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Marrakesch: Besteigung des Djbel Toubkal

Aufstieg von der Toubkal-Hütte zum Gipfel

Max. Höhe: 4.167m
Höhenmeter von der Toubkal-Hütte zum Gipfel: 960m
Wetter: Sonnig und warm
Dauer: Von der Hütte bis zum Gipfel: ca. 3,5 Std.
(Inkl. Foto- und Frühstückspausen)

Schneefeld:
– Steigeisen nicht vergessen
– im Sommer meist aper


Heute morgen war es dann soweit; der Gipfel des Toubkal erwartete uns. Um halb 6 wollten wir los.

Nach einer warmen Suppenmahlzeit gingen wir los. Von der Hütte liefen wir über ein wenig Schnee auf Schutt und Geröll weiter. Der Weg war gut zu erkennen. Man läuft quasi hinter der Hütte entlang. Da hinter der Hütte ein reißender Fluss fließt, mussten wir diesen nun überqueren. Das war mir schon nicht geheuer, denn wir mussten entweder durchs Wasser oder über Felsen. Die Strömung war allerdings recht stark und nasse Füße waren vorprogrammiert, daher schaute ich mir erstmal alles in aller Ruhe an und bemerkte, dass eigentlich jeder außer uns Steigeisen dabei hatte. Als ich mir das Schneefeld ansah, wusste ich, dass ich auch welche wollte. Ziemlich steil ging es über Schnee nach oben und da ich nicht wusste, wie es weiter oben aussieht und ich auch nicht über Schnee mit meinen normalen Bergschuhen laufen wollte, drehten wir um und gingen zur Hütte zurück, in der Hoffnung, dass ich mir dort Steigeisen leihen konnte.

Für umgerechnet 20€ (200MAD) war ein Bergführer bereit, mir seine für heute zu überlassen. Er begleitete uns sogar noch bis zum Fluss und ein anderer Bergführer half uns dann über die Steine hinüber.

Auf der anderen Seite mussten wir ein paar Felsen hochklettern und befanden uns dann schon auf dem Schneefeld, das laut Marcel nur bis über den ersten Kamm gehen sollte, dahinter würde nur noch Geröll folgen… denkste…

Der Bergführer half mir beim Anziehen der Steigeisen und wir konnten somit vor der großen Gruppe, die auch mit uns über den Fluss gegangen war, aufwärts gehen. Der Schnee war noch schön hart, sodass ich mit meinen Steigeisen nun wunderbar zurecht kam und auch keine Angst vor dem Wegrutschen hatte. Nachdem wir den ersten steileren Anstieg hinter uns hatten, ging es weiter mit einem noch steileren. Der Weg ist gut zu erkennen und wenn es keinen sichtbaren Weg gibt, kann man einfach irgendwie laufen. Das Schneefeld ist sehr breit und an allen Seiten gleich steil.

Nachdem wir über den ersten Sattel gegangen waren, kamen wir zu einem Tal. Dort ging es dann auch zur Abwechslung mal etwas gemächlicher bergauf. Das änderte sich aber schnell und schon bald erwartete uns wieder ein knackiger Anstieg. Den empfand ich auch persönlich als am qualvollsten. Der nahm einfach kein Ende und als wir ihn endlich hinter uns hatten, lag ein laaaaanger, etwas flacherer Weg bis zum letzten Anstieg vor uns.

Das Schneefeld wurde von der Sonne angestrahlt und es wurde wärmer. Wir erreichten außerdem schon knapp die 4000er Grenze und das Atmen fiel schwer. Auf dem großen Schneefeld konnte ich kaum 20 Schritte gehen, ohne zu pausieren. Sehr anstrengend und man kam einfach nicht voran. Irgendwann erreichten wir aber doch unseren anvisierten Pausenpunkt.

Nach 5 Minuten Rast ging es auch schon weiter, immer den nächsten Pausenplatz im Visier, der schon wenige Meter weiter wartete. Hier rasteten wir auch ein wenig länger, denn der Blick war wirklich schön. Auf Felsen konnten wir uns ein wenig ausruhen und sogar schon das Gipfelzeichen sehen. Es waren jetzt noch „bloß“ 100 Höhenmeter.

