Eine Bootstour in die Halong Bucht gehört mit Sicherheit zu einem der Highlights bei einem Besuch in Vietnam. Auch wir wollten natürlich der beeindruckenden Bucht mit dem smaragdgrünen Wasser und den unzähligen hoch aufragenden, von Regenwald bedeckten Kalksteinfelsen einen Besuch abstatten. Vorab hatten wir uns daher informiert, welche Bootsfahrten am empfehlenswerten sind. Es gab eine Vielzahl an Angeboten, aber für mich war es besonders wichtig, die Insel Ti Top Insel am Nachmittag zu besuchen. Die Aussicht auf einen Sonnenuntergang mit Blick auf die Halong Bucht ließ mein Fotografenherz höher schlagen. Wir entschieden uns daher gegen ein Tagestrip durch die Bucht und buchten stattdessen eine Zwei-Tages-Schiffsreise mit der Amanda Legend Cruise.
Das traditionelle Holzboot hatte nur fünf Kabinen aber keine privaten Balkone. Trotzdem war die Aussicht für uns, mit nur wenigen Leuten auf einem Boot zu sein, verlockend weshalb wir uns dafür entschieden die Cruise zu buchen. Wir kontaktierten daher den Reiseanbieter Ha Thanh TravelMate und bekamen bereits am nächsten Tag eine Rückmeldung. Leider war die Amanda Legend Cruise bereits ausgebucht aber uns wurde die alternative Fahrt mit der Amanda Premier Cruise angeboten. In dieser sollten sich 26 luxuriöse Kabinen befinden; jede mit einem eigenen Balkon und zu öffnenden Fenster – das nämlich mir besonders wichtig war. Während unserer Donaukreuzfahrt vor ein paar Jahren hatte mir das offene Fenster nicht nur wegen der frischen Luft gefehlt, sondern auch wegen dem Gefühl „gefangen“ zu sein.
Für rund 150 € die Nacht für zwei Personen fackelten wir daher nicht lange. Wir gönnten uns die Senior Suite auf der dritten Etage und hoffen jetzt nur noch auf tolles Wetter, denn in der Halong-Bucht kann es Ende November bereits sehr kühl sein und das Wetter am Morgen durch Nebel dominiert werden. Nicht unbedingt das, was wir wollten.
Ebenfalls buchten wir den Transfer Service hinzu, der uns von Hanoi nach Halong und wieder zurück nach Hanoi bringen sollte. Wir entschieden uns gegen einen privaten Transfer und schlossen uns einem gemeinsamen Bustransfer an. Nicht die beste Wahl, wie wir feststellen sollten.
Wir checkten früh aus und gingen vor der Abreise noch frühstücken. Unser Gepäck konnten wir im Hotel lassen, so dass wir nur eine kleine Tasche für die nächsten zwei Tage packten.
Eigentlich sollte uns der gebuchte Shuttle zwischen 7:50 Uhr und 8:10 Uhr am L´Signature Hotel & Spa in der Altstadt von Vietnam abholen, doch der Transfer verspätete sich um rund 15 Minuten, weshalb die freundliche Dame der Rezeption für uns mal bei dem Reiseveranstalter anrief und nachfragte, ob denn alles in Ordnung sei und der Fahrer auch noch kommen würde.
Sie bekam die Rückmeldung dass der Fahrer in ungefähr 15 Minuten eintreffen würde, und sagte ebenfalls, dass Abholungen bis 8:30 Uhr noch zeitunkritisch wären. Unser Hotel lag allerdings in einer sehr kleinen Seitenstraße und der Shuttle konnte nicht direkt vor das Hotel fahren, sondern hielt auf der Hauptstraße rund 200 Meter entfernt.
Ein Mitarbeiter des Hotels trug unsere Tasche zum Minibus und wir verabschiedeten uns.
Gegen 8:30 Uhr ging es los und 2,5 Stunden Autofahrt lagen bis Halong vor uns. Der Verkehr um die morgendliche Uhrzeit war katastrophal. Berufsverkehr, Stau und Mopeds ohne Ende. Wir waren froh, als wir das Gewusel hinter uns ließen und auf die Autobahn fuhren.
Auf der Mautstraße war nicht mehr so viel los und unser Kleinbus kam gut voran. Nach ungefähr einer Stunde legten wir eine kurze Rast von ungefähr 20-25 Minuten an einem großen Kiosk ein. Hier hielten anscheinend alle Reiseveranstalter, denn wie Ameisen schwärmten die Touristen durch das kleine Shoppingcenter. Es gab Getränke, Süßigkeiten und Souvenirs zu kaufen. Wer auf Toilette wollte, musste allerdings Wartezeit mit einplanen. Der Besitzer der Verkaufsbude ist wohl Millionär geworden.
