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1. Etappe: Von Bonn nach Königswinter

Ganz spontan beschlossen wir am gestrigen Abend das Pfingstwochenende zur Erwanderung von zwei oder drei Etappen entlang des Rheinsteigs zu nutzen. Als erstes musste jedoch eine Unterkunft gefunden werden. Das gestaltete sich gar nicht so einfach, da es nicht allzu viele Gaststätten und Pensionen gibt. Die Pensionen, die ich fand, waren entweder ausgebucht oder es war schon zu spät für eine Buchung. So schauten wir nach Hotels und entdeckten das Seminaris Hotel Bad Honnef. Für 79€ / Nacht inkl. Frühstück buchten wir das Hotel und bereiteten nun die Etappen vor. Auf der offiziellen Website des Rheinsteigs kann man sich Wegbeschreibungen und GPS-Tracks ausdrucken und herunterladen. Davon machten wir gerne Gebrauch und packten danach noch schnell unsere Sachen. Viel zu spät gingen wir ins Bett und standen am nächsten Morgen um 05:30 Uhr schon wieder auf. Mit dem Auto fuhren wir nun nach Königswinter, parkten das Auto am Bahnhof und nahmen Bus und Zug zum Einstieg der ersten Etappe am Marktplatz in Bonn. Die Bahn hatte zum Glück ihren Streik beendet und wir erreichten Bonn um kurz nach 9. Der Bus hielt direkt am Marktplatz, wo auch der Wanderweg beginnt. Wir wollten jedoch noch einen Wanderführer kaufen und gingen in die Buchhandlung in der Innenstadt. Nachdem wir uns für den Kompass Wanderführer „Rheinsteig“ entschlossen hatten, marschierten wir erneut zum Marktplatz und suchten nach dem Einstieg. Rechts neben dem Rathaus entdeckten wir die etwas versteckte Beschreibung und die erste blau-weiße Markierung des Rheinsteigs.

Wir folgten nun der Markierung zum Hofgarten. Den großen, gepflegten Garten durchwandert man jedoch nicht, sondern biegt vorher links ab und läuft am Opernhaus vorbei zur Rheinpromenade. Wir folgten der Promenade, bevor wir auf der Kennedy-Brücke den Rhein überquerten. Das Wetter hätte zwar besser sein können aber immerhin regnete es nicht. Von der Rheinbrücke genossen wir den Ausblick auf den Post-Tower und das Gebäude der Vereinten Nationen, das im Volksmund „langer Eugen“ genannt wird. Früher bewohnten der Bundestag und die Abgeordneten das hohe Gebäude.

Auf der anderen Seite der Brücke folgten wir der Wegbeschilderung die Treppe hinunter und wanderten auf der schönen, breiten Promenade immer entlang des Rheins. Unterwegs gibt es immer etwas zu Gucken, wie bspw. dem Brückenmännchen, dass seinen Hintern zur Beueler Seite streckt. Hintergrund ist, dass die Brücke ausschließlich von Bonnern finanziert wurde.

Nach ca. 2km entdeckten wir am gegenüberliegenden Ufer das ehemalige Gebäude des Deutschen Bundestages, den Post-Tower und den langen Eugen. Wir folgten dem Wanderweg noch ein wenig durch den Rheinauenpark, kehrten dem Rhein dann den Rücken und liefen an einem Spielplatz vorbei zum riesigen Campus der Telekom. Wir durchwanderten den großen Komplex und folgten der Beschilderung auf einer Asphaltstraße und an Häusern vorbei bis zur St. Gallus Kirche. Hier ging es das erste Mal leicht bergauf und wir konnten einen Blick auf den Friedhof und die Kirche werfen.

Nun ging es in den Wald hinein. Über Treppenstufen gelangten wir nach oben. Am Ende der Treppe wartete das Foveaux-Häuschen, in dem wir uns eine kleine Pause gönnten. Das Wetter besserte sich ein wenig und die Wolken ließen die Sonne hindurch.

Auf einem Waldweg folgten wir weiter dem Rheinsteig. Wir wanderten hinunter zu einem Bachlauf und stiegen danach gleich wieder an. Wir überquerten eine Landstraße und gelangten zum Wanderparkplatz Dornheckensee. Auf breiten Waldwegen liefen wir weiter. Unterwegs machten wir immer wieder einen Abstecher zur Abbruchkante und konnten eine tolle Fernsicht über den Rhein, die angrenzenden Städte und den Dornheckensee genießen. Der Lärm der Autobahn ist jedoch permanent zu hören. Aber das kann man nach einiger Zeit ausblenden.

Der Weg führte weiter zum Kuckstein, von dem man erneut einen schönen Blick in das Rheintal hat. Wir folgten dem Wanderweg noch ein wenig durch den Wald und verließen diesen abwärts gehend bis Bonner Stadtteil Oberkassel.

