Den letzten Tag in Rio de Janeiro und in Brasilien wollten wir vor der Heimreise am Nachmittag mit einem Besuch des charmanten Künstlerviertels Santa Teresa verbringen. Mit der historischen elektrischen Straßenbahn Bonde de Santa Teresa fuhren wir bis zur Station Largo das Neves und liefen durch die buntbemalten Gassen des Viertels zur Escadaria Selarón. Die weltberühmten, bunt gefliesten Treppen des chilenischen Künstlers Jorge Selarón verbinden Santa Teresa mit dem Stadtteil Lapa.
Um den Touristenmassen zuvorzukommen, standen wir auch heute wieder früh auf und ließen uns um 07:30 Uhr mit dem Uber zum Startpunkt der Straßenbahn fahren (Estação dos Bondes (auch Estação Carioca). Wir waren allerdings etwas früh dran, denn die erste Fahrt startete erst um 08:00 Uhr. Danach fuhren die Bahnen meist alle 15 bis 20 Minuten.
Wir kauften ein Hin- und Rückfahrticket und konnten damit an jeder Station ein- oder aussteigen. Die Fahrt kostete 20 BRL / Person.
Mit uns war nur eine Einheimische Dame vor Ort, die die Straßenbahn einfach als normales Fahrtmittel und nicht als Touristenattraktion nutzte. So konnten wir gleich mal sehen, wie das ablief.
Da nichts los war, hatten wir freie Platzwahl und setzten uns in die Mitte einer der Holzbänke. Fenster oder Türen gab es nicht. Der Ausstieg wurde allerdings mit einem mobilen Holzbrett gesichert, dass zum Ein- oder Ausstieg geöffnet wurde.
Neben dem Straßenbahnfahrer war noch ein Fahrkartenkontrolleur an Bord, der auch die Holzabsperrung an den Seiten zum Ein- und Ausstieg bediente.
Wenn man aussteigen möchte, zieht man an einer Schnur und das Personal entriegelte das Holzbrett.
Die Abfahrt startete pünktlich und die Straßenbahn überquerte die Arcos da Lapa (das historische Aquädukt). Der Blick über das Viertel Lapa und Santa Teresa war spektakulär. Tief unter uns rauschte der Verkehr von Rio.
Nach der Fahrt über Aquädukt schlängelte sich die Bahn die steilen, kopfsteingepflasterten Straßen des Künstlerviertels Santa Teresa hinauf. Es ruckelte und der Fahrer bimmelt regelmäßig, um Fußgänger und Autos aus dem Weg zu weisen.
Bergauf fuhren wir zum Platz Largo das Neves, an dem wir ausstiegen. Der ruhige, malerische Platz gilt als ein Stück des alten Rio, das seinen bohemiaden Charme bewahrt hat.
Vor Kopf lag die katholische Kirche Paróquia Nossa Senhora das Neves. Die Kirche war allerdings geschlossen, so dass uns ein Blick ins Innere verwehrt blieb.
Zu Fuß wollten wir Santa Teresa erkunden und der Straßenbahn entgegenlaufen. Die historische elektrische Straßenbahn fährt seit 1896 durch das Viertel und ist die älteste noch betriebene Straßenbahn Südamerikas.
Am Morgen war das Viertel noch sehr verschlafen und kaum Leute auf den Straßen unterwegs. Abends und an Wochenenden erwachen die kleinen Kioske und Eckkneipen (Botecos) rund um den Platz zum Leben, und die Einheimischen treffen sich auf ein kühles Bier.
Der Weg führte uns über die charakteristischen, schmalen Straßen Santa Teresas, in deren Mitte die Schienen der historischen gelben Straßenbahn eingelassen waren.
Links und rechts des Weges säumten bunte, oft leicht verwitterte Kolonialhäuser und Herrenhäuser aus dem 19. Jahrhundert die Straße. Viele davon waren über und über mit farbenfroher Street-Art und bunten Graffitis verziert, die dem Viertel seinen unverkennbaren, böhmischen Charakter verleihen.
Da uns nach rund 20 Minuten noch keine Straßenbahn entgegen gefahren kam, schlenderten wir weiter bergab zum belebten Platz Largo do Guimarães.
Fliesen-Mosaike an Hauswänden, Mauern und Hauseingängen mit der Straßenbahn prägten das Stadtviertel. Ein herrlicher Spaziergang.
Da wir die Tram am Platz Largo do Guimarães um ein paar Minuten verpasst hatten, beschlossen wir zur ausgeschilderten Escadaria Selarón, der weltberühmten Fliesentreppe im Rio de Janeiro, zu laufen.
Wir passierten weitere Malereien und blickten auf das tiefer liegende Rio de Janeiro.
Eine Tram kam uns entgegen und wir schossen ein paar Fotos. Es waren schon mehr Touristen unterwegs aber der Andrang hielt sich noch in Grenzen. Wir waren gespannt, wie voll es an der Treppe sein würde.
Mit Fernblick liefen wir abwärts und gelangten zum unscheinbaren Abzweig zur Escadaria Selarón.
Im oberen Bereich war noch nicht viel los und wir blickten gebannt auf das Kunstwerk.
Diese monumentale Freitreppe Escadaria Selarón liegt am unteren Rand von Santa Teresa und verbindet das Hügelviertel mit dem Ausgehviertel Lapa.
Der chilenische Künstler Jorge Selarón begann 1990 in mühsamer Eigenarbeit, die maroden Stufen vor seinem Haus mit blauen, grünen und gelben Fliesen – den Farben der brasilianischen Flagge – zu dekorieren. Er nannte es seine „Liebeserklärung an das brasilianische Volk“.
