Venezuela: Wandern im Sierra Nevada Nationalpark in den Anden

Marcel und ich wurden bereits um 06:00 Uhr durch die Hauspapageien geweckt. Die beiden saßen im Baum vor unserem Zimmer und unterhielten bzw. zankten sich. Das war niedlich. Da wir dank Jetlag sowieso schon hellwach waren, standen wir auf, duschten und und bekamen um 08:00 Uhr ein leckeres Frühstück. Vor allem der frisch gepresste Saft war sehr lecker. Neben Rührei gabs Toast, Schinken, Käse und Marmelade.

Nach dem Frühstück warteten wir auf Kai. Dieser musste sich allerdings erst um die 5 Jungs kümmern. Die wollten den Pico Humboldt besteigen und reisten um 09:30 Uhr ab. Wir setzten uns solange in den Garten der Posada.

Um 09:30 Uhr gingen wir zu Kai ins Büro. Wir tauschten dort 200 Euro um und hofften, damit auch hinzukommen. Danach zeigte er uns, wie wir nach La Mucuy in den Sierra Nevada Nationalpark kommen. Zuerst sollte es mit dem Bus nach Tabay gehen. Von dort mit einem Per Puesto weiter nach La Mucuy. Wir zappelten nicht lange, denn es war schon spät. Wir gingen kurz auf unser Zimmer. Dort bestaunten wir jedoch erstmal den Batzen Geld, den wir bekommen hatten. Soviel für vier 50-Euroscheine war schon erstaunlich.

Wir gingen nun zur beschriebenen „Bushaltestelle“. Diese befand sich ca. 30-40 Meter von der Posada entfernt. Wir sollten einfach den Bus per Handzeichen anhalten. Leider klappte das aber nicht wirklich. 3 Busse fuhren an uns vorbei, ohne auch nur kurz zu stoppen. Eine weitere Familie gesellte sich zu uns. Als auch bei denen der Bus nicht anhielt, schnappten sie sich ein Taxi, während wir immer noch dumm dort rumstanden.

In der Posada hatten wir noch 4 weitere Leute kennengelernt, die aus Deutschland stammen und in Venezuela an einer Schule lehren. Sie sagten uns, dass man weiter unten an der Straße mehr Glück hat, einen Bus zu erwischen. Also liefen wir zusammen bergabwärts an der vielbefahrenen Straße her. Ohne Bürgersteig war das ein interessantes Unterfangen. Man konnte nur hoffen, dass die Autos uns auch sahen. Zum Thema Autos muss man hier noch anmerken, dass die Venezolaner wirklich alles fahren. Vom alten Ford Mustang bis zum Neuwagen. Da sehr viele alte Autos aus den 70er, 80er Jahren hier noch auf den Straßen unterwegs sind, stinkt es enorm nach Abgasen.

Aber zurück zum Bus. Wir warteten weiter und auch der nächste Bus hielt nicht. Anscheinend waren die alle schon überfüllt. Während die 4 Lehrer zu Fuß weitergingen, entschlossen wir uns auf den nächsten Bus zu warten. Sollte dieser wieder nicht kommen, nahmen wir auch ein Taxi. Doch glücklicherweise stoppte dieser und wir konnten nach einer Ewigkeit endlich nach Tabay fahren. By the way, nach ca. 5 Minuten Fahrt kamen wir schon am Plaza Bolivar in Tabay an… Jeder Platz in den Städten oder Dörfern heißt Plaza Bolivar. Eine Konstante muss man ja haben. Beim Aussteigen muss man übrigens den Ticketpreis bezahlen. Insgesamt kostete uns die Fahrt 5 Bolivar. Wir hatten für 1 Euro 20 Bolivar erhalten.

