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Réunion: Unterwegs am Vulkan Piton de la Fournaise

Der heutige Tag wurde dem 2.632 m hohen Vulkan Piton de la Fournaise gewidmet. Schon länger ist der „Glutofen“ einer meiner Favoriten auf der Vulkanliste und ich freute mich auf diesen Ausflug. Vor knapp einem Monat hatte am 14. Juli die dritte Spalteneruption diesen Jahres begonnen, die allerdings gestern geendet hatte. Was für ein Pech. Die Natur ist eben nicht berechenbar.

Trotzdem ließen wir uns davon die Stimmung nicht betrüben, denn die Gegend soll auch so sehr schön sein.

Der Piton de la Fournaise ist vor 380.000 Jahren an der Südseite des Piton des Neiges entstanden und einer der aktivsten Vulkane der Erde. Seit 1950 wurden 47 Eruptionen registriert.

Der Vulkan ist der letzte aktive Vulkan auf La Réunion, es gibt immer wieder kleinere Eruptionen, die jedoch relativ ungefährlich sind, da es sich um einen effusiven Vulkan handelt, bei dem die Magmakammer schnell und ruhig entleert wird. Die Lava tritt häufig aus Spalten aus.

So fuhren wir nach dem Frühstück auf der kurvenreichen Straße RN3 immer dem Straßennamen Le Vulcan folgend bis zum Vulkanmuseum „Maison de Vulcan“ in Bourg-Murat.

Ab hier wird die Straße immer serpentinenlastiger und auch die Vegetation karger. Der Ausblick hingegen war am frühen Morgen einfach fantastisch. Endlich konnten wir die Umgebung mal ohne dichte Wolken genießen.

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Die Route de Vulcan (R5) führte uns von den ältesten bis zu den jüngsten aktiven Formationen des Vulkans und somit auch direkt zum Blick auf den Gipfel des Piton de la Fournaise.

An einem Aussichtspunkt entlang der Straße stoppten wir erneut und ließen den Blick über die weitläufige und grandiose Vulkanlandschaft schweifen.

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Die letzten Kilometer muss man einer unasphaltierten Buckelpiste mit vielen Schlaglöchern folgen. Mit einem normalen Mietwagen sehr interessant, nicht nur für die Stoßdämpfer des Autos, sondern auch für die des eigenen Körpers. Als uns am Morgen Axel erzählte, dass man je nach Fahrweise 10 – 20 Minuten benötigt, fragten wir uns spätens auf der Piste, wer denn wirklich in 10 Minuten am Parkplatz ankommt? Jeeps vielleicht oder Kamikazefahrer 😀.

Wir waren jedenfalls sehr froh als wir endlich am Parkplatz Pas de Bellecombe ankamen. Eintritt muss keiner entrichtet werden, auch keine Parkgebühr.

Natürlich wollten wir in dieser atemberaubenden Landschaft gerne wandern. Im Rother Wanderführer hatten wir uns daher die ca. 5,5 Stunden lange Tour 57 zum Cratere Dolomieu herausgesucht.

Die ersten Meter ging es über eine breite Schotterstraße, die sich immer weiter verengte und bald zu einem schmalen Pfad wurde.

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Der erste Blick von einem Aussichtspunkt fällt auf den Formica Leo, ein Vulkankrater, der 1753 entstand und mit seiner Form und den bunten Farben sofort ins Auge sticht.

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Die riesige Caldera – Enclos Fouqué – beeindruckte uns. Von oben sieht sie recht glatt aus, bei näherer Betrachtung erkennt man aber die Platten basaltischer Stricklava. Ein Ausbruch am 2. April 2007 war so gewaltig, dass der Hauptkrater des Vulkans eingebrochen ist. Der Boden des 1000 Meter langen und 500 Meter breiten Kraters sank um 300 Meter.

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Leider war der Weg zum Cratere Dolomieu und auch bereits zum Formica Leo aufgrund der derzeitigen Eruption komplett gesperrt und an einem dicken Eisengitter war daher Schluss.

Wir gingen daher zurück zur Aussichtsplattform am Pas de Bellecombe, von der wir nochmal einen Blick auf den Piton de la Fournaise und seine Nebenkrater schweifen lassen konnten.

Da eine Wanderung hier nicht in Frage kam beschlossen wir, zum Parkplatz Foc Foc zu fahren, von dem man eine Wanderung zum Piton Bert und der derzeitigen Eruptionsspalte unternehmen kann.

Der Weg ist gut markiert und man braucht einfach nur den rot-weißen Wanderzeichen zu folgen. Parallel zum Wanderweg verläuft eine unasphaltierte Piste, die von Arbeitern genutzt wird. Man kann sich also entscheiden, welchen Weg man lieber nehmen möchte.

