.
Wir überquerten eine Piste und folgten dem gelben Weg geradeaus in Richtung Wasserfälle.
Nur kurze Zeit später bogen wir erneut nach links ab und folgen dem Weg abwärts für 1,1 km zu dem Wasserfall. Eine überdachte Picknickhütte lud zum Verweilen ein, doch wir nahmen den rechten Weg abwärts zum Wasserfall.
Zunächst verlief der breite Schotterweg leicht abwärts.
Über Stufen aus Steinen stiegen wir kurze Zeit später steil bergab. Bei Feuchtigkeit ist hier Vorsicht geboten. Eine Metallkette sicherte jedoch den Abstieg.
Wir erreichten einen Aussichtspunkt, von dem wir einen traumhaften Weitblick über die atemberaubende Landschaft des Nationalparks genießen konnten.
Nach einem kurzen, steinigen Abstieg erreichten wir einen weiteren Aussichtspunkt.
Wir blickten auf den Fluss tief im Tal und die wilde Natur.
Nur ein paar Meter wartete der Aussichtspunkt auf den Wasserfall Cachoeira Salto 120 auf uns.
Ein Abstieg zu dem 120 Meter hohen Wasserfall ist nicht erlaubt aber am nahegelegenen Cachoeira do Garimpão (Salto 80) darf gebadet werden.
Wir genossen den traumhaften Ausblick für eine kurze Zeit und folgten dem markierten Wanderweg dann weiter.
Im leichten bergauf und bergab führte der Wanderweg weiter. Das Rauschen des Wassers begleitete uns auf den Weg durch den lichten Wald.
Wir gelangten abwärts zum Ufer des Rio Preto, suchten uns ein schattiges Plätzchen und legten eine Rast ein. Im Hintergrund rauschte der beeindruckende Wasserfall Salto 80.
Marcel fackelte nicht lange und sprang ins kühle Nass mit Blick auf den Wasserfall. Ein toller Platz zum Rasten.
Ich machte in der Zwischenzeit ein paar Fotos vom Wasserfall und ging mit den Füßen ins seichte Wasser.
Auch andere Touristen hatten den Platz entdeckt und genossen die Erfrischung im Wasser. Aber es war nicht überfüllt, sondern jeder fand sein Plätzchen.
Bevor wir uns auf den Rückweg machten, genossen wir gemeinsam den Ausblick auf den 80 Meter hohen Wasserfall.
Nach 45 min liefen wir über die Steine zurück zum Abzweig und nahmen den linken Pfad mit der Aufschrift „Saida“.
Zunächst leicht bergauf folgten wir dem Weg durch den Wald.
Schnell wurde es steiler und der schweißtreibende Aufstieg begann. Denselben Weg den wir vorhin abgestiegen waren, mussten wir jetzt wieder hinauf bis zum Abzweig.
Kurze Verschnaufpause und noch einmal die Aussicht genießen.
Wir waren froh als wir den steilen Anstieg hinter uns gelassen hatten und zu einem Abzweig gelangten.
Wir liefen nach links Richtung Carrossel Corredeiras.
Mit der Höhe wanderten wir weiter und freuten uns über jedes Lüftchen und über jede Wolke vor der Sonne, die uns ein wenig abkühlte.
Nach 1,5 km erreichen wir den Aussichtspunkt Mirante do Carrossel an dem wir ganz alleine waren.
Die Aussicht in die Schlucht und auf den breiten, langen Wasserfall war auch hier ein Traum.
Wir folgten dem Weg leicht aufwärts in Richtung Corredeiras.
Steil aufwärts stiegen wir über Felsen bis zu einer Holzbrücke von der wir einen anderen Blick auf den Wasserfall und die Schlucht hatten.
Die schwarzen Felsen boten einen wunderschönen Kontrast zu der uns umgebenden grünen Landschaft.
Bis zu den Corredeiras lagen noch 700 m vor uns und bis zum Ausgang 4,4 km.