Nach der Rast ging es dann endlich weiter zum Hafen in Halong, den wir gegen 11:00 Uhr erreichten. Die Dame von Amanda Cruise empfing uns, hakte unsere Namen ab und teilte uns mit, dass wir noch rund eine Stunde auf das Einsteigen warten mussten. Erst gegen 12:00 Uhr beziehungsweise 12:15 Uhr konnten wohl alle Gäste das Schiff betreten.
Zum Glück war es nicht sehr heiß und wir setzten uns nach draußen auf eine Bank im Schatten. Aber wie das dann so ist mit der Warterei – gefühlt ging die Zeit überhaupt nicht um.
Marcel stattete den zahlreichen Souvenirshops am Hafen einen Besuch ab, die alle dasselbe Sortiment führten. Süßigkeiten, gefälschte Markenklamotten, Taschen etc. Für uns – außer einer Tüte Chips – nichts dabei was auch nur annähernd den Weg in den Rucksack gefunden hätte.
Dann endlich wurden wir alle zusammen gerufen und konnten tatsächlich um 12:15 Uhr das Schiff betreten. Eine kleine Showeinlage mit Trommeln und einem verkleideten Drachen erwarteten die Besucher. Wer Fotos machen wollte, konnte sich hier ablichten lassen.
Wir verzichten darauf, betraten das Boot und konnten nun in den Speisesaal an einem Tisch Platz nehmen. Das Boot war komplett ausgebucht und als alle Gäste saßen, kam einer der Mitarbeiter des Schiffs, stellte sich vor und erklärte uns den Ablauf der Bootstour.
Wie auf einem Kreuzfahrtschiff gab es einen Plan für die nächsten Tage. Leider sah dieser anders aus als uns vorab vom Veranstalter mitgeteilt wurde, denn anstatt am heutigen Nachmittag sollte es erst am nächsten Morgen zur Ti Top Insel gehen. Eigentlich genau den Ablauf den ich nicht wollte. Im Winter kann es morgens in der Halongbucht nebelig sein und die Sicht auf die Karstfelsen beschränkt. Das wäre der Supergau für mich gewesen, denn für den anderen Ablauf hatten wir die Tour gebucht.
Wir fügten uns unserem Schicksal und hofften einfach auf gutes Wetter. Nachdem die Vorstellungsrunde abgeschlossen war, wurde das Mittagsbuffet eröffnet und wir konnten einen Happen essen.
Das Boot legte um 12:45 Uhr ab und mit herrlichen Blick schipperten wir hinaus in die Halongbucht.
Während des Essens konnten wir auf die dicht bewachsenen Karstfelsen blicken und ich konnte es kaum erwarten, an Deck zu gehen.
Wir aßen auf und bekamen unseren Zimmerschlüssel ausgehändigt. Getränke waren bis auf Wasser zum Nachfüllen übrigens nicht inkludiert und mussten extra bezahlt werden.
Wir verließen den Essensaal und begaben uns hinauf zu unserem Zimmer auf der 3. Etage. Das Gepäck war bereits da und wir genossen den Blick vom Bett aus auf die Felsenlandschaft. Traumhaft.
Das Zimmer selbst war allerdings schon sehr in die Jahre gekommen und die Toilettenspülung brauchte mehrere Anläufe. Für eine Nacht OK aber beim nächsten Mal würden wir uns vermutlich für eine anderen Anbieter entscheiden.
Generell sah man dem Schiff das Alter an. Alles war abgenutzt. Wir gingen an Deck und genossen die fantastische Aussicht.
Um uns herum waren unzählige Boote unterwegs und der Begriff des „Massentourismus“ hatte hier vermutlich seine Wiege gefunden. Wahnsinn, was hier los war. Wir waren gespannt, wie voll es an den unterschiedlichen Spots sein würde.
Bevor wir zu unseren heutigen Ausflügen aufbrachen, kehrten wir zurück aufs Zimmer und blickten vom Balkon auf die kleine Karstinseln, die an uns vorbeizogen.
Für die Landgänge wurden wir vorab in zwei Gruppen aufgeteilt, da das Tenderboot keinen Platz für alle Leute auf dem Schiff bot. Wir waren in Gruppe zwei und die Abfahrt des Tenderbootes zwischen 14:45 Uhr und 15:00 Uhr angesetzt.
Gegen 14:30 Uhr gingen wir in die Lobby und warteten auf die Abfahrt des Tenderbootes. Da sich die erste Gruppe schon verspätete, war klar, dass auch wir nicht pünktlich zur Sung Sot Höhle fahren würden.