Wir befanden uns am Ortsrand und genossen einen herrlichen Blick auf die Häuser von Oberdollendorf. Oberhalb der Weinberge luden Bänke zum Verweilen ein. Am Aussichtsplatz „Rheinblick“ legten auch wir eine Rast ein.

Wir folgten weiter der asphaltierten Straße und gingen alsbald wieder in den Wald hinein. Lange folgten wir dem Waldweg jedoch nicht, sondern überquerten eine Landstraße und wanderten am Waldesrand weiter. Mit herrlichem Blick auf die saftig grünen Wiesen erreichten wir nach 45 Minuten das Kloster Heisterbach. Der Rheinsteig zweigt vor der Klostermauer jedoch nach rechts ab. Da wir allerdings Lust auf ein Stück Kuchen hatten, kehrten wir im Kloster ein und setzten uns an einen Tisch. Bei dem heutigen Wetter war es recht voll aber die Bedienung kam sofort und nahm unsere Bestellung auf.

Die Preise sind für solch einen touristisch frequentierten Ort sehr human. Nach der Stärkung kehrten wir zum Rheinsteig zurück und folgten diesem in den Wald hinein. An einem steinernen Wegkreuz bogen wir nach rechts ab und wanderten bergauf zum Petersberg.

Der erste richtig schweißtreibende Anstieg endete an einem hohen Zaun. Durch ein offenes Tor gelangten wir hinein und folgten den letzten Metern hinauf bis zum Steigenberger Grandhotel, dass sich auf dem 337m hohen Petersberg befindet. In dem Hotel, das auch als Gästehaus der Bundesregierung dient, residierten die Königin Elisabeth II., Bill Clinton, Nelson Mandela sowie viele weitere Staatsoberhäupter. Hier unterzeichnete auch Bundeskanzler Konrad Adenauer am 22. November 1949 nach 25 Verhandlungsrunden das ihm von den Alliierten Hochkommissaren vorgelegte Petersberger Abkommen. Auch nach der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin fungiert der Petersberg als Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland und Alleineigentümer ist weiterhin der Bund. Zwar ist die Nutzung durch Staatsgäste im Rahmen von Staatsbesuchen seitdem stark zurückgegangen, die deutschen Verfassungsorgane nutzen das Hotel jedoch in unregelmäßigen Abständen für Konferenzen, u. a. wegen der Sicherheit des Hotels. Und diese ist nicht zu übersehen. Überall befinden sich Überwachungskameras und Zäune. Auch Privatpersonen können im Steigenberger Hotel nächtigen. Uns war dies jedoch mit 200 Euro / Nacht zu teuer. Zudem hätte man für das Frühstück auch noch einmal 28 Euro / Person bezahlen müssen. So schauten wir uns den Hotelkomplex von außen an und genossen die tolle Aussicht auf Bad Godesberg, das Rheintal und den Drachenfels.

Wir gingen danach wieder zurück zum Rheinsteig und folgten diesem bergab Richtung Drachenfels. Der Weg verlief immer am Zaun entlang bis zu einem Funkmast, an dem wir nun abwärts ins Tal wanderten. Auf einem geschotterten Waldweg liefen wir an gelbblühenden Ginterbüschen immer weiter hinab gen Tal.

Immer schmaler und immer steiler wurde der Weg, bis wir auf die asphaltierte Straße trafen, die hinauf zum Petersberg führt. Das ging ganz schön auf die Knie und Oberschenkel. Zum Glück war es nicht nass. Bevor wir nun die rot-weiße Schranke durchwanderten, entschieden wir uns, die erste Etappe hier abzuschließen. Bis Königswinter waren es von hier jetzt 3km. Der offizielle Wanderweg hätte noch einen Schlenker von ca. 4km und einen steilen Anstieg eingebaut um nach Königswinter zu kommen. Unser Wanderführer empfahl hier an der Schranke hinab zur Hauptstraße zu gehen und mit dem Bus von der Haltestelle „Rosenauer Weg“ nach Königswinter zu fahren. Da der Bus jedoch nur einmal die Stunde (immer um „21“) fuhr und wir diesen gerade verpasst hatten, wanderten wir entlang der Landstraße auf einem Fußgängerweg hinab ins Tal. Die 3km zogen sich ziemlich aber wir konnten noch einmal einen tollen Blick auf den Petersberg, das Hotel und den Drachenfels werfen.

Gegen 17:00 Uhr erreichten wir den Bahnhof von Königswinter und fuhren mit dem Auto zu unserem Hotel nach Bad Honnef (ca. 10 Minuten). Ein schöner erster Wandertag neigte sich nun dem Ende und nach 23km waren wir auch ganz froh, die Füße hochzulegen. Die Zeitangabe des GPS´ stimmt allerdings nicht, sonst wären wir ganz schön flott gewesen Lachend.