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Wir präferierten den Wanderweg, da dieser auf schmalen Pfaden teilweise entlang des Kraterrands führte und tolle Blicke auf den Piton de la Fournaise eröffnete.

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Allerdings zogen so langsam Wolken auf und bis zur aktuellen Ausbruchsstelle waren es gut 5 km. Wir legten also einen Zahn zu. Fotostopps durften natürlich trotzdem nicht fehlen.

Je näher wir uns der Ausbruchsstelle näherten umso grandioser wurde der Blick auf den Vulkan. Die älteren Eruptionsspalten und kleinen Krater waren noch gut zu erkennen. An einigen Stellen dampfte die abkühlende Lava von den vorherigen Eruptionen im Mai und Januar diesen Jahres noch.

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Wir genosssen den Ausblick und gingen strammen Zuges weiter zum Piton de Bert.

In der Ferne dampfte es aus einer Spalte noch ordentlich und daher vermuteten wir, dass das auch die aktuelle Ausbruchsstelle gewesen war.

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Die Wolken ließen jedoch nur noch wenig Spiel für einen intensiven Blick und kurz bevor wir den Gipfel des Piton de Bert erklommen hatten, war vom Piton de la Fournaise nichts mehr zu erkennen.

Eine weiße Wolkenwand hatte den Vulkan komplett eingehüllt. Wir suchten daher den Geocache auf dem kleinen Gipfel der Erhebung und liefen danach schnellen Weges zurück zum Auto.

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Mittlerweile konnte man die Umgebung gar nicht mehr erkennen und wir hofften nur, dass wir trockenen Fußes zum Auto zurückgelangten. Dem war leider nicht so.

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Auf den letzten 1,5 km wurden wir ganz schön nass. Der Regen wurde immer stärker und unser Gang daher schneller. Zum Glück war es nicht mehr weit. Ein paar Leute waren allerdings noch weit hinter uns… Aber wofür hat man ja auch eigentlich Regenjacken? Ist ja jetzt nicht so, als ob wir nicht gewusst hätten, dass sich das Wetter hier schnell verändern kann 😀😛.

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Endlich am Auto angekommen zogen wir die nassen T-Shirts aus und schmissen die Heizung an, denn auch die Temperatur hier oben hatte rapide abgenommen. Ich frag mich ja immer, ob wir eigentlich irgendwann mal dazu lernen werden. Da hat man die ganze Outdoorausrüstung dabei und nichts davon im Rucksack.

Durch Regen fuhren wir entlang der Vulkanstraße zurück nach Bourg-Murat. Da wir nicht wussten, ob das Wetter im Tal besser war, beschlossen wir, dem Vulkanmuseum einen Besuch abzustatten.

9 Euro / Person kostete der Eintritt (ohne 4D-Kino). Dafür bekam man einiges über die hiesige vulkanische Aktivität und im Allgemeinen erklärt. Leider nur teilweise auf Englisch.

Wir ließen uns Zeit und schlenderten in Ruhe durch das moderne Museum. Auch Videoaufnahmen aktueller und vergangener Eruptionen kann man sich anschauen.

Zum Abschluss sahen wir uns einen Naturfilm in 270° Kino an. Den kann man sich allerdings sparen. So toll fanden wir den nicht. Es ging eher um die Entstehung der Erde und der Planeten als um den Piton de la Fournaise.

Nach einer knappen Stunde gingen wir zum Auto und fuhren zurück Richtung Le Tampon. Der Regen hatte allerdings immer noch nicht nachgelassen.

Da wir noch etwas Essen wollten, beschlossen wir zum Supermarkt nach St. Pierre zu fahren und uns dort ein heißes Hähnchen zu holen. Aufs Essengehen hatten wir heute keine Lust.

Der Verkehr hatte stark zugenommen und nach einigen kleinen Staus erreichten wir gegen Sonnenuntergang den Carrefour.

Zuerst waren wir unentschlossen, ob wir nicht doch lieber etwas gehen sollten, denn das Hähnchen ohne Besteck im Auto zu essen war auch nicht so toll. Aber wir hatten einfach mehr Lust aufs Hähnchen als auf ein Restaurant. Wir bissen in den sauren Apfel, kauften ein fertiges ganzes Hähnchen und dazu Brot und Salat.

Da es keine Bänke gab, setzten wir uns vor das Auto und aßen dort in Ruhe. Nicht die schönste Atmosphäre aber dafür schmeckte das Hähnchen sehr lecker. Auch wenn man sich von den ganzen Leuten doch sehr beobachtet fühlte. Aber so what. Wir hatten unseren Spaß 😀. Auch wenn Marcel sich ganz anstellte, was das Essen eines Hähnchens mit Fingern anging. Wo sind die Männer von früher, die Jäger und Sammler?

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Bevor es dunkel wurde, fuhren wir wieder hinauf zu unserer Unterkunft und ließen den Abend in Ruhe ausklingen.