In Tabay angekommen mussten wir nun das Sammeltaxi suchen. Auch das war gar nicht so leicht. Aber zum Glück war der Platz nicht groß und wir sahen das Taxi zufälligerweise. Eine perfekte Anbindung. Leider hatten wir keine Zeit mehr etwas zu trinken zu kaufen. Wir verließen uns daher darauf, dass es in La Mucuy noch etwas gab.

30 Minuten dauerte die Fahrt hinauf zum Nationalparkeingang. Auf ca. 2000m konnten wir dann aussteigen und zu Fuß weitergehen. Nur zu Trinken bekamen wir hier nichts mehr. Wir meldeten uns beim Parkranger, der jedoch kein Englisch verstand. Wir hingegen kein Spanisch. So kamen wir irgendwie mit Händen und Füßen und ein paar spanischen Brocken zurecht und konnten ihm klar machen, dass wir nicht dort oben übernachten wollen, sondern nach 4-5 Stunden zurückkamen.

Der Sierra Nevada Nationalpark bildet auch den Ausgangspunkt für die Touren auf den Pico Bolivar (den höchsten Berg Venezuelas) und den Pico Humboldt. Gerne hätten wir einen von beiden auch in Angriff genommen aber dafür reichte die Zeit nicht. Sehr schade.

Nachdem wir mit dem Ranger alles geklärt hatten, wanderten wir nun los. Zuerst ging es ein kurzes Stück über eine asphaltierte Straße, dann bogen wir links ab Richtung Campingplatz.

Am Campingplatz sollte es ein Cafe geben und wir hofften, dort noch etwas zu trinken kaufen zu können. Leider fanden wir kein Cafe. Sehr komisch, dabei sah das Schild, welches darauf hinwies noch gar nicht so alt aus. Also gab es keine Getränke… Das konnte ja was werden. Wir gingen den Weg zurück und liefen auf einem schmalen Pfad in den Park hinein. Auf 2200 Metern schlängelte sich der Weg nun durch sattes Grün entlang. Wirklich wunderschön.

Der Weg wand sich immer weiter nach oben, bis wir wieder am Campingplatz auskamen. Hm, da sind wir wohl nur einen Rundweg gegangen. Laut Kais Aussage sollte hier nun irgendwo der richtige Weg beginnen, welchen auch die Bergsteiger nehmen. Wir entdeckten ihn zwischen den Bäumen und tauchten ein in die faszinierende Welt der Nebelwälder.

Wir überquerten eine Brücke und hofften dort unten ein wenig kühles Nass trinken zu können. Doch leider befand sich das Wasser ziemlich weit unten. Wir liefen daher weiter durch die herrliche Vegetation und waren vollkommen begeistert von der Umgebung.

Riesige Farne säumten den Weg, über uns flogen Papageienschwärme. Die großen Bäume ragten meterhoch über unseren Köpfen in den Himmel. Ein Paradies. Wir entdeckten sogar ein paar schöne Blumen. Wir gewannen schnell an Höhe. Der breite Weg wurde langsam schmaler und schmaler und war kaum noch als solcher zu erkennen. Die Natur holt sich schnell ihr Revier zurück. Viele bunte Schmetterlinge gab es hier und Vogelarten, von denen wir noch nie etwas gesehen hatten.

Zwischendurch konnten wir einen Blick durch das üppige Grün auf die gegenüberliegende Seite werfen. Wir folgten dem Weg weiter bergauf. Selbst das GPS hatte diesen Weg eingezeichnet aber verlaufen konnte man sich nicht, es gab nur diesen einen Weg.

Ein kleiner Vogel begleitete uns ein Stück auf unserem Weg. Der konnte wohl nicht fliegen. Oder er wollte uns zu einer Wasserstelle führen. Die fanden wir nämlich genau dort, wo er im Gebüsch verschwand. Endlich konnten wir etwas trinken. Das Wasser war glasklar und sah trinkbar aus. Hier trafen wir auch das erste Mal auf andere Leute.