Nachdem er die 215 Stufen fertiggestellt hatte, begann er mit den Seitenwänden. Ab diesem Zeitpunkt wurde Rot seine dominierende Farbe – er nannte es eine „Obsession“.
Als das Projekt international bekannt wurde, begannen Reisende aus aller Welt, ihm Fliesen aus ihrer Heimat zu schicken. Heute besteht das sich ständig verändernde Mosaik aus über 2.000 Fliesen aus mehr als 60 Ländern.
Wir liefen die Treppe abwärts und schauten uns die vielen bunten Fliesen an. Was für ein einmaliges Kunstwerk.
Auch deutsche, österreichische oder niederländische Fliesen entdeckten wir.
Irgendwie lustig, wenn man tausende Kilometer von zu Hause entfernt auf einmal den Kölner Dom sieht.
Immer mehr Touristen fanden sich an der Treppe ein und wir liefen zum Ende und blickten noch einmal zurück.
Was für ein Glück, dass wir schon so früh hier gewesen waren. Im Verlauf des Tages würde es noch deutlich voller werden und von der Treppe selbst nicht mehr allzu viel zu sehen zu sein. Unsere Empfehlung daher: So früh wie möglich die Sehenswürdigkeit aufsuchen.
An zahlreichen Souvenirständen vorbei, schoben wir uns in Richtung Hauptstraße, von wo wir ein Taxi ins Hotel nahmen.
Bis zum Check-Out hatten wir noch zwei Stunden Zeit, die wir mit einer erfrischenden Dusche und dem Packen unserer Sachen verbrachten.
Ein letzter Blick aus dem Fenster und um 13 Uhr verließen wir Rio de Janeiro.
Mit dem Uber ließen wir uns zum Flughafen fahren. Die Straßen waren zum Glück noch nicht überfüllt und wir erreichten den internationalen Flughafen Rio de Janeiro-Antônio Carlos Jobim (GIG) nach einer halben Stunde Fahrt.
Wir gaben das Gepäck auf und setzten uns bis zum Abflug um 16:15 Uhr in die Lounge. Bevor es an Bord ging, aßen wir noch einen Happen und konnten uns um 15:30 Uhr an Bord des Dreamliners der Lufthansa begeben.
Beim Check-In hatten wir gefragt, ob die Plätze in der ersten Reihe der Business Class noch frei waren. Die Suite selbst war leider nicht mehr frei bzw. nur ein Platz aber wir wollten im Flugzeug mal gucken, ob der andere Passagier in der Suite bereit war, seinen Platz zu tauschen. Bis dahin hatte Marcel den Mittelplatz und ich einen am Fenster. Wobei ich auch gegen einen Fensterplatz nichts gehabt hätte. Aber klar, zusammen sitzen ist dann doch schöner.
Marcel fragte die Flugbegleiterin, ob es möglich wäre, den Platz zu tauschen und wir hatten Glück. Der Mann willigte ein und wir wünschten einen guten Flug.
Wie auf dem Hinflug genossen wir die großzügigen Einzelsitze mit hohen Wänden und Schiebetür (auf unserem Flug nicht nutzbar) in der Allegris Business Suite.
Wir bekamen einen Willkommensgetränk und machten es uns gemütlich.
Eine persönliche Begrüßungskarte mit spezieller Auswahl an Getränken nur für Suitegäste lag am Platz für uns bereit. Die erste und die letzte Reihe sind übrigens die einzigen Plätze, bei denen man direkt nebeneinander sitzen kann. Ansonsten wurde die Allegris Business Class versetzt gebaut.
Wir starteten pünktlich und erneut lag ein rund 11-stündiger Flug vor uns.
Aus der Menükarte wählten wir das Abendessen und das Frühstück aus und ließen den Urlaub Revue passieren. Was hatte uns am besten gefallen? Die Auswahl war schwierig, da wir in den vergangenen 4 Wochen so viel gesehen hatten. Die beeindruckenden Wasserfälle Foz do Iguazu, den Amazonas, wunderschöne Nationalparks und das atemberaubende Pantanal. Nach Paraty würden wir vermutlich nicht noch einmal fahren.
Nach zwei Stunden wurde das Abendessen serviert. Sehr lecker.
Danach machten wir es uns gemütlich und versuchten ein wenig zu schlafen. Allerdings ruckelte es fast die gesamte Zeit mal mehr und mal weniger stark. An einen ruhigen Schlaf war daher für mich nicht zu denken.
Entsprechend gerädert war ich am nächsten Morgen. 1,5 Stunden vor der Landung gab es das ausgezeichnete Frühstück.
Pünktlich landeten wir um 08:35 Uhr in Frankfurt. Da wir mit dem Zug nach Hause fuhren, mussten wir uns zur Gepäckausgabe direkt ins Air-Rail Terminal am Fernbahnhof begeben. Das Terminal wurde zum 26. Oktober 2026 von der Lufthansa abgeschafft. Die Ausgabe des Gepäcks für Zugreisende befindet sich nun an der regulären Gepäckausgabe. Das heißt, man darf jetzt leider mit seinem Gepäck durch den halben Flughafen bis zum Fernbahnhof laufen. Schade, dass man den komfortablen Service nicht mehr nutzen kann.
Der ICE war zur Abwechslung fast pünktlich und nur mit etwas Verspätung erreichten wir Düsseldorf, von wo aus wir mit dem Regionalzug nach Hause fuhren. So schnell waren 4 Wochen schon wieder um.