Also rafften wir uns auf und gingen weiter zum finalen Anstieg. Während wir bis hier nur über Schnee gelaufen waren, ging es nun schon ein wenig felsiger zu und irgendwie war mir nicht bewusst, dass ich mit den Steigeisen auch gefahrlos über Steine laufen kann. Also bin ich denen immer ausgewichen und wenn ich doch welche unter meinen Füßen hatte, bin ich sehr vorsichtig gegangen. Vollkommen unnötig, wie ich jetzt weiß aber immerhin war das erst mein zweites Mal auf Steigeisen und diesmal länger und felsiger als auf dem Weg zur Zugspitze.

Nachdem wir auch hier wieder etliche Mal kleine Atempausen einlegen mussten, kamen wir alsbald an eine Stelle, die mir und meiner Höhenangst nicht so recht behagte. Solange es über einen breiten Weg bergauf geht, gibt’s keine Probleme aber hier gab es nur einen Schneepfad um den Berg herum. Links von mir ging es steil in die Tiefe und ein Fallen wäre fatal gewesen. (Man konnte nicht einmal soweit nach unten sehen, wohin und wie weit man fiele) Also bloß schnell dieses Stück hinter mich bringen.

Die für mich unbehaglichste Stelle kam aber noch als große Felsen den Weg quasi versperrten. Man musste nun über diese drüberklettern. Das gelang mir nicht, ich brauchte ewig, überlegte mindestens genauso lange, ob ich nicht doch lieber umkehren soll. Die Entscheidung nahmen mir dann allerdings 2 Bergführer ab, die auf dem Weg nach unten waren und mir nun halfen, über die Felsen zu klettern. Suuuuper, wie sollte ich jemals hier wieder runter kommen, wenn ich schon hoch Hilfe benötigte.

Aber gut, jetzt war ich drüber, jetzt musste ich sowieso wieder hinunterklettern. Marcel und ich gingen nun die letzten Meter bis zum Gipfel.

Wir hatten eine wunderbare Sicht und erreichten das Gipfelzeichen auf 4167m Höhe gegen 10 Uhr. Da es sehr kalt hier oben war, musste ich nun erstmal die Daunenjacke drüberziehen. Pausieren konnte man hier nicht lange, zu windig und eisig. Wir machten ein paar Fotos und gingen wieder bergab.

Und wie erwartet bereitete die vorhin erläuterte Felsenstelle nun Probleme. Marcel hatte keine Steigeisen an und kam nicht mehr hinüber. Erst trat er auf Eis, wo glücklicherweise aber nichts passierte und dann wusste er nicht, wie er über die Felsen kommen sollte. Da hatte sich mittlerweile ein Schnee-Felsengemisch gebildet, dass rutschig war. Über den Felsen aber lag noch Schnee, so dass er sich nirgends richtig festhalten konnte. Das zu sehen, half mir jetzt nicht wirklich meine Angst zu überwinden. Im Gegenteil, mir zitterten die Beine. Ich wollte nur endlich hier weg, warum war ich nicht vorgegangen… Nun kamen uns auch noch Leute entgegen und Marcel lieh sich von denen einen Eispickel, mit dem er es nun schaffte, wieder auf den Schneepfad zu gelangen. Gott sei Dank. Ich musste nun warten, bis der Gegenverkehr weg war. Toll. Ich saß also mitten auf den Felsen, blickte in den Abgrund und musste nun auch gleich noch ein Stück nach unten rutschen, um den Weg vernünftig gehen zu können. Oh man. Da ich den Steigeisen immer noch nicht so recht vertraute, was das Laufen auf Felsen angeht, war ich sehr ängstlich und brauchte doch ein wenig länger, um endlich auch auf dem Schneepfad weiter abwärts laufen zu können.

Von hier an wars dann kein Problem mehr. Nur der Schnee wurde jetzt schon ziemlich sulzig und je weiter man nach unten kam, desto wärmer wurde es auch.

Kurz vor der Hütte war der Schnee schon so weich, dass er unter den Steigeisen haftete. Ich rutschte dauernd weg und war froh, als wir gegen 12 Uhr endlich an der Hütte ankamen.

Dort hielten wir uns noch ein wenig draußen auf und gingen dann erstmal aufs Zimmer, um ein wenig zu entspannen. Später setzten wir uns noch ein wenig auf das Dach der Hütte, von wo man eine gute Sicht auf die anderen Trüppchen hatte, die nach und nach wieder nach unten kamen.

Eine schöne, leichte Bergtour und der erste 4000er 🙂