Kraniche in der Diepholzer Moorniederung

Es gibt Dinge, die muss man einfach mal im Leben gesehen haben. Für mich gehört dazu der Herbstzug der Kraniche in ihre Überwinterungsgebiete. Jedes Jahr kommen Tausende der Zugvögel während ihres  langen Fluges aus Skandinavien und dem Baltikum in Deutschland an, um zu rasten. Ihr Weg führt sie weiter nach Südeuropa und Nordafrika, wo sie den Winter verbringen.

Ab Anfang August finden sich die einheimischen Brutpaare mit ihrem Nachwuchs an den so genannten Sammelplätzen ein. Zuerst kommen die Junggesellen und Paare ohne Bruterfolg, anschließend die Brutpaare mit ihren Jungen. Ab September erhalten sie Verstärkung von durchziehenden Kranichen aus nordischen und osteuropäischen Brutgebieten, die in Deutschland rasten. Sie verweilen zusammen mit den heimischen Kranichen an Sammelplätzen oder unterbrechen ihren Zug an Rastplätzen.

Erfolgreiche Renaturierungsmaßnahmen haben dazu geführt, dass die Diepholzer Moorniederung fester Bestandteil auf dem Zugweg der Kraniche geworden ist. Die weiten Moorflächen und deren Umgebung bieten den scheuen Zugvögeln beste Bedingungen für Rast und Nahrungsaufnahme auf ihrer langen Reise.

Und genau dort sollte es heute hingehen. Auf der Seite des BUND und des Naturpark Dümmer hatte ich die besten Beobachtungspunkte herausgesucht. 200 km Fahrtweg lagen vor uns und ein dicker Stau kurz vorm Ziel riss uns zeitlich 45 Minuten zusätzlich nach hinten. Aber da man die Kraniche am besten bei einsetzender Dämmerung beobachten kann, war das nicht weiter schlimm. Es blieb uns noch genug Zeit.

Unser erster Punkt war das Mittlere Wietingsmoor. Das Hochmoor ist der größte zusammenhängende Vorsammelplatz der Kraniche, bevor sie ihre Schlafplätze aufsuchen. Wir dachten eigentlich, dass man hier auch wandern kann aber es handelt sich hierbei nur um einen Beobachtungspunkt. Das Betreten der Moorflächen ist nicht gestattet. So sahen wir statt der Kraniche nur ein paar Gänse und fuhren daher zum knapp 15 km entfernten Neustädter Moor.

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Unterwegs entdeckten wir in den Feldern entlang der Straße bereits zahlreiche Kraniche, die auf Futtersuche waren. Auf einer großen Wiese standen bestimmt Hunderte von ihnen. Da die Vögel jedoch sehr scheu sind, sollte man sie nur aus dem Auto beobachten und einen gewissen Abstand einhalten. Störungen verunsichern die Vögel, trennen Eltern von ihren Jungen, und eine Flucht verursacht einen zusätzlichen Energieverbrauch, der durch vermehrte Nahrungsaufnahme ausgeglichen werden muss. Wir sahen selbst, wie leicht sich die Kraniche vertreiben lassen. Ein Autofahrer wollte sich näher an die Tiere heranbegeben aber bevor er überhaupt anhalten konnte, hob ein ganzer Schwarm ab und flog davon. Daher beim Beobachten so unauffällig wie möglich verhalten und die Tiere nicht stören.

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Der BUND stellt an den erfolgsversprechendsten Stellen einen mobilen Beobachtungswagen auf. Den Standpunkt kann man auf der Website erfahren.

Auch wir fuhren weiter und erreichten den Parkplatz des Neustädter Moores. Kurz vor Sonnenuntergang fliegen die Kraniche hier ein, um in einem der zahlreichen Moorgebiete ihren Schlafplatz aufzusuchen. Man sollte ca. 1 Stunde vor Sonnenuntergang vor Ort sein. Kraniche schlafen übrigens stehend in den flachen Gewässern der wiedervernässten Hochmoore. Vom kleinen oder großen Beobachtungsturm hat man einen tollen Blick auf die Landschaft und kann das Rufen der Kraniche in der Ferne hören. Man sollte allerdings beachten, dass es auf den Türmen sehr voll werden kann und rechtzeitig da sein.

Wir unternahmen eine 1,3 km lange Wanderung entlang des Moorpaads und sahen zahlreiche Kraniche am Himmel fliegen. Ein tolles Schauspiel. Wir hätten nicht gedacht, dass man soviele Vögel sieht. Wir waren begeistert. Die weite Anreise hatte sich gelohnt.

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Da sich Hunger breit machte, beschlossen wir uns auf die Rückfahrt zu machen. Unterwegs entdeckten wir weitere Kraniche auf den Feldern rund herum ums Moorgebiet. Einfach toll.

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In der unten stehenden Tabelle sind übrigens die Ergebnisse der durchgeführten Synchronzählungen für die Herbstsaison 2016 in der gesamten Diepholzer Moorniederung zu finden. Der Gesamtrastbestand ist die Anzahl aller Kraniche im BUND-Betreuungsgebiet bei Einflug in die Schlafplätze. Das sind schon eine ganze Menge . Mehr Infos gibts auch auf der untenstehenden Website des BUND.

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(Quelle Textauszüge und Tabelle: www.bund-dhm.de)