Der Weg wurde enger und enger. Die Vegetation rückte immer näher. An manchen Stellen wäre sicherlich eine Machete angebracht gewesen. Zu Marcels Glück gab es hier keine Schlangen. Zu meinem Pech jedoch jede Menge Spinnen, daher musste er diesmal vorgehen.

Wir hatten uns eine feste Uhrzeit gesetzt, bei der wir wieder zurückgehen wollten. Es war nun 14 Uhr und um 15 Uhr wollten wir umkehren. In der Ferne hörten wir einen Wasserfall rauschen. Bis dorthin wollten wir noch gehen. Laut GPS 900 Meter Luftlinie. Bis wir jedoch dort ankamen waren es mindestens 2km Fußweg. Es ging nun ordentlich bergab. Dies mussten wir natürlich gleich wieder bergauf gehen. Mittlerweile kamen uns auch einige Leute entgegen, die wahrscheinlich vom Gipfel abstiegen.

Wir erreichten den grandios klingenden Wasserfall auf 2800m Höhe. Leider fanden wir hier oben nur den Ausläufer vor. Der rauschende Fluss befand sich viel weiter unten im Tal. Aber so konnten wir uns auch hier noch einen Schluck genehmigen und viel Trinken. Das kalte Wasser tat gut.

Der Nebelwald machte seinem Namen nun alle Ehre. Es zog sich zu und wir gingen zurück zum Parkeingang. Trotz des gleichen Rückweges war die Natur nicht minder eindrucksvoll. Bereits eine Stunde später erreichten wir wieder den Ausgangspunkt und liefen am Campingplatz vorbei zur Rangerstation.

Hier begann jedoch gleich ein neues Abenteuer. Wir wussten nämlich nicht, wann das Sammeltaxi hier oben eintreffen würde und ob überhaupt noch. Daher setzten wir uns eine halbe Stunde in den Rasen. Doch es kam kein Taxi und wir erwarteten schon, den ganzen Weg bis nach Tabay laufen zu müssen… Das wäre sehr weit. Wir entschlossen uns um 16:45 Uhr aufzubrechen und dem Taxi entgegenzulaufen. Würden wir eins sehen, würden wir dem Fahrer zuwinken. Unterwegs entdeckten wir zum Glück noch einen Kiosk, wo wir endlich Wasser kaufen konnten. Welch ein Genuss. Wir gelangten schnell bergab, dann endlich kam uns auch ein Per Puesto entgegen. Wir winkten dem Fahrer zu. Er würde uns auf dem Rückweg einsammeln. Allerdings dauerte es ziemlich lange, bis das Taxi kam. Zum Glück jedoch noch vor der nächsten Weggabelung, denn spätestens hier wären wir falsch gelaufen. Das Taxi nach Tabay bog rechts ab. Marcel und ich wären geradeaus gelaufen. Nach 20 Minuten Fahrt erreichten wir wieder den Plaza Bolivar in Tabay. Diesmal kostete die Fahrt weniger als auf dem Hinweg. Wir bezahlten 10 Bolivar. Auf dem Hinweg 30. Da hatte uns der Fahrer wohl beschissen. Naja, bei dem Haufen Geld den wir hatten, wars wahrscheinlich auch egal.

Die Busfahrt zurück zur Posada klappte nun ein wenig besser. Der Bus war nur leider extrem wohl, wenn nicht überfüllt. Und wir konnten dem Fahrer nicht sagen, wo wir aussteigen mussten. Doch zwei Venezolaner halfen uns dabei. Ein Mann musste dort auch aussteigen und so verpassten wir zumindest nicht unseren Halt. Welch ein Glück, denn wie man dem Busfahrer sagt, dass man aussteigen möchte, wissen wir bis heute nicht.

Gegen 18:30 Uhr kamen wir an der Posada an. Dort brachte uns der Koch des Hauses, Rickie, das Essen. Danach gingen wir ins Zimmer und schliefen recht bald ein.