Wir warteten daher auf die Ankunft des Bootes und legten gegen 15:10 Uhr ab. 15-20 Minuten später erreichten wir die Bucht, in der sich die Sung Sot Höhle befand. Sie zählt zu den größten und beliebtesten Kalksteinhöhlen in der Halong Bucht. Rund 1.000 Besucher können sich hier gleichzeitig aufhalten und genauso voll kam es uns hier vor.
Die Einfahrt in die Bucht war traumhaft, denn man blickte direkt auf die beeindruckenden Karstformationen.
Gemeinsam mit unserem Guide verließen wir nach dem Anlegen das Boot und erstarrten beim Blick auf die Menschenmassen, die die Stufen hinauf zur Höhle pilgerten. Das war mal Massentourismus wie er im Buche steht.
Auch nach uns kamen noch zahlreiche Boote, die die Touristen an Land spuckten. Für den Besuch der Höhle hatten wir etwa eine Stunde Zeit. Mehr als die meisten anderen Gruppen, die im Eiltempo durch die Höhle gejagt wurden. Unser Guide erzählte uns etwas über die Entstehung der Höhle und händigte uns die Eintrittstickets aus.
Gemeinsam in der Gruppe begaben wir uns zum Eingang und stiegen über angelegte Stufen zum Eingang der Höhle in etwa 25 Metern hinauf.
Von einem Aussichtspunkt genossen wir einen fantastischen Blick auf die Bucht und blendeten die anderen Touristen für einen Moment aus.
Vom Aussichtspunkt stiegen wir hinab in die beleuchtete Höhle.
Atemberaubende Stalagmiten und ein faszinierender Einblick in die Kunst der Natur bot sich uns.
Entlang eines gepflasterten Weges liefen wir mit zahlreichen weiteren Touristen durch die Höhle, die sich über 10.000 Quadratmeter erstreckt.
Die Sung-Sot-Höhle wurde erstmals 1901 von französischen Forschern entdeckt und besteht aus zwei Hauptbereichen. Der erste Raum beeindruckte mit massiven Stalaktiten, die wie Kronleuchter von der 30 Meter hohen Decke hingen.
Ein schmaler Gang führte uns in die zweite Kammer, in der sich ein großer Süßwassersee befindet, der niemals austrocknet.
Trotz der vielen Menschen waren wir von den Stalaktiten, Stalagmiten und einzigartigen Felsformationen fasziniert und wussten gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollten. Ein wirklich beeindruckendes Erlebnis.
Die Sung-Sot-Höhle, auch als „Opernhaus der Halong-Bucht“ bekannt, wurde einst zu einer der zehn schönsten Höhlen der Welt gewählt. Anders als viele andere Höhlen besitzt sie eine glatte, wie eine Theaterkuppel gewölbte Decke, an der kein Wasser herabtropft. Diese einzigartige Struktur verhindert Echos und sorgt für eine klare, direkte Akustik, was ihre wissenschaftliche und geologische Bedeutung zusätzlich unterstreicht.
Der Weg wand sich durch die Höhle und führte an den Tropfsteinen vorbei, die vermutlich zehntausende bis hunderttausende Jahre alt sind. Genaue Angaben hierzu gab es leider nicht.
Je näher wir dem Ausgang kamen, umso besser verteilten sich die Touristen. In der ersten Kammer hatten wir noch alle eng an eng gestanden. Nach der Fotostation, an der sich jeder ablichten lassen und das Foto später kaufen kann, wurde es angenehmer und wir konnten auch mal ein paar Sekunden die Ruhe genießen.
Nach etwa 45 Minuten stiegen wir hinauf zum Ausgang und genossen noch einmal den Ausblick auf die Bucht.
Zahlreiche Steinstufen führten uns hinab zum Steg, an dem die einzelnen Boote warteten.
Wir ließen uns Zeit und blickten zurück auf die wunderschöne Natur und dem kleinen Sandstrand.
Unser Tenderboot traf mit erneuter Verspätung ein und brachte uns zur zweiten Höhle – die Luon-Höhle. Mittlerweile zeigte die Uhr bereits 16:45 Uhr an. In etwa einer Stunde wurde es schon dunkel.
Rund 10 Minuten dauerte die Fahrt bis zur Luon-Höhle, wo kaum noch Besucher anwesend waren.
Die Luon-Höhle ist keine klassische Tropfsteinhöhle, sondern ein niedriger Felstunnel, der durch einen Kalksteinfelsen und zu einer ruhigen, kreisförmigen Lagune im Inneren führt, die von steilen Karstwänden und Dschungel umgeben ist.
