Unsere Reise durch Vietnam führte uns heute weiter in Richtung Süden des Landes. Von Ninh Binh ging es in rund 8 Stunden mit dem Regionalzug der Vietnam Railways nach Dong Hoi. Die Tickets hatten wir vorab im Internet gekauft, damit wir auf der sicheren Seite waren, denn die Züge können durchaus auch mal ausgebucht sein.
Starten sollte unsere Reise um 08:17 Uhr mit dem SE7. Da die Fahrt tagsüber stattfand, hatten wir uns lediglich für Soft Seats entschieden und nicht für die Liegevariante. Würden wir für so eine lange Strecke nicht noch einmal in Erwägung ziehen.
Das Taxi zum Bahnhof nach Ninh Binh hatten wir bereits gestern Abend in unserer Unterkunft – dem Trang An Garden Resort – für 07:30 Uhr bestellt. Eine halbe Stunde vorher am Bahnhof sollte wohl ausreichend sein (Es hätten auch 10 Minuten vor Abfahrt der Zuges gereicht).
Wir bekamen nach dem Checkout noch eine Frühstückstüte von unserer Unterkunft. Das ist hier in Vietnam wirklich sehr aufmerksam. Generell hatte es uns in der Anlage sehr gut gefallen. Alle waren sehr freundlich und hilfsbereit gewesen.
Das Taxi kam bereits um 07:20 Uhr an, so dass wir uns verabschiedeten und unsere lange Reise antraten.
Wir erreichten den Bahnhof von Ninh Binh um 07:40 Uhr und begaben uns in die Wartehalle.
Ein paar Reisende hatten sich bereits eingefunden, von denen der Großteil Vietnamesen waren. Der Zug ist eine sehr günstige Variante, um Vietnam zu erkunden. Für die 8-stündige Zugfahrt von Ninh Binh nach Dong Hoi bezahlten wir umgerechnet ca. 30 Euro für uns zusammen.
Geduldig warteten wir auf die Ankunft des Zuges. Auf das Gleis selbst darf man übrigens noch nicht gehen. Dies ist mit einem Metallgitter gesichert und wird erst durch die Mitarbeiter der Eisenbahngesellschaft ca. 10 Minuten vor Ankunft des Zuges freigegeben.
Leider schien unser Zug laut Durchsage unbestimmt verspätet zu sein, so dass wir hofften, Ninh Binh heute überhaupt mit dem Zug verlassen zu können. Der nächste fuhr nämlich erst am Abend und auf eine Nachtfahrt hatten wir eigentlich wenig Lust.
Wir warteten daher mit den anderen Reisenden und nach etwa 40 Minuten tat sich was. Die Mitarbeiter der Zuggesellschaft begaben sich zum Metalltor und schlossen dies für die Bahnfahrer auf.
Der Zug nach Dong Hoi fuhr von Gleis 1 ab, so dass wir uns nur geradeaus zum Bahnsteig begeben zu brauchten.
In welchem Abteil und auf welchem Sitz man sitzt, steht auf dem Ticket, so dass wir uns direkt nach rechts zum Gleis begaben, wo die Abteile 1, 2 und 3 ausgeschildert waren. Wir saßen heute wieder im ersten Abteil – also ganz vorne.
Bis der Zug einfuhr vergingen noch einmal gut 10-15 Minuten aber dann konnten wir endlich einsteigen.
Wir ließen erstmal die Vietnamesen vor und begaben uns dann in den Waggon. Das richtige Abteil zu finden ist übrigens nicht schwer, denn bei Einfahrt des Zuges hielten die Bahnmitarbeiter im Zug die entsprechende Abteilnummer aus dem Fenster.
Eigentlich hatte ich extra Sitze in Fahrtrichtung reserviert aber leider gibt es in Vietnam anscheinend auch die umgekehrte Wagenreihung, denn die Sitzplätze waren jetzt gegen die Fahrtrichtung. 8 Stunden Rückwärtsfahren konnte ja interessant werden.
Ausgebucht war der Zug nicht, so dass sich die Leute zwischendurch immer wieder umsetzten, um mehr Platz zu haben, denn die Soft Seats haben den undankbaren Nachteil, dass wenn der Vordermann den Sitz komplett zurückklappt, man kaum noch Platz hat bzw. sich nicht sehr viel bewegen kann.
Noch hatten wir Glück und unser Vordermann verzichtete auf da Zurücklehnen des Sitzes.
Die Landschaft lag auch heute wieder in dichtem Nebel und Ausblicke konnten wir kaum genießen. Auch war die Sicht selbst nicht allzu abwechslungsreich. Reisfelder, Bananenstauden und Städte wechselten sich ab.