Leicht auf und ab führte uns der Wanderweg zum letzten Aussichtspunkt.
An den Stromschnellen mit kleinem Wasserfall legten wir auch noch einmal eine kurze Abkühlungspause ein und begeben uns danach auf den 3,5 km langen Rückweg zum Besucherzentrum.
Ein 200 Meter langer Holzbohlenweg führte uns durch die Moorlandschaft bis zu einem Toilettenhäuschen.
Von hier folgten wir dem Weg nach links (Saida).
Auf dem gut ausgebauten, sandigen Pfad wanderten wir durch die verbrannte Landschaft, die sich langsam wieder erholte.
Die Sonne brannte erbarmungslos auf uns nieder, Schatten suchten wir vergebens aber ein leichtes Lüftchen kühlte ein wenig ab.
Zunächst nur leicht ansteigend aber ein paar Meter weiter jedoch steiler werdend, wanderten wir dem Ziel entgegen.
Die letzten 2 Kilometer wanderten wir auf bereits bekannten Pfaden und erreichten das Besucherzentrum gegen 14:30 Uhr, wo wir uns erstmal ein kühles Getränk gönnten. Eine herrliche Wanderung endete nach ca. 5 Stunden.
Für die nächsten zwei Nächte hatten wir ein Chalet in der Paradise Ranch Chapada dos Veadeiros in der Nähe von Alto Paraiso de Goias gebucht, die mitten im Nirgendwo umgeben von Natur lag.
Auf dem Weg zur Unterkunft statteten wir dem Mirante Jardim de Maytrea einen Besuch ab und blickten von einer Aussichtsplattform auf die weite Hochebene der Savannenlandschaft (Cerrado). Zum Sonnenuntergang ein beliebter Spot im Nationalpark.
Danach machten wir uns an die Fahrt zur Ranch, die ca. eine Stunde von Sao Jorge entfernt lag. Wir wollten dadurch die Rückreise von ca. 4 Stunden nach Brasilia in zwei Tagen verkürzen.
Den Eingang zur Ranch zu finden, stellte uns jedoch vor eine große Herausforderung, denn die Adressangabe war lediglich die Straße, an der die Einfahrt liegen sollte. Wir fanden auch eine Einfahrt, diese war allerdings abgeschlossen und mit einem Schloss gesichert. Außerdem sahen wir auch lediglich ein Schild für die Fazenda Rosmaninho aber nicht für die Paradise Ranch Chapada dos Veadeiros.
Da der Internetempfang bescheiden bis gar nicht vorhanden war, fuhren wir die Straße auf und ab und entdeckten eine weitere Einfahrt. Mit einem Kleinwagen war diese aber keine Option und auch verschlossen. Marcel stieg aus und suchte nach einer Gegensprechanlage aber es gab nur ein Touchpad für die Pineingabe zum Öffnen des Tors. Na das war ja jetzt nervig. An zwei möglichen Einfahrten standen wir vor verschlossenen Türen und wussten jetzt auch nicht so recht weiter.
Wir kontaktierten den Anbieter per WhatsApp, erhielten aber keine Rückmeldung und so langsam neigte sich der Tag dem Ende entgegen.
An einer Stelle, an der wir Internet hatten, googelte Marcel noch einmal nach der Adresse und das Navi schickte uns jetzt nun zu einer komplett anderen Straße.
Das Tor war offen und wir versuchten daher unser Glück. Zunächst war die Piste mit einem Kleinwagen noch gut zu fahren aber schon kurze Zeit später wurde die Piste schmaler und steiler. Steine säumten den Weg bergab und ich brachte ins Gespräch, dass wir keinen Jeep hatten und wir hier besser nicht runterfahren sollten. Zumal wir nicht wussten, ob wir auch richtig waren.
Marcel meinte aber, dass das kein Problem sei und ein wenig Abenteuer ja Spaß machte.