Um dorthin zu kommen, gab es zwei Möglichkeiten: Selbst mit einem Kajak paddeln oder sich von Einheimischen mit einem Bambusboot hinfahren lassen. Wir entschieden uns – wie die meisten aus unserer Gruppe – für Variante zwei. Selbst paddeln hatten wir keine Lust mehr.
Nachdem alle aufs Boot gestiegen waren, ging die Fahrt los. Wir fuhren durch den Tunnel hinein in die Lagune.
Die Ruhe war traumhaft, denn außer dem Paddeln und den Wellen war nichts zu hören. Auch ein paar Kajakfahrer waren noch unterwegs und genossen die Umgebung.
Nach etwa 30 Minuten fuhren wir zurück zum Bootsanleger und warteten mal wieder auf das Tenderboot.
Die Sonne ging bereits unter und mein Plan von Deck des Bootes mit einem Sundowner den Sonnenuntergang zu genießen ging leider nicht auf.
Dafür war der Blick während der Überfahrt auf die vom letzten Sonnenlicht angestrahlten Karstfelsen richtig romantisch.
Mit dem letzten Licht waren wir zurück auf der Amanda Premier und begaben uns bis zum Abendessen um 19:30 Uhr auf unser Zimmer.
Wer Lust hatte, konnte nun auf dem Sonnendeck mit Cocktails entspannen, einer folkloristischen Tanzvorführung mit Holz- oder Bambusstäben frönen oder Frühlingsrollen unter Anleitung mit einem Koch selbst zubereiten. Wir verzichteten und genossen lieber die Aussicht auf die zahlreichen Touristenboote, die vor der Ti Top Insel ankerten.
Wie hellhörig es auf dem Boot war, konnten wir nun direkt vernehmen, denn über uns befand sich das Sonnendeck, auf dem getanzt und herum gelaufen wurde. Wir hofften, dass nach dem Abendessen nicht allzu viele Leute an der Bar vom dem Karaokeabend Gebrauch machen würden. Man hörte wirklich alles. Da hätten wir lieber doch ein Zimmer auf der unteren Etage buchen sollen.
Um 19:30 Uhr war es Zeit fürs Abendessen. Die Crew hatte das Sonnendeck in Stimmung gebracht und die Tische wirklich schön hergerichtet.
Wir setzten uns an einen der letzten Zweiertische. Es war recht frisch draußen und ich hoffte, dass ich nicht zu stark frieren würde. Eine Jacke wäre heute Abend wirklich angebracht gewesen.
Es gab ein Vier-Gang-Menü mit Suppe, Zwischengang, Hauptgericht und Nachspeise. Eine Auswahl konnte man nicht treffen aber falls man Allergien hatte oder etwas nicht mochte, konnte man dies gegenüber den Kellnern erwähnen und der Koch zauberte dann extra etwas anderes für die Gäste. So erging es mir beim Zwischengang. Ich bin kein Sea-Food-Fan und ließ daher den Gang aus. Der Kellner brachte mir stattdessen frittierte Hähnchennuggets, die ausgezeichnet schmeckten. Schade war nur, dass der Hauptgang beim Servieren bereits kalt war.
Interessant war es auch, die anderen Leute um uns herum zu beobachten. Ein Tisch mit Indern bekam ganz anderes Essen serviert und ein Mann in der Gruppe hatte ständig irgendetwas zu bemängeln oder wusste alles besser.
Auch das Pärchen neben uns war echt speziell. Zumindest die Frau, die zwar alles probierte aber an allem rumnörgelte und das Essen zurückgehen ließ. Auch die zubereitete Alternative fand nie ihren Geschmack. Manche Leute verhalten sich wirklich merkwürdig.
Zum Ausklang des Abends kündigte ein Crewmitglied eine Modenshow an, die daraus bestand, dass sich ein paar der Kellner verkleideten und dies als traditionelle Kleidung präsentierten. Die vier spazierten drei Mal auf und ab, während der Kommentator erklärte, was und wofür die Kostüme waren. Das war total amüsant. Auch für die Crew, die sich selbst nicht so richtig ernst nahm. Wer wollte, konnte abschließend noch ein Foto mit sich und der Crew schießen.
Uns hingegen war kalt und wir gingen nach dem Ende der Show auf unser Zimmer, wo wir den Rest des Abends ausklingen ließen.
Wir lasen noch ein wenig und waren erfreut, dass anscheinend niemand auf unserem Boot Lust auf einen Barabend mit Karaoke hatte. Um 21:30 Uhr wurde die Musik abgeschaltet und es herrschte tatsächlich schon Ruhe. Auch die meisten Leute waren bereits auf ihren Zimmern und wir konnten in Ruhe schlafen. Perfekt.