Nach rund einer Stunde hielt der Zug an einem großen Bahnhof, wo viele Leute ein- und ausstiegen.
Die Frau, die nun vor uns saß, machte direkt kurzen Prozess, klappte den Sitz runter und zog das Rollo am Fenster. Da ich aber gerne rausgucken wollte, schob ich das Rollo wieder halb hoch. Immerhin lieferte sie sich kein Duell, sondern akzeptierte meinen stillen Einwand.
Die immer gleiche Landschaftskulisse zog an uns vorüber und wir bereuten jetzt schon, keinen Liegewagen gebucht zu haben. Hätte ich gewusst, dass uns so wenig Abwechslung erwartete, hätte ich auch schlafen können.
Immer wieder kamen die Mitarbeiter der Bahn mit den unterschiedlichsten Speisen und Getränken vorbei. Zur Mittagszeit sogar mit Reis, Hähnchenkeulen und anderen warmen Speisen. Dank Klima war die Luft aber erträglich und das Gebläse haute uns heute auch nicht wieder aus den Socken.
Wir dösten, lasen und ließen die Zeit Stunde um Stunde verstreichen. Etwas anstrengend fand ich persönlich, dass die Vietnamesen häufig keine Kopfhörer tragen und Musik, Videos und Co. am Handy auf voller Lautstärke hören. Zum Glück hatte ich meine Kopfhörer dabei und konnte den Lärm ausblenden.
Nervig war auch, dass die Dame vor mir überhaupt keine Anstalten machte, den Sitz mal für eine Zeit hochzuklappen. Etwa zum Essen oder Telefonieren, sondern sie einfach ständig in der Liegeposition blieb und mir damit wenig Platz für meine Beine gab. Bei jeder Bewegung berührte ich wohl oder übel den Vordersitz. Tja, Pech für sie.
Das Ticket wurde übrigens nur zu Beginn der Reise an dem Metalltor kontrolliert. Während der gesamten Fahrt wurden wir nicht kontrolliert. Also wir hätten auch einfach irgendwo aussteigen können.
Der Zug schlängelte sich kurz vor Dong Hoi durch die Karstberge und die Landschaft wurde endlich mal etwas schöner. Auf rund 8 Stunden Fahrt so wenig zu erleben war doch ein wenig schade. Da hätten wir auch fliegen können.
Mit einer Stunde Verspätung erreichten wir um 17:15 Uhr den Bahnhof von Dong Hoi. Beim Ausstieg war Vorsicht geboten, denn die letzte Stufe war so hoch, dass Marcel abrutschte und fast hinfiel. Mit Gepäck versteht sich. Glück im Unglück gehabt.
Wir hielten Ausschau nach unserem privaten Fahrer, den wir ebenfalls vorab von der Unterkunft „Victory Road Villas“ in Phong Nha organisieren lassen hatten. Hätten wir selbst einen Fahrer übers Internet gebucht, wäre dieser auch nicht günstiger gewesen. So waren wir immerhin auf der sicheren Seite, dass er auch auf uns wartete.
Mittlerweile war es bereits dunkel und in gut 40 Minuten brachte uns der Fahrer nach Phong Nha. Die breite Straße war kaum befahren und nur aus Dong Hoi herrschte etwas Verkehr.
In der Unterkunft wurden wir bereits erwartet, bekamen ein Erfrischungsgetränk und ein feuchtes Tuch gereicht.
Mit der überaus freundlichen Dame von der Rezeption unterhielten wir uns ein wenig. Sie sagte uns auch, dass die Unterkunft zwar selbst keine Roller vermietet aber der Verleiher diese zur Unterkunft bringt, sollten wir fahren wollen.
Wir wurden nach dem Check-In, der in Vietnam meist sehr einfach gehalten ist und aus dem Fotografieren des Reisepasses besteht, zu unserer wundervollen Unterkunft gebracht.
Auf zwei Etagen bot sich uns ein Wohnzimmer mit ausreichend Sitzmöglichkeiten, eine große Küche, sowie eine Terrasse mit Outdoor-Dusche, sowie im Obergeschoss das Schlafzimmer, Badezimmer und ein Balkon mit Hollywood-Schaukel und Blick auf die Berge.
Von dem langen Tag waren wir wirklich erledigt aber mussten natürlich noch einen Happen essen. Wir blieben allerdings im Hotel und bekamen nach Auswahl aus der Menükarte ein sehr leckeres Abendessen serviert. Die Nudeln sind sehr zu empfehlen.
Mittlerweile war es kurz vor Acht und nachdem wir uns noch ein Dessert und einen Cocktail gegönnt hatten, begaben wir uns auf unser Zimmer.
Wir ließen den Abend gemütlich auf der Couch ausklingen und gingen zeitnah schlafen.