Also mir machte das alles so gar keinen Spaß, denn über dicke Steine schaukelte er den Wagen abwärts. Das hohe Gras in der Mitte sorgte auch nicht dafür, das wir gut vorankamen. Und wenn wir hier tatsächlich falsch waren, mussten wir alles bergauf fahren. Steil bergauf, mit einem Kleinwagen ohne 4×4. Aber Marcel war so im Tunnel, dass er die gesamte Strecke bis zum Ende fuhr. Die schmale Piste endete vor verschlossenen Toren, die alle Privatleuten gehörten. Kein Ranch, kein gar nichts.
Mittlerweile war ich ausgestiegen und wollte den Weg zu Fuß hochlaufen, da ich echt keine Lust auf das gleich folgende Theater hatte – Wenden in 20 Zügen und mit einem Kleinwagen eine völlig ungeeignete Piste hinauffahren. Ohne Grip ohne alles. Keine Ahnung, welche Synapsen da bei Marcel nicht funktioniert hatten, aber bevor wir uns stritten, nahm ich lieber die Defensivvariante.
Immerhin sah ich ein paar Aras.
Marcel sammelte mich nach dem Wendevorgang auf der Piste ein und nachdem sich die Gemüter beruhigt hatten, fuhr er sachte mit dem Auto über die großen Steine steil die Piste bergauf. Dass der Wagen das aushielt wundert mich bis heute. Kein Reifenschaden, der Auspuff war auch noch dran und bis auf ein loses Metallteil am Unterboden hatte wir es doch tatsächlich zurück auf die Hauptstraße geschafft. Ich weiß nicht, was da bei Marcel falsch gelaufen ist aber am Ende des Tages sah auch er ein, dass das nicht lustig und auch sicherlich kein Abenteuer gewesen war. Manchmal wundere ich mich nach so vielen Jahren des Zusammenlebens doch über solche Aussetzer.
Das Problem der heutigen Übernachtung hatten wir damit allerdings immer noch nicht gelöst, denn der Vermieter hatte sich leider nicht gemeldet und mittlerweile hatten wir 17:30 Uhr. Wir beschlossen daher, zu canceln und zum Sabai Pousada Boutique Hotel zurückzufahren und uns für die nächsten zwei Nächte dort einzuquartieren. Was für eine Enttäuschung. Zumal wir die Paradise Ranch nicht kostenfrei stornieren konnten.
Genervt und verschwitzt, denn eine Dusche hatten wir ja immer noch nicht gesehen, erreichten wir gegen 19:00 die Unterkunft in Sao Jorge.
Wir gönnten uns eine angenehme Regendusche mit Dampfbad und hatten in der Zwischenzeit auch eine Nachricht von der Paradise Ranch erhalten.
Ein Mitarbeiter entschuldigte sich vielmals bei uns und bot sogar an uns von überall aus abzuholen. Da wir aber jetzt schon eingecheckt hatten und auch keine Lust auf eine weitere einstündige Fahrt hatten, lehnten wir ab und baten um Rückerstattung unserer Vorauszahlung. Der Mitarbeiter konnte das nicht entscheiden und teilte uns mit, dass sich der Besitzer morgen bei uns melden wolle (was er auch tat, sich ebenfalls mit einer endlos langen Nachricht entschuldigte und uns erklärte, dass drei Prozesse einfach versagt hatten und er die volle Schuld auf sich nimmt und uns natürlich auch das Geld zurückerstattet. Wir bekamen außerdem angeboten, falls wir noch einmal in der Gegend sein sollten, kostenlos zwei Nächte auf der Ranch übernachten zu können. Ein wirklich feiner Zug und wir gingen somit noch im Guten auseinander. Tatsächlich würden wir genau aufgrund solch einer Erfahrung und Vorgehensweise der Ranch definitiv noch einmal eine Chance geben. Ende gut alles gut).
Abendessen gingen wir heute im Santo Cerrado Risoteria e Café, wo es wirklich ausgezeichnetes Risotto gab.
